03.03.20 – Messeabsagen bzw. -verschiebungen

Das Corona-Virus lähmt die Welt

Nicht nur in Asien wirkt sich die Angst vor dem Coronavirus auf geplante Messen aus, sondern inzwischen auch auf Messen in Deutschland.

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Der Krisentab der Bundesregierung rät von internationalen Großveranstaltungen ab. Zahlreiche Messen im In- und Ausland wurden abgesagt. © H_Ko/stock.adobe.com

 

Bereits 18 Veranstaltungen in Deutschland sind abgesagt bzw. verschoben

379 Messen und Ausstellungen, davon 234 in Asien und 92 in Europa: So lautet die aktuelle Anzahl der Absagen, die das Frankfurter Messeportal m+a Report bis 28. Februar 2020 gesammelt hat. Betroffen sind alle Branchen – von Elektronik über Mobilfunk bis hin zur Autoindustrie oder Einrichtungsbranche.

Zum Beispiel wurde jetzt die Internationale Eisenwarenmesse abgesagt, die nur alle zwei Jahre in Köln stattfindet und die weltweit wichtigste Innovations- und Geschäftsplattform der Hartwarenbranche darstellt. Etwa 3.000 Aussteller, darunter rund 1.200 aus China, waren erwartet. Die Größe der Messe oder deren weltweite Bedeutung spielen derzeit jedoch eine untergeordnete Rolle: Vielmehr geht es darum, „eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu vermeiden“, wie zum Beispiel die Veranstalter der IAW in Köln ihre Absage begründen. Ebenso unwichtig sei es wie auch im Fall der wire und tube, ob eine Messe nur alle zwei Jahre stattfindet.

Italien und China besonders betroffen

Von den europäischen Veranstaltungen sind besonders viele Messen in Italien betroffen, darunter auch die internationale Kinderbuchmesse in Bologna, die auf den 4. bis 7. Mai 2020 verschoben wird. Selbst der Mobile-World-Congress, die weltweit größte Mobilfunkmesse in Barcelona, findet nicht statt. Ebenfalls abgesagt wurde der Genfer Autosalon.

Den größten Verlust verzeichnet China

Allein der Hong Kong Trade Development Council (HKTDC) hat seine für April geplanten acht Messen auf den 25. bis 28. Juli 2020 verschoben, die Baby & Stroller in Guangzhou ist zurzeit ohne neuen Termin abgesagt.

Verschärfte Auflagen für Messeveranstalter

Andere Veranstalter, die ihre Messen stattfinden lassen, treffen entsprechende Vorkehrungen. Die Leipziger Buchmesse hat zum Beispiel eine Taskforce gebildet und medizinisch ausgebildetes Personal auf Verdachtsfälle sensibilisiert. Darüber hinaus stehe die Leipziger Messe im ständigen Austausch mit den zuständigen Behörden und dem Branchenverband Auma. Sollten seitens der WHO, des Robert Koch-Instituts oder des Auswärtigen Amtes neue Handlungsorientierungen vorliegen, werden Aussteller und Besucher neu informiert.

In Hannover auf der Tire Technology Expo wurden Mitarbeitern und Messebesuchern beispielsweise die Körpertemperatur gemessen und sie mussten bestätigen, 17 Tage vor ihrer Ankunft nicht in China gewesen zu sein. Denn sagen Veranstalter ihre Messe eigenständig ab, drohen ihnen Schadensersatzforderungen. Entscheiden es die zuständigen Gesundheitsämter vor Ort, ist dies „höhere Gewalt“ und der Veranstalter haftet nicht.

Auch für die ITB, einer der größten Tourismusmessen mit mehr als 10.000 Ausstellern aus 180 Ländern, hatte das zuständige Gesundheitsamt von Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin die Auflagen erhöht – diesen waren insgesamt von der Messe Berlin jedoch nicht umsetzbar und die ITB fällt ebenfalls aus.

Harald Kötter, Sprecher des Verband der Messewirtschaft Auma, gegenüber dem Handelsblatt:

„Die Stimmung in der Messebrache ist angespannt, die Sars-Epidemie war harmlos dagegen.“

Katja Keienburg

Redakteurin Meisenbach Verlag

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