20.10.25 – Sicherheitsfaktor Naht — read English version
Gütermann: Nähfaden für TL-Tests
Wer Militärbekleidung näht, muss TL-Vorgaben präzise erfüllen. Gütermann ordnet die Naht als sicherheitskritisch ein und zeigt, welche prüfbaren Kriterien und Nachweise in Ausschreibungen zählen.
Bei den Protective Wear Days 2026 in Landsberg am Lech (Veit) stand ein Detail im Mittelpunkt, das unter Extrembelastung schnell zum Ausfallpunkt wird: die Naht. Gütermann bezeichnet sie als häufigsten Schwachpunkt unter Zug, Abrieb, Hitze und Feuchtigkeit. Falsche Fadenauswahl kann Nahtversagen auslösen, Material schädigen und ein Sicherheitsrisiko für Einsatzkräfte nach sich ziehen. Formal hat das direkte Konsequenzen: TL-Konformität ist Ausschreibungskriterium, Nichtkonformität kann Zuschlag und Einsatzfähigkeit gefährden.
Prüfen und belegen
TL-Vorgaben setzen den Mindeststandard. In der Prüfung stehen Reißfestigkeit, Nahtfestigkeit und Flammschutz im Vordergrund. Für Nähfäden rücken Feinheit beziehungsweise Garnstärke, Reißfestigkeit, Dehnung und Farbechtheit in den Fokus.
Ausschreibungen verlangen zudem eindeutige Nachweise, als Beispiel nennt Gütermann ein Werkszeugnis. Wer Angebote vorbereitet, muss Spezifikation, Verifikation und Dokumentation früh verzahnen.
Was Beschaffer verlangen
Aus Sicht der Beschaffung (BAAINBw) geht es nicht nur um Einzelkomponenten. Bekleidung soll Schutz vor Hitze und Flammen mit optimiertem Tragekomfort und langer Haltbarkeit verbinden. Gefordert werden zudem ergonomisch-funktionelles Design mit hoher Bewegungsfreiheit – auch in Kombination mit Schutz- oder Rettungsweste – sowie ein modular aufgebautes System aus funktional abgestimmten Schichten, das sich flexibel kombinieren lässt. Dazu kommen ein zeitgemäßes Erscheinungsbild, verfügbare Textiltechnologien und Produktionsverfahren am Markt sowie die uneingeschränkte Verfügbarkeit mit kurzfristigen Lieferzeiten.
Kriterien, die sich spezifizieren lassen
Für die Fadenauswahl zählt nicht nur der Rohstoff (Polyester oder Meta-Aramid), sondern auch der Aufbau: Gütermann verweist auf Konstruktionen wie Polyester-Spinnfaser, Umspinnzwirn und Polyester-Filament. Hinzu kommen Garnfeinheit und Höchstzugkraft. Bei der Farbechtheit werden EN 12590 beziehungsweise TL 8310-0005 als Bezug genannt. Dazu kommen Anforderungen an den Flammschutz sowie die humanökologische Unbedenklichkeit nach Oeko-Tex® Standard 100.
Damit Kennwerte im Pflichtenheft eindeutig bleiben, lohnt ein kurzer Blick auf die Stärkesysteme. Gütermann arbeitet mit Längen- und Gewichtsnummerierung (Nm/NeB sowie Tex/dtex) und nennt zusätzlich die metrische Etikett-Nummer sowie die Tex-Bezeichnung.
Wo Nähte scheitern
Die Nahthaltbarkeit entsteht im Zusammenspiel. Materialseitig spielen Stoffart, Flächengewicht sowie Nähfadenmaterial und -stärke eine Rolle; als Folgen stehen Gewebereißen und Nahtbruch im Raum. In der Fertigung entscheiden Nahttyp, Stichtyp, Stichdichte und Fadenspannung – mit Effekten wie Nahtkräuseln und Fadenbruch. Die Nahtführung beeinflusst die Lastverteilung. Und zwei Klassiker bleiben: falscher Produkteinsatz und falsche Einstellungen, verbunden mit reduzierter Nahtfestigkeit.
Produktlinien und Best Practice
Gütermann führt Polyester-Nähfäden wie Perma Core®, Perma Spun®, Tera und Filan sowie Aramid-Nähfäden wie Anesafe®, Gütermann K AR, Gütermann K und Gütermann L an.Als Arbeitsplan empfiehlt das Unternehmen, Material-Faden-Matching sicherzustellen, den Nähfaden früh in die Entwicklung zu integrieren, TL-Konformität zu verifizieren und zu dokumentieren, Prototypen unter realen Bedingungen zu validieren und die technische Dokumentation für Ausschreibungen aufzubauen. Die Kernaussage bleibt: Die Naht ist sicherheitskritisch – und der richtige Faden ist entscheidend für die TL-Konformität.



