02.10.17 – 131 Jahre Gerecke Leder — read English version

Modeleder aus nachhaltigen Gerbprozessen

Die 1886 von Martin Christian Gerecke gegründete Weißgerberei ist heute eine moderne Lederfabrik in Esslingen mit vielseitiger Produktpalette.

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Frühjahr/Sommer Kollektion 2018 © Werner Christ

 
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Frühjahr/Sommer Kollektion 2018 © Werner Christ

 
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Inzwischen in 4. Generation und von Gunther Gerecke auf Erfolgskurs gehalten gilt von jeher das geflügelte Wort: „Es eben ist alles im Fluss, auch bei Gerecke“.

Tiefsinnig nicht zuletzt auch, da der Standort von Gerecke stets am Neckar geblieben ist. Die langjährige Familienchronik spiegelt indessen deutlich die Höhen der einst starken deutschen Gerbereibranche und deren Niedergang wider. Rückschläge, verursacht durch politische Wirren, bis zur zeitweiligen Betriebsschließung durch das Reichswirtschaftsministerium und der Verlust der potenziellen amerikanischen Kunden durch den schwarzen Freitag , sind bei Gerecke Leder GmbH & Co gelebte Familien- und Unternehmensgeschichte. Neben den Neuanfängen mussten auch die ständig höheren Umweltauflagen, der enorme technische Wandel wie neue Gerb- und Färbetechnologien gemeistert werden.

Leder, ein Markenartikel der Natur

Das durch Generationen angesammelte Gerb-Know-how von Gerecke wird auch heute noch in die optimalste Veredelung der Häute investiert. Die Chance, am teuren Standort Deutschland zu überleben, liegt ausschließlich darin, höchstes Qualitätsniveau ohne Kompromisse zu liefern.

Alle Auflagen der strengen Umweltschutzgesetze werden erfüllt, was mit hohen Investitionen verbunden ist. Da die Lederherstellung große Mengen Wasser benötigt, ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Ressource wichtig. In der firmeneigenen Abwasserbehandlungsanlage werden alle anfallenden Abwässer gereinigt. Schadstoffe werden sowohl chemisch als auch mechanisch aus dem Abwasser herausgefiltert. Verschiedene Rezepturumstellungen senkten in den letzen Jahren deutlich den Wasserverbrauch. Die hauseigene Kläranlage erreicht alle vorgeschriebenen Abwasserwerte, z. B. 1 mg Chrom pro Liter. Ein separates Lager für wassergefährdende Stoffe steht zur Verfügung.

Spezialitäten aus Leder

Mit 15 gut ausgebildeten Mitarbeitern werden Kleintierfelle, Hirsch, auch Peccary für Schuhe, Bekleidung, Handschuhe (Motor- und Reitsport) zugerichtet. Eine besondere Spezialität sind waschbare und reinigungsbeständige Lammnappas, die gerne mit Textilien kombiniert werden. Die von Behörden und Militär geforderten strengen Qualitätskriterien erfüllt das Ziegennappaleder für Handschuhe und Schuhe. Highlight der Produktpalette ist das geschmeidige Leder vom nordamerikanischen Weißedelhirsch. Alle Farben sind auf höchstem Echtheitsniveau lieferbar. Es werden keine Azofarben verwendet. Die Verarbeitung bester Rohhautsortimente kommt bei den softigen Anilinledern in ausdrucksstarken Farbbrillanzen zur Geltung.

Die Liebe zum Naturprodukt

Die Liebe zum Naturprodukt, die absolute Gerbkompetenz und nicht zuletzt die Stärke, Krisen zu bewältigen, waren und sind das große Kapital, das das Familienunternehmen Gerecke seit Generationen prägt. Deutschland ist im Ledersektor nach wie vor ein wegbrechender Markt. Da der Export schon immer eine starke Domäne für Gerecke-Leder war, werden hier auch die Zuwächse und die Zukunft insgesamt gesehen. Alle Qualitätskriterien zu erfüllen, die den höchsten Ansprüchen des Weltmarktes standhalten, ist für das Unternehmen Selbstverständlichkeit und überlieferte Firmenphilosophie.

Den ausführlichen Beitrag von Sonja Langer-Korsch lesen Sie in unserer Print-Ausgabe textile network 9-10 2017 (Erscheinungstermin 22. August 2017)

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