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23.01.15 — read English version

ITCF Denkendorf: Textilien zügeln Feuer

Photo: fotolia

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Reaktor zur Herstellung von Polyamiden Photo: ITCF

Reaktor zur Herstellung von Polyamiden Photo: ITCF

 

Textile Flächen aus Polyamiden finden weite Verwendung in Bekleidungsstoffen und Heimtextilien wie Teppichen oder Wandtextilien. Hohe Zugfestigkeiten und gute Lösemittelbeständigkeit prädestinieren technische Polyamid-Gewebe zudem für vielfältige industrielle Anwendungen, so z.B. für Papiermaschinenbespannungen und Transportbänder. In allen diesen Bereichen ist Flammfestigkeit von erheblicher Bedeutung. Bisher unterzieht man Polyamidfasern dazu einer nachträglichen Behandlung: Eine chemische Substanz wird als ‚Ausrüstung‘ von außen auf die Fasern gebracht.

Diese Art von Flammschutz ist jedoch nicht dauerhaft wirksam. Die Ausrüstung wird mit der Zeit ausgetragen – sei es durch Textilwäschen oder durch äußere mechanische Einwirkungen. Die Flammbeständigkeit wird immer schlechter. Die Forscher am ITCF Denkendorf bauen die Flammschutzkomponenten im Kondensationsprozess direkt in die Polymerketten ein. Die Flammschutzverbindung ist dann chemisch fest eingebunden und hierdurch dauerhaft wirksam. Die verwendeten Flammschutzkomponenten bieten hervorragenden Flammschutz, sind jedoch halogenfrei! Der komplexe verfahrenstechnische Prozess wurde bereits zum Patent angemeldet.

Während dieses Verfahren bei Polyestern schon lange bekannt ist und derart flammgeschützte Polyestergarne bereits kommerziell erhältlich sind, ist die Situation bei Polyamiden eine andere. Ein Polyamid mit eingebauten Flammschutz-Comonomeren, wie das in Denkendorf entwickelte, ist bisher nicht auf dem Markt vertreten. Ein komplexer verfahrenstechnischer Prozess, der zum Patent angemeldet wurde, hat diese neue Materialgruppe ermöglicht.

Hervorzuheben lohnt es sich, dass die verwendeten Flammschutzkomponenten hervorragenden Flammschutz bieten, jedoch halogenfrei sind. Halogene sind sonst unter Flammschutzmitteln noch weit verbreitet, können jedoch gesundheitsschädliche Halogenwasserstoffe freisetzen und im Brandfall toxische Verbrennungsprodukte entstehen lassen.

Neben den flammhemmenden Eigenschaften wurden die physikalisch-mechanischen Eigenschaften der neuartig flammgeschützten Polyamidfasern in den Denkendorfer Laboratorien umfassend mit denen von Fasern ohne Flammschutz verglichen. Es ließen sich dabei nur geringfügige Unterschiede feststellen, die für die weitere Verarbeitung der Fasern zu textilen Produkten irrelevant sind. Die bisherigen Anwendungsbereiche von Polyamidfasern werden somit durch die verbesserten Brandschutzeigenschaften deutlich erweitert.

Nicht nur der textile Bereich ist für den Einsatz brandfester Polymere von Interesse. Auch Kunststoffformteile müssen mitunter brandgeschützt sein – überall dort, wo es heiß wird, wie in Elektronikgehäusen und Maschinenverkleidungen. Letztlich finden moderne Kunststoffe im Leichtbau umfassende Verwendung. Insbesondere im Automobil- und Architektursektor werden zunehmend faserverstärkte Composit-Werkstoffe eingesetzt. Thermoplastische Kunststoffe wie das Polyamid werden als Matrix in Verbundwerkstoffen verwendet und haben hier oft besonders hohe Anforderungen im Brandschutz zu erfüllen.

[ www.itcf-denkendorf.de]