14.09.26 – Kühlpavillon & Schatzkästchen

ZIM-Antragsstopp bedroht die Innovationsdynamik auch in Textil-Netzwerken

Wie weiter nach dem im Juli verhängten Antragsstopp für das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)? Auch Textiler sind verunsichert.

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Steffi Volland versteht sich als Brückenbauerin zwischen Mittelstand und Forschung: Mit ZIM-Netzwerken verbindet sie kleinere Unternehmen mit dem Know-how von Forschungseinrichtungen und Hochschulen. Seit 2010 hat sie elf Netzwerke mit jeweils rund zwanzig Partnern gegründet und mit Blick auf neue Marktchancen zusammengeführt. Aus 54 daraus abgeleiteten Kooperationsprojekten sind wissenschaftsbasierte Lösungen und neue Umsätze entstanden. © LUVO-IMPEX

 
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Textilausrüstung für immer speziellere Einsatzzwecke – von Filtern über Brandschutz bis zur Raumfahrt – prägen seine Arbeit: Prof. Dr. Holger Erth, CEO der Textilausrüstungen Pfand GmbH. © Pfand GmbH

 
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Zwei Monate nach dem vorläufigen Antragsstopp im ZIM geben sich die Akteure eines der betroffenen textilnahen Netzwerke in Sachsen kämpferisch: „Wir stehen diese Durststrecke gegebenenfalls bis zum Frühjahr durch und versuchen, motiviert zu bleiben.“ Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen müssen sich schon heute mit Innovationen für die Märkte von morgen aufstellen – auch wenn sie häufig nicht über eigene Forschungskapazitäten verfügen. ZIM kann diese Lücke schließen, wie die inzwischen elf von LUVO-IMPEX-Geschäftsführerin Steffi Volland betreuten Netzwerke zeigen.

Mit Neuheiten in den Wettbewerb von morgen

Die öffentlich geförderten Textilnetzwerke aus Oelsnitz sind eine Erfolgsgeschichte. Gemeinsam werden Zukunftsmärkte definiert und erschlossen – MoniCareTex, SeparTex, KliWaTex, CirNaTex. Wenn Forschung und Industrie zusammenarbeiten, entstehen Prototypen auf dem Weg zur Marktreife: etwa leitfähige Garne für Klima-Textilien, ein zirkulärer Teppich als Beitrag zum Recycling von Bodenbelägen oder jüngst ein bis zu 100-fach wiederverwendbares Adsorptionsvlies zur Ölaufnahme. Allein in Sachsen wurden seit 2020 via ZIM 539 Kooperationsprojekte und 26 interdisziplinäre Kooperationsnetzwerke gefördert. Ein weiteres Netzwerk-Ergebnis steht dort kurz vor der Serie: Das „Schatzkästchen für Menschen mit Demenz“, an dem unter anderem die Stickerei Funke mitwirkt, ist eine Art Baukasten. Sein Inhalt soll visuelle, taktil-haptische und geruchsbezogene Wahrnehmungen anregen.

Unfreiwillig auf die Bremse getreten

Auch das aktuell von Netzwerkmanagerin Volland zur Förderung beantragte ZIM-Kooperationsnetzwerk InfraBauTex – ein technologieoffener Verbund zur Entwicklung und Integration textiler Lösungen im Bauwesen – hat sich viel vorgenommen: 17 mittelständische Unternehmen und vier Forschungseinrichtungen aus vier Bundesländern wollen in den kommenden drei Jahren ihre Kompetenzen aus Textiltechnik, Bauwesen und Digitalisierung gezielt zusammenführen. Zunächst sollen Digitalisierungsprojekte wie innovative Sensorik zur gezielten Datenerfassung und Bauwerksüberwachung vorangetrieben werden.

„Jetzt verzögert sich alles – um sechs oder neun Monate, wir wissen es nicht“, beklagt Volland. „Unsere Mittelstandspartner brauchen dringend Innovationen, um im Wettbewerb weiterhin bestehen zu können“, hört sie immer wieder.

So auch von Gerlinde Hanisch, Geschäftsführerin der Gefora Forster GmbH, einem ursprünglich auf Gardinen und Sonnenschutz spezialisierten Betrieb im oberpfälzischen Freystadt. „Die Mitarbeit in ZIM-Netzwerken eröffnet uns neue Perspektiven – etwa bei Lösungen für Klimaanpassung und Pflege. Solche Innovationen wie ein Schallschutz für mobile Baustellen, eine Mobil-Badewanne für die Pflege oder ein Klimapavillon, dessen Dachfläche durch Wasserdampf gekühlt wird, sind für uns überlebensnotwendig.“ Bei der Erneuerung der Produktpalette sei man auf die ZIM-Förderung und die Unterstützung durch die Wissenschaft angewiesen. „Wir brauchen Gewissheit, denn ich möchte mein Personal nicht auf die Straße schicken.“

Einzige Chance für uns

Ähnlich argumentiert Prof. Dr. Holger Erth aus Lengenfeld (Sachsen). ZIM und andere Förderprogramme hätten dazu beigetragen, dass die Pfand Textilausrüstung GmbH in den vergangenen 15 Jahren rund 90 Prozent ihres Angebots erneuern und den Schwerpunkt von klassischen auf technisch einsetzbare Textilprodukte verlagern konnte. In der Zusammenarbeit mit industrienahen Forschungseinrichtungen und Hochschulen, beispielsweise aus Chemnitz, Rudolstadt und Aachen, sieht Erth „die einzige Chance, künftige Trends zu bedienen und in Zukunftsmärkten mitzuwirken“.

Auch bei InfraBauTex ist das TITK Rudolstadt als Forschungspartner vertreten. Angesprochen auf die ZIM-Problematik verweist der geschäftsführende Direktor Benjamin Redlingshöfer auf einen weiteren Aspekt: Monatelange Unterbrechungen minderten die Risikobereitschaft der Netzwerkpartner und führten zu Demotivation. „Unsere förderpolitischen Rahmenbedingungen sind Gift für die Innovationsdynamik im Mittelstand – und das in Zeiten, wo der Standort Deutschland dies bitter nötig hat.“

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