16.09.26 – Digitaler Produktpass — read English version
Die überprüfbare Produktgeschichte
Mit dem Digitalen Produktpass (DPP) wird Nachhaltigkeit vom Versprechen zu einem überprüfbaren Merkmal. Er bietet strukturierte und überprüfbare Informationen zu Herkunft, Materialien, Herstellung, Umweltauswirkungen und Pflege eines Produkts.
Junkle setzt früh auf den Digitalen Produktpass
Der Digitale Produktpass macht Herkunft und Materialien von Mode nachvollziehbar. Das zeigt, wie sich Kreislaufwirtschaft belegen lässt. Unternehmen sind damit auf EU-Vorgaben vorbereitet.
Diese Technologie lässt sich schon heute nutzen. Das italienische Circular-Fashion-Label Junkle zeigt, welche Voraussetzungen dafür nötig sind. Das Unternehmen aus Palermo verarbeitet gebrauchte Segel, ausgemusterte Stoffe und Materialreste zu Taschen, Bekleidung und Accessoires. Gemeinsam mit Spherity und dem Beratungspartner Talia hat Junkle seine Produkte mit Digitalen Produktpässen ausgestattet.
Jedes Produkt hat nun einen QR-Code auf dem Etikett. Beim Scannen öffnet sich ein digitaler Produktpass auf Basis der VERA-Plattform von Spherity. Er enthält strukturierte Angaben zum Produkt, zu seinen Materialien und zur Herkunft. Hinzu kommen Informationen zum Herstellungsprozess, zu ökologischen und sozialen Auswirkungen sowie Hinweise zur Pflege. Damit werden konkrete Produktdaten mit Angaben zur Kreislaufwirtschaft verknüpft.
Beispiel Taschen
Ein Beispiel ist die Tasche „Tidal“. Ihr Ausgangsmaterial ist ein wiederverwendetes Spinnaker-Segel. Der Produktpass dokumentiert, dass das Segel über das Sammelnetzwerk von Junkle beschafft und in Palermo weiterverarbeitet wurde. Jeder Käufer, jede Käuferin kann nun nachvollziehen, woher das Material stammt und wo der Artikel gefertigt wurde. Aus einer allgemeinen Beschreibung wird damit eine überprüfbare Produktgeschichte.
Transparenz schafft als Basis für Compliance. Der Produktpass erfüllt für Junkle mehrere Aufgaben. Er schafft zunächst eine strukturierte Datenbasis für die Rückverfolgbarkeit. Zudem macht er die Kreislaufwirtschaft verständlich, da sich Nachhaltigkeitsaussagen mit konkreten Produktdaten verbinden lassen. Die Materialgeschichte endet nicht am Etikett, sondern ist digital mit dem jeweiligen Artikel verknüpft. Dies ist besonders bei Upcycling-Produkten wichtig, deren Wert mit der Herkunft des Ausgangsmaterials verbunden ist.
Fokus auf künftigen Anforderungen
Für Junkle hat der frühe Einsatz noch einen weiteren Zweck. Die EU-Ökodesign-Verordnung ESPR schafft den Rahmen für Digitale Produktpässe und rückt Textilien in den Fokus künftiger Anforderungen. Die Verordnung für Textilien wird für das Jahr 2027 erwartet. Junkle baut deshalb bereits heute Datenstrukturen, Kennzeichnung und Prozesse auf, um die regulatorischen Vorgaben zu erfüllen. Dieses Vorgehen des Mittelständlers ist vor allem für ähnlich große Unternehmen in der Modebranche interessant. Compliance erfordert keine große Organisation, der digitale Produktpass lässt sich auch in einem kleineren Unternehmen einfach umsetzen. Eine wichtige Voraussetzung sind klar strukturierte Produktdaten sowie Prozesse, die Herkunft, Verarbeitung und weitere Informationen zuverlässig erfassen.
Früher Einstieg bedeutet Vorsprung
Durch den frühen Einstieg hat Junkle bereits heute praktische Erfahrung mit Datenmodellen und DPP-Prozessen. Wenn die Anforderungen für Textilien verbindlich werden, müssen passende Prozesse nicht erst aufgebaut werden. Außerdem entsteht ein Geschäftsmodell, bei dem Kreislaufwirtschaft nicht nur behauptet, sondern bewiesen wird. Damit weist das Projekt über den einzelnen Anwendungsfall hinaus. Der Digitale Produktpass kann in der Mode zu einer Schnittstelle zwischen Regulierung und Kreislaufwirtschaft werden. Junkle macht in der Kundenkommunikation sichtbar, wie aus Materialherkunft eine überprüfbare Produktgeschichte wird.




