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25.08.16 – Spezial Leder — read English version

Schaf mutiert zum Lamm

Doch Lamm ist nicht gleich Lamm, insbesondere wenn Häute alt gewordener Schafe zur Lammjacke hochgetitelt werden.

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Die etablierten, klassischen Lederanbieter sind Höhen und Tiefen in diesem sensiblen Geschäft gewöhnt.

 

Und Qualitätskriterien sowie Wertigkeiten der Lederjacke sind auf den ersten Blick, also ohne Beratung, für den Kunden nicht einfach erkennbar. Lautete einst die Devise, „Leder, das anspruchsvolle Naturmaterial ist beratungsintensiv“, zählt das in Zeiten von Online-shopping und Selbstbedienung nicht mehr. Es gibt keine zentralen Lederabteilungen in den Mode- und Warenhäusern mehr, auch in den Katalogen finden sich kaum noch Lederseiten und damit fehlt es an Präsentation von Lederbekleidung, die eine bequeme, übersichtliche Auswahl ermöglicht. Für klassische Lederbekleidungsanbieter ist die Situation äußerst schwierig geworden, denn sie bekommen im Handel keine Flächen.

Favorisiert wird heutzutage das Shop-System, in denen Textilanbieter ihre Kollektion, zuweilen abgerundet mit einigen Lederjacken, anbieten. Die Spezies "Lederjackenkunde" muss sich zeitintensiv durch viele Shops oder diverse Katalogseiten durcharbeiten und auf Beratungskompetenz verzichten. Die Kriterien für den Kunden reduzieren sich heute auf Optik und Preis und, sofern möglich, Griff.Reduzierte Umsätze von Lederbekleidung sind aber nicht nur auf gewandelte Handelsstrukturen zurückzuführen. Es liegt auch an der Mode selbst, das Straßenbild ist geprägt von der Nylondaunenjacke.

Hinzukommen immer neue, innovative Kunstmaterialien mit Lederoptik , die den Bekleidungsmarkt erobern. Einige asiatische Lederfabriken haben bereits von Leder auf Kunstleder umgestellt, wobei diese Kunstmaterialien übrigens der textilen Kennzeichnungspflicht unterliegen. Die etablierten, klassischen Lederanbieter sind Höhen und Tiefen in diesem sensiblen Geschäft gewöhnt. Wenn Leder boomt, bedeutet dies, dass der Markt überschwemmt wird von hunderttausenden billigsten Porcjacken, dann von branchenfremden Trittbrettfahrern wie z. B. Kaffeeröster oder Lebensmitteldiscounter.

Die Outsider haben sich inzwischen vom Ledergeschäft verabschiedet, verblieben ist ein ca. halbes Dutzend Hersteller, die seit Jahrzehnten ihre Professionalität bewiesen haben. Sinkende Umsätze in Deutschland werden z. T. mit der Erschließung diverser Exportmärkte ausgeglichen. Auch für hochwertige Textilmarken entwickeln und produzieren sie Ledermodelle.Das preiswerte Marktsegment wie Young-Fashion oder Kettenläden, die einen kleinen Ständer Lederjacken, immer nur mit einer Form, in zwei Farben, in verschiedenen Größen, im 14-Tage-Wechsel anbieten, werden aus China, Indien und Pakistan direkt beliefert.

Die gängige VK-Preislage ist 199,00, Euro deklariert als Lammjacke, die auch Online und im Katalog so angeboten werden. Der Kunde sieht sich auf dem Markt mit Lammnappajacken konfrontiert, in der Preisskala ab 199,- bis weit über 1000,- Euro. Wie kann das sein? Unter dem nicht eingegrenzten Begriff Lamm werden richtigerweise Artikel aus kleinsten Lammhäuten angeboten, aber auch Produkte aus älteren bis sehr alt gewordenen Schafshäuten und alles was dazwischen liegt. Leder- und Felleinkäufer kennen diese enormen Qualitäts- und Preisunterschiede. Diese begründen sich durch Alter - Rasse - Provenienz (Herkunft) - Produktionsbedingungen.

Den ausführlichen Beitrag von Sonja Langer-Korsch lesen Sie in der aktuellen Printausgabe 9-10/2016.

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