15.07.20 – Südwesttextil/AFBW

place2tex: 1. future_innovation_festival

Beim eintägigen Online-Innovationsfestival hatten sich laut der Veranstalter etwa 85 Teilnehmer virtuell zugeschaltet. textile network war mit dabei.

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Startup-Präsentation: Bereit zur Zusammenarbeit mit dem textilen Mittelstand. © Oertel

 
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Kelheim Fibres bezieht die Außenwelt in seine Innovationsstrategie mit ein. © Kehlheim Fibres

 

Und es hat „Zoom“ gemacht …

Wie beziehen „alte Hasen“ Startups in ihre jeweiligen Innovationsstrategien ein? Kelheim Fibres und zwissTex ließen sich dazu virtuell in die Karten schauen.

Innovations-Managerin Ilka Kaczmarek, Kehlheim Fibres:

„Alte Wege können keine neuen Türen öffnen.“

Davon sei der weltweit führende Hersteller von Viskose-Spezialfasern überzeugt, weshalb im Rahmen der Open-Innovation-Strategie die Zusammenarbeit mit kreativen Jungunternehmen und innovativen Mittelständlern verstärkt werde. Das Motto hierzu lautet: Innovative Lösungen durch Öffnung nach außen.

Wie gut das bereits klappt, habe die Entwicklung der neuen und nachhaltigen Galaxy-Faser mit modifiziertem Querschnitt gezeigt, die bei Hygieneprodukten für ein Absorbtionsplus sorgt.

Denn Damen-Hygieneprodukte, von denen eine Frau statistisch 13.000 Artikel verbraucht, bestehen (noch) zu 90 Prozent aus rohölbasierten Kunststoffen! Eine Zukunftsaufgabe also, diesen in der Regel nicht biologisch abbaubaren Produkten massenmarkttaugliche Materialalternative entgegenzusetzen.

Startups in Israel

Die auf HighTex-Materialien und Verbundwerkstoffe fokussierte Dr. Zwissler Holding AG (kurz: zwissTex) kooperiert nach Worten von CEO Mark W. Lorch u. a. auch mit Startups in Israel. Ziel dabei sei es, das Disruptionspotenzial der angebotenen Hightech-Lösungen zu vergrößern.

Startups mit digitalen und Nachhaltigkeitsbotschaften

Wie finden Startups Anschluss an renommierte Firmen mit Bedürfnispotenzial? Ein Teil der Antwort gab die Zoomkonferenz selbst: Indem sie sich immer wieder in neuen Netzwerken präsentieren.

* Side Effects aus Zürich beispielsweise hat u. a. virtuelle 3D-unterstützte, kostenschonende und zeitsparende Trainingsprogramme für Mitarbeiter von Maschinenbau- und Produktionsfirmen entwickelt.

* Vuframe, ein Startup mit 15 Mitarbeitern aus Regensburg, hat das Foto 4.0 erfunden. Es erlaubt Vertrieblern und Marketingexperten, auch jenseits von Dienstreisen, ihre Produkte/Projekte – vom Werkzeug bis zum Fertigungsautomaten, vom Bügeleisen bis zum Wohnpark – digital, interaktiv und virtuell vorzustellen.

* Sustainable Thinking aus Darmstadt begleitet als Nachhaltigkeitsberatung Unternehmen in eine achtsame Zukunft.

* Haelixa als Spinn-off des ETH Zürich bietet mit Blick auf nachhaltige Lieferketten mit eine DNA zur Produktmarkierung. So wird Nachhaltigkeit (Traceability) rückverfolgbar bis hin zu jedem Wertschöpfungsschritt – wenn es beispielsweise um Rohwolle geht von der Farm bis hin in den Einzelhandel.

Was bringen virtuelle Konferenzen?

Konferenz- und Workshop-Erprobte werden sich das sicher fragen. Unser Fazit:

Flexibilitätsfaktor:

Wer zu einer Konferenz reist, ist zumeist mehrtägig mit Übernachtung und Kopplungsterminen in der Region unterwegs. Zu Online-Veranstaltungen meldet man sich an, hört rein, schaltet sich zu den Vorträgen, die interessieren zu, stellt Fragen – und kann selbst entscheiden, ob und wann man sich aus dem Live-Geschehen bei Zoom, Skype & Co. wieder ausklinkt.

Und die Veranstalter von Onlinekonferenzen wiederum können womöglich mehr Interessenten für ihre Inhalte gewinnen als für reale Meetings.

Zeit-/Kostenfaktor:

Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer (über 60 der insgesamt 85 Teilnehmer) hätten für eine Realveranstaltung einen Dienstreisetag einplanen müssen – mit Kosten für das Transportmittel (Auto, Bahn, ggf. auch Flugzeug).

Allerdings können derartige Angebote soziale Kontakte bzw. das traditionelle Get together am Rande von Kongressen nicht komplett ersetzen, wenngleich die nicht unerhebliche Zeit- und Kostenersparnis dies zeitweilig kompensieren kann.

Umweltfaktor:

Allein schon die hier angeführte virtuelle Veranstaltung hat fünf bis sechs Dutzend individuelle An- und Abreisen „verhindert“ und zudem das sonst übliche Stresslevel der Teilnehmer (Stau: Ich komme nicht pünktlich; Rushhour: Ich muss eher los ...) gesenkt.

Bezogen auf die 187,5 Mio. Geschäftsreisen im Jahr 2017 allein in Deutschland, könnte es sinnvoll sein einen Teil der künftigen Meetings mit Dienstreiseverpflichtung ins Internet zu verlegen. So könnte sich der ökologische Fußabdruck von Unternehmen, Instituten und Behörden sicher messbar verringern.