19.07.24 – Zukunftsfähige Baumwolle

Aus regenerativer oder biologischer Landwirtschaft?

Konventionell, regenerativ oder ökologisch – wie geht verantwortungsvoller Baumwollanbau?

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Cotonea ist die Bio-Baumwollmarke des 1855 gegründeten Baumwoll-Spezialisten Elmer & Zweifel. © Cotonea

 
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Roland Stelzer, Geschäftsführer Cotonea (links), im Gespräch mit Peter Maganda, Biolandbau-Verantwortlicher und einem Übersetzer (rechts) bei dem Anbau-Projekt GADC vor Ort in Uganda. © Cotonea_ KlausMellenthin

 

Dass ein Weiter-wie-bisher nicht funktioniert, zeigen erschreckend eindrucksvoll Berichte der Welternährungsorganisation FAO von 2018 und 2022 über den Zustand der weltweiten Ackerböden. Demnach sind 40(!) % der Böden bereits heute degradiert, bis 2050 werden es bis zu 90 % sein. Die dadurch entstehenden Kosten summieren sich auf unvorstellbare 23 Billionen Dollar. Die Gründe: Seit Jahrzehnten überstrapaziert die Landwirtschaft unter Einsatz von Kunstdüngern, Gentechnik und Pestiziden wider besseres Wissen ihre eigene Grundlage. Auch beim Baumwollanbau. Die agroindustrielle Landwirtschaft fällt somit für eine sinnvolle Zukunftsgestaltung weg. Zwei Modelle, mit denen die Fruchtbarkeit der Böden wieder hergestellt werden kann, bieten sich an.

Regenerative vs. biologische Landwirtschaft

In der regenerativen Landwirtschaft bearbeiten die Landwirte den Boden nur minimal, führen eine Dauerbegrünung ein oder kultivieren tief wurzelnde Pflanzen. Diese Landwirtschaft unterliegt keinem strikten Regelwerk wie die Bio-Landwirtschaft. Auf Dauer muss sich die regenerative Landwirtschaft klarere Prinzipien aneignen, u. a. hinsichtlich des Einsatzes von Spritzmitteln. Beim Bio-Landbau verzichten die Landwirte auf Mineraldünger, Pestizide und Gentechnik und berücksichtigen Fruchtfolgen bzw. natürliche Kreisläufe. So erhalten sie die Vielfalt an Lebewesen in und auf den Böden. Sowohl regenerativ als auch Bio führen zu humusreicheren Böden – und diese nehmen mehr Wasser auf und speichern mehr CO2 als die konventionell bearbeiteten Böden.

Kritik gegenüber Bio-Landbau nicht haltbar

Dem biologischen Landbau wird vorgehalten, dieser sei gerade in den tropischen, auch für den Baumwollanbau geeigneten Regionen nicht konkurrenzfähig in Hinblick auf das Einkommen. Darüber hinaus sei der Bio-Anbau zu wenig auf die lokalen Bedürfnisse ausgerichtet. Dieser Kritik entzieht nun eine aktuelle Langzeitstudie des FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) aus der Schweiz den Boden. Die Studie basiert auf Daten aus einem Zeitraum von zwölf Jahren, bei der in Bolivien, Indien und Kenia konventionelle und biologische Anbausysteme verglichen werden. Das Ergebnis: Der biologische Landbau kann den Landwirten ein ebenso hohes verfügbares Einkommen bieten wie der konventionelle Landbau. Fruchtfolgen, so das FiBL, spielen eine entscheidende Rolle, um die Rentabilität der Betriebe zu steigern.

Auch niedrigere Erträge kritisieren manche am Bio-Anbau. Wir können dies nicht bestätigen – im Gegenteil. Für unsere Bio-Textilmarke Cotonea beziehen wir Baumwolle von Projekten in Kirgistan und Uganda, die wir mitaufgebaut haben. Nach 19 bzw. 15 Jahren Anbauerfahrung stellen wir im Landesvergleich überdurchschnittlich hohe Erträge fest. Wir setzen auf Schulungen, natürlichen Pflanzenschutz, gutes Timing, eine Vielfalt an Wechselfrüchten und die eigene Herstellung von Naturdünger.

Fazit

Die regenerative Landwirtschaft bietet konventionellen, veränderungswilligen Landwirten eine vergleichsweise einfache Möglichkeit, sinnvolleren und auf den Standort bezogenen Landbau zu betreiben, auch wenn dabei Pestizide noch erlaubt sind. Zielszenario sollte ein sich kontinuierlich selbst verbessernder Bio-Landbau über dem EU-Bio-Standard sein. Maßnahmen zum Humusaufbau spielen dabei eine wichtige Rolle, z. B. durch Mischfruchtanbau, kluge Wechselfolgen oder Agroforest. Ein dauerhaftes Gleichgewicht zwischen Ökologie, Stabilität, Resilienz und Erträgen verlangt über die Erfüllung der Bio-Standards hinaus auch Beobachtungs- und Analysefähigkeit, Kreativität vor allem eine den Menschen und der Natur zugewandte Haltung.

 

*Quellen: United Nations Convention to Combat Desertification (UNCCD), 2018

 Food and Agriculture Organization of the UN (FAO), 2022