Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von technisch notwendigen Cookies einverstanden. Die Website verwendet außerdem Tracking Cookies, um die Nutzung durch Besucher besser zu verstehen und eine bessere Bedienbarkeit zu erreichen. Diese können Sie hier deaktivieren. Mehr dazu in unserer  Datenschutzerklärung.

17.01.18 – Hermes Hansecontrol Group — read English version

TIC-Industrie im Wandel der Zeit

„Es sind zunehmend erweiterte Leistungen gefordert“, so Lutz Lehmann, CEO Hermes Hansecontrol Group im Gespräch mit textile network.

Probennahme.jpg

Probennahme © Hermes Hansecontrol

 
Lutz-Lehmann-Hermes.jpg

Die Märkte sind im Wandel, die Vorgaben an die Sicherheit von Produkten werden strenger und die Digitalisierung verändert die Zusammenarbeit mit den Kunden. Ein Gespräch mit Lutz Lehmann, CEO der Hermes Hansecontrol Group über die Herausforderungen und die gestiegenen Anforderungen an die Testing Inspection Certification (TIC) Industrie © Hermes Hansecontrol

 

Während vor einigen Jahren China als das Beschaffungsland Nummer eins galt, verlagern heutzutage immer mehr Hersteller und Händler ihre Produktion in Länder Südostasiens wie z.B. Indien und Myanmar. Auch die Digitalisierung sowie die globalisierten Lieferketten führen zu komplexen Veränderungen bei Industrie und Handel.

Dieser Wandel macht auch vor der TIC-Industrie (Testing Inspection Certification) nicht Halt. Unabhängige Prüfinstitute wie das Hamburger Traditionsunternehmen Hermes Hansecontrol stehen vor der Aufgabe, diese Entwicklungen mit zu gestalten.

textile network: Herr Lehmann, Hermes Hansecontrol betreibt u.a. Prüflabore in China und Indien. Wieso ist es so wichtig vor Ort zu sein?

 Lutz Lehmann: Das ist richtig. Die Kontrolle der Produktsicherheit findet immer häufiger im Herstellungsland statt. Das hat den Vorteil, dass die Wege von der Produktion bis zur Prüfung kurz sind. Die Hersteller und Inverkehrbringer haben dadurch die Möglichkeit, ihre Ware noch vor Ort zu verbessern. Auch eine Überarbeitung der Produkte schon während der Produktentwicklung ist durch unsere Begleitung möglich.

Sind bedenkliche Waren erst einmal auf dem Schiff, ist es zu spät. Denn laut europäischer Gesetzgebung darf schadstoffbelastete Ware nicht mehr aus der EU ausgeführt werden. Das unterliegt strengen Kontrollen. Die Produkte werden den Behörden angezeigt und müssen daraufhin entweder verbessert oder aber entsorgt werden. Dies ist mit einem immensen wirtschaftlichen Schaden für die Unternehmen verbunden. Derartigen Szenarien beugen wir mit unserem Dienstleistungsangebot vor.

tn: Auch die Gesetzgebung sowie länderspezifische Vorgaben unterliegen einem permanenten Wandel. Welchen Einfluss hat dies auf Ihre Prüfprogramme?

 Lutz Lehmann: In der Breite und auch in der Tiefe werden zunehmend erweiterte Leistungen von den Laboren gefordert. Gerade im Bereich der Schadstoffanalytik kommen permanent neu zu prüfende Schadstoffe hinzu. Daneben müssen Labore heutzutage mit immer niedrigeren Grenzwerten arbeiten. Dies zieht hohe Investitionen für die hochsensible technische Ausrüstung nach sich. Nur so kann man stets dem neuesten Stand der Technik entsprechen.

 Investitionen in qualifiziertes Fachpersonal sind ebenfalls entscheidend. Die KollegInnen müssen in der Lage sein, das spezialisierte Equipment zu bedienen. Darüber hinaus müssen sie wissen und vorhersehen, was am Markt gefordert wird. Neben unserer Fachkompetenz im Bereich der Prüfung und Zertifizierung, können wir von Hansecontrol unsere Kunden auch im Hinblick auf die Einhaltung von gesetzlichen Standards sowie marktüblichen Anforderungen beraten.

tn: Die Lieferketten werden zunehmend vernetzt, die Wirtschaft im Allgemeinen digitalisiert. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Praxis im Prüfalltag aus?

 Lutz Lehmann: Vor 10 Jahren lag die Hauptaufgabe der TIC-Industrie in der Überprüfung von Produkten für den europäischen oder amerikanischen Markt. Durch die Digitalisierung und die Erschließung des Onlinevertriebsweges sieht sich die Industrie heute wesentlich komplexeren Anfragen gegenüber. Immer mehr Kunden fordern die simultane Überprüfung der Produktsicherheit für Märkte der EU, Amerika, China und weitere.

 Darüber hinaus werden Prüfprotokolle und Berichte zunehmend digital abgefragt. Dies geht bis hin zur Vernetzung mit den IT-Systemen der Kunden. Hansecontrol lädt beispielsweise zunehmend die Prüfberichte, Anforderungsprofile und andere Qualitätsdokumente direkt auf die Server der Kunden und ermöglicht diesen dadurch die Anfertigung von Statistiken und weiteren Dokumentationen.

 Zudem stellt die Vernetzung der verschiedenen Standorte eine Herausforderung dar. Kunden wollen transparent einsehen können, was aus ihrem Hause in unseren verschiedenen Laboren bereits geprüft wurde.

tn: Immer mehr Hersteller verlagern ihre Produktion nach Südostasien oder in die Türkei. Die Textilindustrie zieht es darüber hinaus immer häufiger auch nach Afrika. Wie reagieren Sie auf diese Entwicklung?

 Lutz Lehmann: Wie einleitend beschrieben, ist es überaus wichtig vor Ort präsent zu sein. Daher verfolgen wir die Entwicklungen sehr intensiv. Unser Vorteil ist es, dass wir Mitglied der Otto Group sind und dadurch stets ein Ohr am Handel und der Beschaffung haben.

 Da bei dem Aufbau eines Labors hohe Investitionskosten anfallen, die teilweise in den zweistelligen Millionenbetrag gehen können, ist es immens wichtig, die Entwicklung nicht zu verpassen. Daher werden wir unsere Expansion weiter vorantreiben und bereits im kommenden Jahr in die Märkte Bangladesch und Türkei expandieren. Entsprechende Pläne wurde von unserem Gesellschafter freigegeben, so dass ich guten Mutes bin, 2018 mit der Hermes Hansecontrol vor Ort präsent zu sein.

tn: Wo sehen Sie in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen für die TIC-Industrie?

 Lutz Lehmann: Ich glaube, dass die größten Herausforderungen in der Vernetzung der TIC- Dienstleistungen sowie in der Bereitstellung einer „Supply Chain Management Lösung“ liegen.

Früher lag die Orientierung auf dem Endprodukt. Eine visuelle Inspektion reichte bereits aus. Heutzutage wird das Produkt nicht nur im Hinblick auf die mechanische und chemische Sicherheit überprüft. Im Rahmen der „Corporate Social Responsibility“, also dem sozial-ethisch vertretbaren Einkauf von Waren, kamen auch die Detox Kampagnen wie zum Beispiel die ZDHC-Kampagne (zero discharge of hazardous substances) von Greenpeace auf. Diese werden von den Verbrauchern sehr stark unterstützt und nehmen einen enormen Einfluss auf die Arbeit der TIC-Anbieter. In der Zukunft werden wir die gesamte Herstellungskette und die dabei zum Einsatz kommenden Chemikalien überprüfen. Heutzutage reicht es eben kaum mehr aus, Produkte lediglich nach den gesetzlichen Anforderungen zu beurteilen.

Es geht vielmehr darum, dem Kunden eine ganzheitliche Lösung für seine Lieferkette anzubieten. Getreu unserem Motto ‚Verstehen, Wissen, Möglich Machen’ müssen wir von Hansecontrol den Kunden und seine Supply Chain verstehen. Das Wissen und die Kompetenz bereitstellen, um diesen Service aufzubauen und die Möglichkeiten nutzen, unsere Lösungen erfolgreich einzusetzen. Die Digitalisierung sehe ich dabei als notwendiges Werkzeug für die gelungene Umsetzung eines solchen Angebots.

Herr Lehmann, vielen Dank für das Gespräch!