10.05.21 – Existenzbedrohende Situation

Heimtextilien-Industrie steht vor großen Problemen

Heimtextilien, Matratzen, innenliegender Sicht- und Sonnenschutz: Explodierende Rohstoffpreise und Versorgungsengpässe sind existenzbedrohend.

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Martin Auerbach, Geschäftsführer Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz: „Aktuell implodieren die Kalkulationen. Wer heute zu den in 2020 vereinbarten Konditionen liefert, legt ordentlich drauf. Das kann nicht mehr lange gut gehen.“ © Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie

 
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Zusätzlich zu den mit der Coronapandemie verbundenen Herausforderungen wird die Wirtschaft zunehmend durch die stockende Rohstoffversorgung und die damit verbundenen Preissteigerungen gequält. Im Bild: Innenleben einer Matratze. © Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz

 

Bereits im ausgehenden Jahr 2020 stimmten die Preiskalkulationen der Mitglieder, die nach den Verträgen mit den Abnehmergruppen eigentlich über Monate Bestand haben sollen, vorne und hinten nicht mehr.

Martin Auerbach, Geschäftsführer Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz

„Aktuell implodieren die Kalkulationen. Wer heute zu den in 2020 vereinbarten Konditionen liefert, legt ordentlich drauf. Das kann nicht mehr lange gut gehen.“ In Teilbereichen seien die Unternehmen wegen der Rohstoffverknappung nicht mehr lieferfähig.

  • Zusätzlich zu den mit der Coronapandemie verbundenen Herausforderungen wird die Wirtschaft zunehmend durch die stockende Rohstoffversorgung und die damit verbundenen Preissteigerungen gequält.

  • Einer Umfrage unter den Mitgliedern der drei Verbände des Kompetenz-Zentrums Textil + Sonnenschutz (Heimtex, ViS, Matratzenverband) zufolge sind praktisch sämtliche Unternehmen betroffen.

  • Insbesondere Preise für PU-Schaum, Stoffe, Vliese, Federkerne oder Verpackungsmaterialien aus Papier und Pappe sowie Kunststoff steigen seit Ende letzten Jahres kontinuierlich.

  • Ferner wurden Holz, Aluprofile, Latexkerne sowie Garne und Farbstoffe/Textilhilfsmittel als weitere Preistreiber genannt.

Kosten für Containerfrachten haben sich vervielfacht

Allein im April kam es nach Angaben von Martin Auerbach zu Preissprüngen im zweistelligen Prozentbereich, die auf die bisherigen Steigerungen noch oben drauf zu rechnen seien. Transporte für Vorprodukte aus Übersee haben sich laut der Umfrage sogar um ein Fünffaches gegenüber dem Vorjahr erhöht, wobei dies im Mai schon wieder übertroffen zu sein scheint.

Preisanstiege nicht alle wirtschaftlich erklärbar

Das Phänomen hat aus Industriesicht neben klar erkennbaren Gründen, wie dem Ausbleiben des Sommerlochs in 2020 auch solche, die im stillen Kämmerlein geplant und initiiert worden sein könnten. Vorlieferanten erhöhten die Preise in einer Form, die wirtschaftlich nicht nachvollziehbar sei. „Neben einem notgedrungenen Umdenken bei der Ressourcennutzung sind nun vor allem die deutschen und europäischen Marktaufsichtsbehörden gefragt, ihre vornehme Zurückhaltung aufzugeben und die Ärmel hochzukrempeln. Denn die enormen Erhöhungen der Rohstoffkosten schlagen sich letztendlich bei den Verbrauchern nieder, sofern die Produkte aktuell überhaupt im Markt verfügbar sind“, betont der Verband.

Über das Kompetenz-Zentrum Textil + Sonnenschutz:

In Wuppertal haben sich die Geschäftsstellen des Verbands der Deutschen Heimtextilien-Industrie, des Fachverbands Matratzen-Industrie sowie des Verbands innenliegender Sicht- und Sonnenschutz zusammengeschlossen, um die gemeinsamen Belange ihrer Mitglieder und der vertretenen Branchen zu bündeln und Synergien zu nutzen.