26.11.19 – Gründer-Duo punktet mit textiler Sensorik — read English version

Sensomative bietet smarte Lösungen

Die Zwei-Mann-Firma Sensomative verwandelt mit Hilfe von textiler Sensorik und Mustererkennung passive Objekte in intelligente Systeme.

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Halb Unternehmer, halb Wissenschaftler: Startup-Gründer Stefan Plüss und Dr. Roland Zemp © Sensomative

 
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Erst skalierbarer Prototyp, demnächst Serienprodukt: das Sensorkissen „sensomative wheelchair“ © Sensomative

 

Seit vier Jahren am Markt kann das Schweizer Startup auf ein organisches Wachstum ohne Investoren und interdisziplinäre Anwendungen seiner Systemtechnik verweisen.

Diese Grundidee ist attraktiv für Produzenten von Nischenprodukten (Rollstühle, Motorradhandschuhe und schusssichere Westen) sowie von Volumenmärkten (Bekleidung, Matratzen und Bürostühle). Eines Tages – das ist allerdings derzeit noch ein Wunschtraum – sollten Fahrzeughersteller aus Wolfsburg, Stuttgart oder München auf die smarten textilen Leistungsangebote der beiden Gründer aufmerksam werden. Werden von Dr. Roland Zemp (Biomechaniker) und Stefan Plüss (Maschineningenieur) Drucksensortextilien in Stühle, Socken, Liegemöbel, Schuhe und Gymnastikmatten implantiert, dann lassen sich damit Druckmuster des menschlichen Körpers erfassen und als Echtzeit-Algorithmen auf eine Smartphone-App leiten, die den Benutzer vor gesundheitsschädlichen Druckmustern warnt.

Beispiel „sensomative wheelchair“:

Auf dem 2019er Anwenderforum Smart Textiles war Sensomative mit einer Kombination aus textilen Sensoren und intelligenten Klassifizierungsalgorithmen zur Dekubitus-Vermeidung vertreten. Die von der ETH Zürich getestete Technologie bestehend aus Sensormatte, Elektronik und App.

Während die App das aktuelle Sitzverhalten und die damit auftretende Druckbelastungen analysiert, lassen sich durch die Neuentwicklung Durchblutungsstörungen und chronische Wunden durch falsches Sitzen vermeiden.

Entsprechende Handlungsaufforderungen an den Nutzer werden via Smartwatch oder Smartphone signalisiert. Mit Blick auf baldige Serienprodukte arbeitet Sensomative derzeit mit dem international tätigen Medizinaltechnik-Unternehmen Invacare (Marke Küschall) zusammen.

Neben dem Sensorkissen für Rollstuhlfahrer wurden bereits weitere Weichen für eine möglichst zeitnahe Serienproduktion gestellt – unter anderen für einen Beckenbodentrainer als Weltneuheit der Firma Acticore.

Dr. Roland Zemp:

„Das von uns verkaufte textile Druckmesssystem wird bereits für solche Anwendungen wie Büro- und Rollstühle, Motorräder und für wissenschaftliche Studien eingesetzt.“ Gegenwärtig wird daran experimentiert, wie mit Hilfe texiler Sensorik in einem Boxkissen und einer App die Motivation für das Training in dieser Sportart spielerisch gesteigert werden kann. „Dabei ist es wichtig, dass Hersteller und externe Entwickler möglichst schon ab der Ideenfindung zusammenarbeiten“, weiß Dr. Zemp.

Die Nähe zur Hochschule ist dabei geradezu ideal und sorgt für eine gewisse Alleinstellung des Startups. Dr. Zemp: „Oft gibt es noch Forschungsbedarf, wenn wir mit Herstellern gemeinsam bis zum Prototypstadium entwickeln.“ Er und sein Firmenpartner arbeiten indessen parallel zu Ingenieurbüro auch noch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an zahlreichen Projekten der ETH arbeitet. Das Teilzeit-Startup könnte auch geplante Innovationssprünge von größeren Firmen mit seinem Know-how flankieren, mit einigen deutschen Textilfirmen sei inzwischen ein guter Anfang gemacht.