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30.10.18 – USA

Die Angst vor Protektionismus!

Wie im Wahlkampf versprochen, hat Donald Trump an seiner sog. “America First”-Politik festgehalten. Dies könnte den Welthandel stark beeinträchtigen

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Texworld USA: Handelspartner in den USA und auch viele Amerikaner sehen im Handelskrieg keine Lösung. Sicher ist, dass der globale Handel damit stark sinken könnte. © Messe Frankfurt

 

Diese Politik, die zur Abschottung Amerikas von den Weltmärkten und der globalen Lieferkette führt, hat laut Julia Hughes, Präsidentin des amerikanischen Modeindustrieverbandes vor kurzem auf einem Industrieseminar in Toronto auch bei amerikanischen Unternehmen und deren Lieferanten zu großen Unsicherheiten geführt.

Wirtschaftsindikatoren zeigen zwar, dass alles "blendend läuft": die Konjunktur, Unternehmensgewinne, niedrige Arbeitslosigkeit sind für viele Trump-Anhänger eine Bestätigung des Erfolges der “America-First” Politik.

Kein Land kann allein von sich leben

“Wir leben in einer auf Gegenseitigkeit basierten globalisierten Welt. Kein Land kann also allein von sich leben. Ich bin nicht ganz sicher, ob die Strafzölle gegen die Stahl- und Aluminium-Importe z.B. die richtigen Maßnahmen gegen Überkapazitäten in manchen Ländern sind, die z. B. Stahl massiv produzieren und nach Amerika exportieren,” meinte Yuriy Ryzhenkov, der Chef des größten Stahlunternehmens von Ukraine Metinvest, im Gespräch mit textile network auf der neulich in New York stattgefundenen Steel Success Strategies-Conference. Ryzhenkov wies darauf hin, die Stahlpreise seien seit der Einführung der Strafzölle enorm gestiegen. Der Protektionismus hat sich mit der Erhebung der Stahl- und Aluminiumstrafzölle verstärkt; die Zölle werden inzwischen auch auf Produkte wie Bekleidung, Textilstoffe, usw. erhoben.

Und China?

Trump wird für seinen Wirtschaftsnationalismus kritisiert, aber er hat für seine Anhänger nicht unrecht, wenn er China vorwirft, der eigentliche Protektionist zu sein. Eine Ansicht, die auch bei Europäern weit verbreitet. China halte nicht die Welthandelspielregelein ein; chinesische Exporte werden von der chinesischen Regierung subventioniert. Mit oft verschleierten staatlich garantierten Krediten werden Betriebe in den USA und Europa aufgekauft – vornehmlich im Technologiesektor. Für viele Amerikaner und auch Europäer betreibt China einen Staatskapitalismus und keine freie Marktwirtschaft.

Dennoch könnte ein drohender Handelskrieg Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben und internationaler Experten zufolge das Welthandelswachstum zwischen zwei und sechs Prozentpunkten einbüssen.

Konsumgüter werden teurer

Mit der Erhebung der Zölle auch auf Textilien, Bekleidung, usw. werden Konsumgüter für Amerikaner deutlich teurer. Die Leidtragenden sind die Geringverdiener, also diejenigen, deren Situation Trump durch seine Politik eigentlich verbessern will. Die USA produzieren sehr wenig Textilien und kaum Massenbekleidungsprodukte. Weil Konzerne in den Vereinigten Staaten aber längst nicht so günstig produzieren können wie die Konkurrenz im Ausland, zahlen die Verbraucher auch bei Produkten „Made in America“ drauf. Unterm Strich haben die Haushalte also noch weniger Geld als vorher. Die Folge: der Lebensstandard wird sinken.

Domino-Effekt

Die neuesten Zölle auf chinesische Bekleidungsprodukte haben bereits den berühmten “Domino-Effect” und viele chinesische Hersteller produzieren inzwischen in den neuen Billiglohnländern in Afrika, um so ihre in Afrika hergestellten Produkte nach dem Africa Growth and Opportunity Act (AGOA) zollfrei in die USA exportieren zu können. Trump hat bereits seine Absicht angekündigt, Zölle in Höhe von 10 Prozent auf weitere textile Produkte wie Garn, Stickerei, usw. im Wert von 200 Mrd. US-Dollar zu erheben.

Für viele amerikanische Bekleidungsfirmen ist China ein attraktiver Lieferant, da es über eine breite Infrastruktur zur Textil- und Bekleidungsproduktion verfügt und auch alles was für die Bekleidungsherstellung benötigte wird produziert. Hierzu Steve Lamar, der Executive Vice President des Verbandes American Apparel & Footwear Association: "China hat eine starke vertikale Kette, die es nicht leicht macht, die Produktion von Bekleidung, Schuhen und Reisegütern anderswo hin zu verlegen". Neue Fabriken in einem neuen Land zu errichten, sei nicht einfach und chinesische Unternehmen müssten in einem neuen Produktionsland zudem prüfen, ob die durch die amerikanischen Käufer verlangten Umweltschutz- und Arbeitsbedingungen eingehalten werden könnten.

USA - größte Markt für chinesische Textilprodukte

Chinas Textilindustrie kann natürlich stark darunter leiden, denn die USA gelten als der größte Markt für chinesische Textil- und Bekleidungsprodukte, obwohl die Europäische Union im Kollektiv der größte Abnehmer für chinesische Textilprodukte ist.

Zhang Tao, der Generalsekretär des Textil-Sub-Council des China Council for Promotion of International Trade (CCPIT), im Hinblick auf die Erhebung von 15% Zoll auf chinesische Textilprodukte: “Jede weitere Erhebung wird an die Verbraucher weiter gegeben. Die 15 % Erhebung wird bei Stoffen und Garn angewandt und unseren Export beeinflußen”.

Im Gespräch mit textile network auf der jüngsten Texworld USA in New York betonte er, dass China nach neuen Märkten suche und seine geographischen Exporte wegen der negativen Folgen der zusätzlichen Zölle in den USA diversifiziere. “Wir suchen neue Märkte in Südostasien und auch Afrika ist ein Riesenmarkt für uns”.

China will Weltlieferant bleiben

Chinas Exporte seien 2017 sogar angestiegen, nachdem sie im Jahr 2016 zurückgegangen waren. “China legt viel Wert auf Innovation, Produktivität und Umweltschutz, um seine Position als Weltlieferant durchzusetzen. Unsere Textil- und Bekleidungsexporte nach den USA 2017 beliefen sich auf ca 40 Mrd. US-Dollar. Chinas globale Exporte dieser Produkte betrugen 294 Mrd. US-Dollar,” so der Generalsekretär. Doch die jetzige Stimmung in den USA kann unvorhergesehene Folgen für den Welthandel haben. Eine stärkere Abschottung der USA könnte eine globale Kettenreaktion auslösen, wenn die Handelspartner ebenfalls mit Strafzöllen auf amerikanische Produkte reagieren. Im Extremfall könnte China sogar die Ausfuhr bestimmter Waren oder Rohstoffe in die USA verweigern, etwa Seltene Erden, die bei der Produktion von Mobiltelefonen oder Batterien verwendet werden. Dann hätte Apple z.B. ein enormes Problem, erst recht, wenn Trump tatsächlich von dem Konzern verlangt, seine Laptops und Smartphones statt in Asien in den USA herzustellen. Handelspartner in den USA und auch viele Amerikaner sehen in einem Handelskrieg keine Lösung. Sicher ist, dass der globale Handel dann stark sinken könnte.

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