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19.08.15 — read English version

Kunstpelz –Eine echte Alternative

Kunstpelz oder echter Pelz? Das ist heute kaum noch zu unterscheiden Photos: Unechta

Kunstpelz oder echter Pelz? Das ist heute kaum noch zu unterscheiden Photos: Unechta

 
Kunstpelz –Eine echte Alternative
 

Aus Pelz wurde schon immer Bekleidung hergestellt. Pelz ist warm, kuschelig und edel und galt lange als Status- und Machtsymbol. Aber Pelz ist eben auch umstritten. Proteststürme von Tierschützern und Anti-Pelz-Kampagnen werden häufiger und immer mehr Unternehmen nehmen Pelzbekleidung aus ihrem Sortiment– auf die schmeichelnde, wärmende Hülle muss dennoch nicht verzichtet werden: Westen, Jacken und Accessoires aus Fake Fur (Pelzimitat) bilden eine gute Alternative. Denn die modernen Hightech-Materialien kommen heute in der Optik und den Eigenschaften den echten Pelzen sehr nahe kommen.

„Oberste Priorität ist, dass kein Tier dafür leiden muss“, sagt Bärbel Zech, CEO im Düsseldorfer Unternehmen Unechta, das mit dem Slogan „Falsche Pelze. Echte Überzeugungen.“ wirbt. Mehr als 80 Prozent der sogenannten veganen Pelze werden aus Rundstrick hergestellt, berichtet Giovanni Lardara, Geschäftsführer von J. L. de Ball, Nettetal. De Ball hat sich unter anderem dem Handel mit exklusiven Pelz-Imitaten verschrieben. Bei besonders hochwertiger Ware ist eine Raschelware die Basis. Webplüsch findet fast nur noch im technischen Bereich Anwendung.

Die Rundstrick-Ware wird in der Regel in der Farbe Weiß hergestellt. Der Untergrund besteht meist aus Baumwolle oder Polyester. Als Polfäden kommen Mischungen von feinsten synthetischen Fasern wie Polyamid und Polyester beziehungsweise Modacryl und Polyester zum Einsatz. In sehr aufwändigen Druckprozessen, überwiegend im Ätzdruckverfahren, erhält der Kunstpelz dann seine naturgetreue Farbgebung: zum Beispiel dem Echtpelz nachempfundene Farbabstufungen von der Wurzel zur Spitze.

Weitere Spezialausrüstungen, wie Pressen, Prägen oder Effektbürsten sorgen dafür, dass die dem Pelz-Typ entsprechende Musterung, z. B. die eines Persianers, entsteht. Unterschiedliche Florlängen, Kräuselungen etc. und auch der authentische Glanz lassen die Fell-Imitate kaum von echten Pelzen unterscheiden.

Eine ausreichende Florfestigkeit ist bei der Herstellung auf Rundstrickmaschinen allerdings meist nicht gegeben ist. Daher werden die Polfäden häufig von hinten verklebt. Der Kleber kann dazu führen, dass der Untergrund recht steif und bockig wird. Je weicher und geschmeidiger aber ein Material ist, desto mehr reicht der Kunstpelz an die Eigenschaften eines echten Pelzes heran. Um ihn kuschelweich zu machen sind wiederum spezielle Ausrüstungen erforderlich.

Bei einem hochwertigen Fake Fur verfilzen die Haare nicht so leicht. Bei hochwertigen Kunstpelzen sollten kleine durch das Tragen entstandene „Nester“ durch Ausschütteln oder größere durch Ausbürsten, z.B. mit einer Drahtbürste, einfach wieder beseitigt werden können.

Hochwertige Kunstpelze herzustellen ist sehr aufwändig und das spiegelt sich im Preis, deren Höhe vom Echtpelz mitunter kaum abweicht. Sicher ein Grund, weshalb immer wieder Echtfelle als Kunstpelz auf den Markt gebracht werden. So z. B. Mützen mit angeblichen Kunstpelz-Bommeln, die nachweislich aus Katzenfell bestanden, wie in der Presse zu verfolgen war.

Gerade bei Pelzbesatz wird nur selten deklariert, worum es sich wirklich handelt, auch wenn laut der Textilkennzeichnungsverordnung der Hinweis „Enthält Bestandteile tierischen Ursprungs“ verpflichtend ist. Es ist also umso wichtiger, zu wissen, was Kunst- und was Echtpelz ist.

[Birgit Jussen]

Der Untergrund gibt den wichtigsten und einfachsten Hinweis darauf, ob es sich um Echtpelz handelt oder nicht. Beim Auseinanderziehen des Flors ist zu erkennen, ob der Untergrund wie bei einem Echtpelz aus Leder ist oder aus einem Textil mit der charakteristischen Konstruktion, wie einem Maschenbild, besteht.

Das Tierfell besteht aus Primärhaare, den eigentlichen Fellhaaren und Sekundärhaare, die das Unterfell bilden und vor allem der Wärmeisolierung dienen. Diese ganz feinen, dichten und flauschigen Haaren sind häufig beim Auseinanderziehen der Oberhaare des Pelzes sichtbar, beim Kunstpelz aber nicht vorhanden.

Echte Tierhaare sind in der Regel leichter als der synthetische Flor von Kunstfellen und bewegen sich schon bei ganz leichten Brisen. Bewegen sich die Haare also beim leichten Blasen über das Fell, so ist davon auszugehen, dass es sich um einen Echtpelz handelt.

Verbrennen Haare eines Echtpelzes, riecht es nach verbranntem Horn und dunkle, zerreibare Asche entsteht. Synthetische Fasern hingegen schmelzen und bilden harte Ruckstände.