12.05.26 – Textile Kreislaufwirtschaft und neue Rohstoffe — read English version
STFI zeigt Neuheiten auf der Index
Chemisches Recycling, biobasierte Kunststoffe, alternative Faserpflanzen: In Genf zeigt das STFI, wie Vliesstoffe Rohstoffrisiken und Umweltbelastungen zugleich adressieren können, konkret mit Akustikvliesen, PBS-Netzen und Kendyrgarn.
Akustikvliese aus Reststoffen des chemischen Recyclings
Auf der Index in Genf präsentiert das Sächsische Textilforschungsinstitut e.V. (STFI) akustisch wirksame Vliesstoffe, die aus Reststoffen des chemischen Recyclings textiler Mischfraktionen entstehen. Diese Reststoffe werden heute meist thermisch verwertet oder entsorgt. Gemeinsam mit Refresh Global untersucht das STFI Aufbereitungs- und Verarbeitungsverfahren, um diese Materialien in den Kreislauf zurückzuführen. Die Rezyklate werden auf Technikumsanlagen im Labor- und semiindustriellen Maßstab mechanisch aufbereitet, zu Vlies gelegt und verfestigt. Durch geeignete Veredelung lässt sich eine optisch passende Decklage direkt integrieren. Gezeigt werden Anwendungen als Akustikbilder und in Form einer Miniatur-Schallkabine für schallabsorbierende Designlösungen.
Ballistisches Verbundtextil für Schießanlagen
Ein weiterer Messeschwerpunkt ist ein ballistisches Verbundtextil auf Vliesstoffbasis. Durch geeignete Formgebung und Auslegung lassen sich damit bauliche Strukturen in Innenräumen, insbesondere geschlossene Schießstände, ausrüsten. Der entwickelte Verbund ist dreidimensional, druckstabil und biegesteif. Er fängt Schrapnelle und Querschläger ab, erreicht das Brandverhalten B1 nach DIN 4102-1 und wirkt stark schallabsorbierend, vor allem in kritischen Frequenzbereichen. Verarbeitet wurden die Verbunde zu Platten, die sich für die Instandsetzung durchschusssicherer Böden, Wände und Decken eignen.
Biokunststoff PBS und Kendyr als Rohstoffalternativen
Im Bündnis RUBIO untersucht das STFI den biobasierten, bioabbaubaren Kunststoff Polybutylensuccinat (PBS) als Alternative zu Polyethylen. Am Beispiel eines gewirkten Strohballennetzes zeigt das Institut, dass PBS textiltauglich ist. Vorliegen tun Spinnvliesstoffe, Bändchen und textile Strukturen; das Strohballennetz erfüllt die mechanischen Anforderungen der DLG an neuartige biobasierte Kunststoffe.
Als nachwachsender Rohstoff wird Kendyr vorgestellt. Die Fasern wurden im Produktionsmaßstab in Mischung mit 70 Prozent Baumwolle zu einem Ringgarn 30 tex (Nm 34) versponnen und zu leichter Maschenware mit 110 bis 140 g/m2 verstrickt. Kendyr wächst auf durch langjährigen Baumwollanbau versalzten Böden und besitzt laut STFI das Potenzial, Baumwolle zu ersetzen. Besucher finden das Messeteam an Stand 1369.



