Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von technisch notwendigen Cookies einverstanden. Die Website verwendet außerdem Tracking Cookies, um die Nutzung durch Besucher besser zu verstehen und eine bessere Bedienbarkeit zu erreichen. Diese können Sie hier deaktivieren. Mehr dazu in unserer  Datenschutzerklärung.

29.02.16 – PASTA (Platform for Advanced Smart Textile Applications) — read English version

Digitalisierungsschub

LEDs in Wandtextilien, die im Brandfall mit leuchtenden Pfeilsymbolen den nächsten Fluchtweg markieren; im Stoff „versteckte“ RFID-Etiketten, die Markenkonfektionen sicher kennzeichnen und das Fälschen erschweren: Anwendungen wie diese werden durch die Vorarbeiten von PASTA (Platform for Advanced Smart Textile Applications) leichter zu verwirklichen sein.

Großflächige Integration metallisierter Fäden auf der Raschelmaschine zur Herstellung von Vliesverbundstoffen (Vorstufe für einen Demonstrator...

Großflächige Integration metallisierter Fäden auf der Raschelmaschine zur Herstellung von Vliesverbundstoffen (Vorstufe für einen Demonstrator smartes Bettlaken) Photo: STFI

 
E-thread Faden mit LED auf Musterspule Photo: STFI

E-thread Faden mit LED auf Musterspule Photo: STFI

 
Alle Bilder anzeigen

Das EU-Projekt, ein FuE-Verbund von 13 Unternehmen aus 5 Ländern, hatte zum Ziel, neue Technologien zur kostengünstigen Serienfertigung smarter Textilien zu entwickeln und länderübergreifend für die Branche bereitzustellen. Es endet nun erfolgreich nach vierjähriger Laufzeit. „EU-Projekte wie PASTA stärken die grenzüberschreitende Kooperation in wichtigen Forschungsfragen“, hebt Dr. Klaus Jansen, Geschäftsführer des Forschungskuratoriums Textil, Dachverband der 16 deutschen Textilforschungsinstitute, hervor. Trotz deutscher Vorreiterrolle in technischen Textilien gebe es zahlreiche Experten im europäischen Umfeld, die mit ihrem Spezialwissen die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie unterstützten und nach vorne bringen.

Von deutscher Seite an PASTA mitbeteiligt war das Sächsische Textilforschungsinstitut e. V. STFI. Den Chemnitzer Ingenieuren gelang es, mit Halbleitern bestücktes Metallgarn durch serienmäßiges Verarbeiten auf Stick- und Wirkmaschinen in großflächige Textilbahnen einzuarbeiten – Voraussetzung, um Textilien in großem Maßstab mittels Elektronik funktionalisieren zu können.

„Wir nutzten eine Verbundwirkmaschine von Karl Mayer Malimo“, erläutert Dr. Heike Illing-Günther, STFI-Forschungsleiterin. „Sie besitzt ein neuartiges Schusseintragssystem, mit dem der Schusseintrag von hochfesten Fasern wie z. B. Carbon leicht möglich ist. Aber auch das Einbringen von elektronisch funktionalisierten Garnen konnte realisiert werden. “ Hersteller des leitenden Fadens, auch E-Thread genannt, ist Primo 1 D, Grenoble, ebenfalls Partner bei PASTA. Das Metallgarn wird bei Bedarf in einem speziellen Verfahren, ohne das übliche Verdrahten (Bonden), mit winzigen Bauteilen wie LEDs funktionalisiert. Die Leiterbahn kann neben der Stromzuführung auch als Antenne – siehe RFID-Kennzeichnung – oder Datenbus dienen.

Eine elastische Verbindung sorgt für die sichere, an die Stoffeigenschaften angepasste Verdrahtung der integrierten Elektronik z. B. mit einem Akku. Der durch ein Kunststoffmaterial vor Feuchtigkeit geschützte „Interposer“ besitzt mäanderförmige Kontakte, die sich bei mechanischer Beanspruchung dehnen oder zusammenziehen. Ein solches Modul lässt sich dann auch auf Gewebe fixieren und mit den E-Threads verkoppeln. Neu entwickelt wurden ebenso die „Crimp Flat Packs“, Mikrochips oder Sensoren auf speziellen kupfernen Trägerrahmen.

Um sie in den gewebeeigenen Stromkreislauf einzubinden, werden ihre Kontaktteile und das Leitergarn mechanisch miteinander verpresst. Für hohe Fertigungsraten konzipiert ist auch ein selbstlernendes Robotersystem mit Vakuumgreifer, der sich selbsttätig auf vier Achsen bewegt. Er besitzt zusätzlich ein Kameraauge und ist imstande, die optimalen Kontaktpunkte an den E-Threads im Textil zu lokalisieren und die Komponenten an den richtigen Punkten zu platzieren.

Aus dem PASTA-Vorhaben ging eine Reihe von Demonstratoren hervor. Sie widerspiegeln die ganze Breite des Anwendungsspektrums: von LEDs in der Schutzkleidung für Rettungskräfte, smarten Bettlaken für den Krankenhausbetrieb mit Feuchtigkeits- und Drucksensoren bis zu intelligenten Textilien zum zerstörungsfreien Monitoring tragender Compositeteile. Eine Sensortextilie der Ettlin AG misst zur besseren Anpassung die in Beinprothesen auftretenden Kräfte. Smarte textile Flächen eignen sich auch als regelbare Heizelemente in Autositzen.

„Mit dem von PASTA geleisteten Forschungs- und Technologietransfer können intelligente Textilprodukte viele neue Anwendungen in den Bereichen Gesundheit, Lebensstil, Sicherheit oder Automotive anstoßen“, ist sich STFI-Forschungschefin Illing-Günther sicher. „Sie geben den Innovativen der Textilbranche wichtige Werkzeuge in die Hand, um ihre Spitzenstellung auf dem Weltmarkt behaupten und durch frühzeitige Serienanwendungen ausbauen zu können.“