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22.07.15 — read English version

Mewa: Industrie 4.0 wird gelebt

In den Röhren wird die getragene Berufs- und Schutzkleidung nach dem Prinzip der Rohrpost weitertransportiert Photos: Mewa

In den Röhren wird die getragene Berufs- und Schutzkleidung nach dem Prinzip der Rohrpost weitertransportiert Photos: Mewa

 
Dank Barcodes können Bekleidungsrelevante Informationen an allen prozesstechnisch wichtigen Stellen des Betriebs erfasst werden

Dank Barcodes können Bekleidungsrelevante Informationen an allen prozesstechnisch wichtigen Stellen des Betriebs erfasst werden

 
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Der norddeutsche Betrieb von Mewa in Lauenburg wurde vollständig umgebaut und ist heute der modernste des Unternehmens. Auf insgesamt 75.000 m² Fläche werden die Textilien von 10.500 Kunden nach neusten Technologiestandards gewaschen, repariert und zur Auslieferung bereitgestellt. Die Kapazität der Wäscherei ist damit aber noch lange nicht ausgeschöpft und ist sogar für das doppelte Wäschevolumen ausgelegt. In Zukunft sollen hier monatlich bis zu 700.000 Bekleidungsteile bearbeitet werden.

Hierzu erhofft sich Geschäftsführer Rolf Lausmann vor allem Neukunden aus der Lebensmittelbranche sowie von großen Hotelgruppen, die an Nord- und Ostsee angesiedelt sind. Mit 4.700 Beschäftigten in 12 Ländern ist die Mewa ein europaweit tätiges Textilservice-Unternehmen. Das Geschäftsmodell beruht auf der Vermietung von Textilien, die bei der Ausübung handwerklicher und industrieller Arbeiten benötigt werden. Dazu gehören Berufs- und Schutzkleidung aber auch Schmutzfangmatten, Handtuchrollen und Putztücher. Ergänzende Services wie Spendersysteme für Waschräume oder Schranksysteme für die Aufbewahrung der Arbeitskleidung zählen ebenfalls zum Angebot.

Die vollständige Modernisierung des Wäschereibetriebs hat etwa 25 Millionen Euro gekostet. Die Investitionen sind dabei in Maschinen und Anlagen, in Umwelttechnik und in Technologien geflossen, die der Industrie 4.0 zugerechnet werden können.

Die „denkende“ Fertigung bedarf einer hoch leistungsfähigen Informationstechnik (IT) und ist der Schlüssel zur Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. In Lauenburg ist die IT mit der Produktionstechnik verschmolzen und so verfügt der Betrieb über eine vernetzte Steuerungstechnik, mit der beispielsweise der Energieverbrauch gemanagt wird. Wenn mehrere Verbraucher gleichzeitig Energie anfordern, werden die Maschinen mit einer kurzen zeitlichen Verzögerung und in Abhängigkeit von einem optimalen Produktionsfluss versorgt. Dadurch werden teure Spitzenlasten vermieden.

Dank dem Informationsmanagement herrscht im Betrieb ein hohes Maß an Transparenz. Die Datenerfassung beginnt bei den Servicefahrern. Sie sind mit einem tragbaren Lesegerät auf Tour, das die beim Kunden die abgelieferte und aufgenommene Ware erfasst. Dadurch stehen die Informationen über den Wareneingang schon fest, bevor die Wäsche überhaupt auf dem Hof ist.

Die Transparenz bleibt auch im den folgenden Prozessen erhalten: durch Barcode-Lesegeräte an allen, für den Ablauf strategisch wichtigen Stellen des Betriebs sind die genauen Inhalte der Maschinen bekannt. Dadurch ist eine individuelle Ansteuerung und Bearbeitung jedes Wäschepostens möglich und gestattet dem Betrieb eine kundenbezogene Bearbeitung der Ware. (Im Gegensatz dazu wird in der Branche auch nach Art und Zusammensetzung der Wäscheposten gewaschen). Die Posten durchlaufen den Betrieb zur selben Zeit und verlassen die Bearbeitungskette auch wieder zusammen.

Ein ganz wesentlicher Bereich des Lauenburger Betriebs ist die Abwasseraufbereitung, die das insbesondere durch die Putztuchwäscherei stark mit Lösungsmitteln, Fetten und Ölen verschmutzte Abwasser klärt. Die Mewa hat aus dieser Not eine Tugend gemacht. Dank eines physikalisch-chemisch-biologisches Verfahrens gewinnt das Unternehmen seit Mitte der 1970er Jahre Altöl aus dem Abwasser zurück.

Dieses wird den Heizkesseln zugeführt und deckt bei der Bearbeitung von Putztüchern bis zu 80 Prozent des Energiebedarfs für Trockner und Waschstraßen. Die dazu notwendigen Dampfkesselanlagen sind mit Hochtemperatur-Brennkammern und Rauchgaswäschern ausgestattet. Zu den weiteren Umweltschutzmaßnahmen der Mewa Lauenburg zählt eine auf den Verschmutzungsgrad der Waschposten abgestimmte Dosierung von Waschsubstanzen, ein mehrstufiges Wärmerückgewinnungssystem und eine effiziente Wiederverwertung von Spül- und Waschwässern.

Im Weiteren wurde in dem norddeutschen Betrieb in eine automatisierte Förder- und Sortiertechnik investiert. Bei der Wareneingangskontrolle wird die verschmutzte Kleidung in Röhren abgeworfen und über Druckluft an die Sammelstation geschickt. Eine hoch moderne Fördertechnik bringt die Ware an die ihr zugeordneten Maschinen, die Sortiertechnik bringt im Anschluss Ordnung in das Durcheinander eines Wäschebergs. Am Ende hängt die Bekleidung nach Trägern und Kunden sortiert auf den Bügeln.

Dank der vielfältigen Maßnahmen steht die Mewa Lauenburg nun technischen auf dem neusten Stand. Möglicherweise muss der Betrieb seine Vorreiterposition aber demnächst wieder abgeben: Die Mewa plant in Saarlouis die Errichtung einer neuen Niederlassung. Diese dürfte dann schon mit einer neuen Technologie-Generation ausgestattet werden. Dann ist das, was heute das Neuste vom Neuen ist, schon wieder überholt.

[ www.mewa.de]

[Sabine Anton-Katzenbach]

Gründungsjahr 1980 nach Umsiedlung des 1955 in Altona errichteten Betriebs

Umsatz 2013: 46,5 Millionen Euro

Anzahl Mitarbeiter: 372 Vor-Ort, in Hubs (Westerstede, Rostock, Schleswig) und Schrankbestücker bei Großkunden

Einzugsgebiet: Dänemark, westlich und östlich an die Landesgrenzen von den Niederlanden und Polen und NL, im Süden bis Hannover

Eingekleidete Träger: 92.840 (2014), Wäschevolumen bei Berufs- und Schutzkleidung: 350.000 Teile/Monat