21.10.25 – Outlast Interview - Erster Teil — read English version
Thermischer Komfort als taktischer Vorteil
Im Interview erklärt Martin Bentz, CEO von Outlast Technologies, warum thermischer Komfort in militärischer Ausrüstung und Schutzbekleidung von Anfang an mitgedacht werden sollte.
Moderne Schutz- und Ausrüstungssysteme werden immer ausgeklügelter, bieten ein höheres Schutzniveau und sind zugleich komplexer aufgebaut. Mit jeder zusätzlichen Lage und jedem weiteren Ausrüstungselement gewinnt das Mikroklima am Körper an Bedeutung. Hitzestau, Schweißbildung, Kältebrücken und nachlassender Tragekomfort können die körperliche Belastung erhöhen, die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen und langfristig Einfluss auf Ausdauer und Einsatzbereitschaft nehmen. Outlast entwickelt Technologien für textile Anwendungen, die genau an dieser Stelle ansetzen: Outlast Temperatur Regulierung sowie die Aersulate Isolierung.
Herr Bentz, warum wird thermisches Management in militärischer Bekleidung und Ausrüstung immer wichtiger?
Militärische Schutzbekleidung ist heute Teil eines sehr komplexen Gesamtsystems. Sie muss nicht nur schützen, sondern auch Beweglichkeit, Langlebigkeit und die Integration weiterer Ausrüstung ermöglichen. Protektoren, Rucksäcke, Kommunikationssysteme oder Tragegurte verändern den Tragekomfort und das Wärme- und Feuchtigkeitsmanagement. Jede zusätzliche Lage beeinflusst das körpernahe Mikroklima. Wärme kann sich stauen, Feuchtigkeit sammelt sich an, und der Träger beginnt unter Umständen bereits zu schwitzen, bevor die körperliche Belastung beginnt. Wenn der Körper ständig damit beschäftigt ist, Überhitzung, Auskühlung oder Feuchtigkeit auszugleichen, kostet das Energie. Über längere Zeit kann dies Ermüdung begünstigen und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Thermischer Komfort sollte deshalb nicht als nachrangiger Komfortaspekt betrachtet werden, sondern als Bestandteil funktionaler Leistungsfähigkeit.
Viele Funktionsmaterialien setzen auf Feuchtigkeitsmanagement. Warum genügt das allein nicht immer?
Feuchtigkeitsmanagement ist wichtig, greift aber erst dann, wenn Schweiß bereits entstanden ist. Das Material reagiert also auf eine Situation, in der der Körper thermisch bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Wie funktioniert Outlast Temperatur Regulierung?
Outlast Temperatur Regulierung setzt früher an. Die Technologie unterstützt den Temperaturausgleich, bevor Schweißbildung entsteht. Überschüssige Körperwärme wird aufgenommen, gespeichert und bei Bedarf wieder abgegeben. Ziel ist nicht ein kurzfristiger Kühleffekt, sondern ein stabileres, ausgeglicheneres Mikroklima. Das ist für Anwendungen mit Einsatzcharakter relevant, weil sich Belastung und Umgebung oft schnell ändern. Auf Phasen des Wartens oder Beobachtens können plötzlich hohe körperliche Aktivität, Bewegung unter Last oder der Wechsel in eine andere thermische Umgebung folgen. Bekleidungssysteme müssen solche Wechsel möglichst gut unterstützen.
Die Technologie basiert auf mikroverkapseltem natürlichem Wachs. Diese mikroskopisch kleinen Kapseln reagieren auf Temperaturveränderungen: Wird dem Körper zu warm, nehmen sie überschüssige Wärme auf. Kühlt das körpernahe Mikroklima wieder ab, kann die gespeicherte Wärme erneut abgegeben werden. Dadurch werden Temperaturspitzen reduziert. Das Textil wird nicht einfach „kalt“, sondern unterstützt eine ausgewogenere thermische Komfortzone. Für den Träger kann das weniger Überhitzung, einen reduzierten Feuchtigkeitsaufbau und ein angenehmeres Tragegefühl bei wechselnden Bedingungen bedeuten. In einigen Anwendungen haben Tests gezeigt, dass die Schweißbildung – abhängig von Produktkonstruktion und Einsatzbereich – um bis zu 48 % reduziert werden kann.
In welchen militärischen Anwendungen sehen Sie besonders großes Potenzial?
Ein naheliegender Bereich sind Base Layer, weil sie direkt auf der Haut getragen werden und das thermische Empfinden stark beeinflussen. Darüber hinaus kann Outlast® Temperatur Regulierung auch in Futterstoffen, Mid Layern, Handschuhen, Socken, Schlafsystemen oder textilen Komponenten unter Schutzbekleidung eingesetzt werden. Besonders interessant sind Anwendungen unter ballistischem Schutz oder anderer schwerer Ausrüstung. Dort ist die Luftzirkulation häufig eingeschränkt, Wärme und Feuchtigkeit können schlechter entweichen. Auch bei wechselnden Einsatzbedingungen spielt die Technologie ihre Stärken aus: beim Wechsel zwischen Fahrzeugen und Außenumgebung, zwischen beheizten Innenräumen und kalter Witterung oder zwischen intensiver Aktivität und Ruhephasen.




