19.06.20 – Textilkontinent Europa – Chancen und Risiken, Teil 3 — read English version

Corona stürzt europäische Textilindustrie in eine tiefe Krise!

Sie sind inzwischen zum Symbol der Corona-Pandemie geworden: Mundschutzmasken – nicht nur beim Arzt oder im Krankenhaus.

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Sonderseite „Corona – Hilfen für Unternehmen © textil+mode

 
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Martina Bandte, Co-Geschäftsführerin der Karl Conzelmann GmbH in Albstadt in Baden-Württemberg und Präsidentin von Gesamtmasche, wollte in diesem Jahr 100-jähriges Betriebsjubiläum feiern. Auch sie näht jetzt Mundschutzmasken. © Conzelmann

 

Das Bedecken von Mund und Nase beim Einkaufen mit einer Maske, im öffentlichen Nahverkehr oder am Arbeitsplatz ist in vielen Ländern Pflicht. Und wo es keine Pflicht ist, machen viele Menschen freiwillig mit, um die Ausbreitung von Covid-19 zu stoppen.

Vom italienischen Luxuslabel bis zum schwäbischen Unterwäschehersteller

Die Unternehmen haben ihre Produktion umgestellt und leisten ihren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie. Überall wird genäht, jeden Tag entstehen neue Modelle für Community Masks, nicht medizinische Mund-Nase-Masken für den Alltagsgebrauch. Aber auch die Produktion für medizinische Schutzausrüstung in Europa ist plötzlich wieder gefragt.

Es sind Krisenwochen, in denen auch die Netzwerkarbeit bei den Verbänden auf Hochtouren läuft. Nähkapazitäten suchen Vliesstoffhersteller, Ministerien, Kliniken, Pflegeheime und Ärzte rufen direkt bei den Verbänden an und suchen händeringend nach Schutzmaterial und Masken, die durch die weltweite Pandemie auf dem ganzen Erdball zum knappen Gut geworden sind. Ärzte und Krankenhäuser schlagen Alarm, dass sie bald keine Patienten mehr behandeln können, wenn kein Nachschub an Schutzmaterial kommt. Ganze Regierungsstäbe versuchen zu beschaffen, was auf dem Weltmarkt zu beschaffen ist. Doch angesichts des Ausmaßes der Corona-Pandemie ist der Markt wie leergefegt. China als bisheriger Hauptlieferant medizinischer Schutzmasken für die Welt kommt mit der Produktion nicht mehr nach. Über Nacht herrscht rund um den Erdball ein Maskennotstand, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat.

Wer gestern noch Matratzen produzierte, entschließt sich über Nacht jetzt auch in die Produktion von Schutzausrüstung zu investieren. In Netzwerken bei Südwesttextil oder der nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, beim Modeverband German Fashion, aber auch in Brüssel und Berlin finden sich in kurzer Zeit auf Internetportalen Produzenten, Anbieter und solche, die dringend Masken suchen. Spätestens jetzt ist auch die Textilindustrie in Europa systemrelevant.

Europäische Textilindustrie ist systemrelevant!

Innerhalb kürzester Zeit entstehen neue Lieferketten, Unterwäschehersteller arbeiten mit Autozuliefern zusammen und beliefern medizinische Einrichtungen mit Schutzausrüstung und Masken. Hemdenhersteller produzieren über Nacht hunderttausende Mund-Nase-Masken für große Firmen, Unternehmen und den Handel.

Doch die Maskenproduktion ist für viele Unternehmen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer beim Gesamtverband textil+mode:

„Es ist beeindruckend, wie unsere Unternehmen in die Lücke bei der Maskenproduktion gesprungen sind, aber kaum jemand wird damit auch nur im Ansatz seine bisherigen Geschäftsfelder ersetzen können. Für viele unserer Mittelständler war es keine Frage, dass sie bei der Bekämpfung von Corona ihren Beitrag leisten wollen, doch das Ausmaß der Krise mit all ihren dramatischen Folgen für unsere Branche kann damit nicht verhindert werden.“

Der europäische Dachverband Euratex befürchtet durch die Corona-Krise einen Einbruch von Umsatz und Produktion um die Hälfte, 80 Prozent der Unternehmen rechnen damit, Mitarbeiter entlassen zu müssen. In einer Umfrage des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie geben rund 80 Prozent der Unternehmen an, bereits Kurzarbeitergeld beantragt zu haben, ein Fünftel der Unternehmen weiß nicht, wie es die nächsten Wochen überstehen soll.

Lesen Sie mehr dazu in unserer neuen Ausgabe der textile network!

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