03.11.26 – Krakauer Label LIGAS — read English version

Kleine Serien, große Mindestmengen

Für junge Marken ist gebundenes Kapital im Lager oft das größere Risiko als ein höherer Stückpreis. Ein niedriger Stückpreis hilft nur, wenn sich die gesamte Mindestmenge auch verkaufen lässt.

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Brandon Robinson hat Ligas 2023 in Krakau gegründet, ein Label für Yoga- und Pilates-Mode für Frauen. © Urszula Opitek

 
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Ligas Yogawear: Modell Romy. © Urszula Opitek

 

Ein Erfahrungsbericht

Brandon Robinson arbeitete in Luxemburg im Finanz- und Versicherungsbereich, bevor er 2023 LIGAS, ein Label für Yoga- und Pilates-Mode für Frauen gründete. Die Branchenempfehlung lautete damals, in Asien produzieren zu lassen, weil die Stückkosten dort deutlich niedriger sind. Heute lässt Ligas in Polen nähen, vor allem in einer Werkstatt in Krosno im Südosten des Landes, die seit 1989 produziert. Den Stoff bezieht die Marke aus Spanien.

Mindestmengen wiegen schwerer als der Stückpreis

Polnische Werkstätten nehmen typischerweise 10 bis 20 Stück pro Größe an. Damit kann eine neue Modellvariante klein starten, und Nachbestellungen richten sich nach dem tatsächlichen Absatz. Bei einer größeren Mindestmenge wäre jedes neue Modell eine Wette, bei der Geld im Lager gebunden ist, bis es verkauft ist.

Für junge Marken ist gebundenes Kapital im Lager oft das größere Risiko als ein höherer Stückpreis. Ein niedriger Stückpreis hilft nur, wenn sich die gesamte Mindestmenge auch verkaufen lässt.

Der Stoff ist der eigentliche Engpass

Im Herbst fragte Ligas rund 260 Stoffhersteller weltweit nach Mustern und Angeboten. Die Ergebnisse: Asiatische Angebote lagen bei etwa 2,40 bis 7,00 € pro Meter mit einer Mindestmenge von 3.000 m. Europäische Angebote lagen bei etwa 10 bis 11 € pro Meter, ab 350 m pro Farbe. Bei 3.000 m beträgt die Verpflichtung in Asien rund 7.200 bis 21.000 €, in Europa pro Farbe rund 3.500 bis 3.850 €. Auch beim günstigsten asiatischen Preis ist die Einstiegshürde etwa doppelt so hoch wie für eine einzelne europäische Farbe. Außerdem bindet eine große Asien-Bestellung die Marke für lange Zeit an einen einzigen Stoff.

Qualität muss geprüft werden

Leggings und Sport-BHs brauchen einen Stoff, der formstabil bleibt, in der tiefen Kniebeuge blickdicht ist und sich auch in langen Kursen angenehm trägt. Bislang hat Ligas nach eigener Aussage keinen asiatischen Stoff gefunden, der diese Anforderungen erfüllt. Hauptlieferant für Leggings und Sport-BHs ist SPW in Spanien. Weitere Muster werden unter anderem bei Oktex in Barcelona getestet. Ligas hat 2025 die Kollektion mit einer neuen Designerin überarbeitet und umfangreich getestet, bevor sie neu auf den Markt kam. Die Nähe zur Werkstatt erlaubt kurze Wege: Passformkorrekturen können in die nächste Charge einfließen, statt bis zur nächsten Saison zu warten.

Auswirkungen auf Preis und Vertrieb

Die Leggings kosten 89,99 €. Rund 70 % des Absatzes laufen online, rund 30 % über den Fachhandel, derzeit acht Händler, darunter Restart Pilates in Manchester.

Im Oktober 2026 hat Ligas nach eigenen Angaben mehr als 2.000 Stück verkauft. Kleine Serien erlauben es, Farben und Größen nachzubestellen, die sich gut verkaufen.

Fazit des Autors

Kleine Serien erlauben es, Farben und Größen nachzubestellen, die sich gut verkaufen. Vor dem Vergleich von Stückpreisen sollte man die Gesamtverpflichtung betrachten: Nähmindestmengen, Stoffmindestmengen und das Kapital, das im Lager liegt, bis die Ware verkauft ist. Für eine Marke, die noch nicht genau weiß, was ihre Kundschaft will, kann die Möglichkeit, zehn Stück pro Größe zu fertigen, mehr wert sein als ein niedrigerer Stückpreis.