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24.02.16 — read English version

Die Lösung ist in den Wolken

Bei Kleidung zählt der erste Eindruck. Findet man genau das Stück, das man unbedingt haben will, ist es eine große Enttäuschung, wenn es nicht in der passenden Größe vorrätig ist. Das ist eine permanente Herausforderung für die Textilbranche. Doch Überbestände, die dann doch nicht verkauft werden, verursachen hohe Kosten. Wie kann es aber dennoch gelingen, die Nachfrage soweit wie möglich zu erfüllen und somit die Kundenwünsche zu befriedigen – ohne Überbestände in den Lagern?

Die Bekleidungsindustrie stark ist saisonal geprägt, der Kundengeschmack ändert sich ständig, die Globalisierung erschwert die zeitnahe Erfüllu...

Die Bekleidungsindustrie stark ist saisonal geprägt, der Kundengeschmack ändert sich ständig, die Globalisierung erschwert die zeitnahe Erfüllung der Kundenwünsche. Liegt die Lösung des Problems in den Wolken? Photos: EMEA

 
Patrick Lemoine

Patrick Lemoine

 

Bedarfsprognosen sind selten präzise und in der Mode, wo sich die Kundennachfrage immer wieder ändert, sind ständige Anpassungen unvermeidlich. Verstärkt wird das Problem durch die starke saisonale Prägung der Bekleidungsindustrie, Produkteinführungen in immer kürzeren Intervallen und die Globalisierung der Versorgungsketten. Scheinbar kleine Anpassungen schlagen bei den Lieferanten hohe Wellen – der bekannte Bullwhip-Effekt lässt grüßen. Dies wiederum kann zu Überbeständen bei nicht mehr aktueller Ware oder umgekehrt Fehlbeständen bei stark nachgefragten Produkten führen.

Entscheidend ist die Fähigkeit, zuverlässig jede Veränderung in der Nachfrage zeitnah zu sehen und darauf schnell reagieren zu können. Durch eine höhere Transparenz auf allen Ebenen der Supply Chain und einen genauen Einblick in den Kundenbedarf nahezu in Echtzeit, ist es möglich, die Planungsgenauigkeit nachhaltig zu verbessern und die Reaktionsgeschwindigkeit signifikant zu steigern. So gelangen die richtigen Produkte stets dorthin, wo sie aktuell am dringendsten benötigt werden. Dazu muss der Vorratsbestand in allen Phasen des Produktlebenszyklus und auf allen Ebenen der Supply Chain auf die schwankende Nachfrage abgestimmt werden.

Wie ist dies, angesichts der Vielzahl von Lieferanten, der vielen Standorten weltweit und der sich ständig ändernden Kundenwünsche überhaupt zu schaffen? Glücklicherweise können diese Herausforderungen jedoch durch den Einsatz entsprechender Technologien jetzt einfach bewältigt werden. Dabei ist das zentrale Thema „Transparenz“. Gelingt es, diese weit- und vor allem auch tiefgehend (also nicht nur bei den Lieferanten, sondern beispielsweise auch bei den Lieferanten der Lieferanten) zu realisieren, verschaffen sie sich die Unternehmen einen substantiellen, nachhaltigen Wettbewerbsvorteil.

Diese Transparenz wird durch eine gemeinsame Plattform erreicht, die allen Beteiligten eine einheitliche Sicht auf die relevanten Supply Chain-Daten ermöglicht. Mit einer solchen Plattform wird sichergestellt, dass alle Supply Chain-Partner – Planer, Lieferanten, Produktion, Auftragsfertiger, Logistikdienstleister usw. – über dieselben Informationen verfügen. Auf diese Weise lassen sich Veränderungen in der Nachfrage frühzeitig erkennen und auffangen. Sicherheitsbestände werden reduziert oder sogar obsolet.

Über den grundlegenden Bedarf für ein Produktsortiment mögen sich alle einig sein. Dabei helfen Strategien, die die Produktion so lange wie möglich verzögern („Postponement“). Dadurch können die Verfügbarkeit gewährleistet und gleichzeitig hohe Beständen vermieden werden. Schwieriger wird es hingegen bei Farben und Größen. Mit diesem Fertigungsaufschub-Ansatz haben Unternehmen die Möglichkeit, das Rohmaterial für ein Produktsortiment einzukaufen und innerhalb des Ausführungszeitfensters auf Nachfrageveränderungen auf SKU-Ebene noch zu reagieren. Ein Beispiel hierfür sind Sportereignisse (z.B., Fußball-Weltmeisterschaften), in deren Verlauf sich durch positive Auftritte mancher Teams oder Spieler die Nachfrage erst entwickelt bzw. entsteht. Kann die Lieferkette entsprechend konfiguriert werden, bringt man die Flexibilität auf eine völlig neue Stufe. Auf diese Weise können sich Unternehmen auf Dauer einen Wettbewerbsvorteil sichern, ihren Umsatz steigern, Abschlagsrisiken vermeiden und auf die sich ständig ändernden Kundenwünsche reagieren.

Unternehmen der Bekleidungsindustrie haben meistens verschiedene Produktsortimente im Angebot, die sich in Lagerdauer und Verkaufsprofilen stark voneinander unterscheiden. Ein gutes Beispiel ist der Unterschied zwischen Luxusmode und Massenware. Luxusartikel haben eine höhere Marge, werden in geringeren Mengen vorgehalten und sind mit hohen Kosten bei Bevorratung der falschen Größen verbunden. Somit ist besonders in diesem Bereich eine schnellere, effizientere Reaktion auf Nachfrageveränderungen erforderlich. Bei Massenware wie etwa weißen T-Shirts ist dagegen der Bestellrhythmus erheblich besser abzuschätzen. Daher kann es kein Universalmodell für die Supply Chain geben, das das obere und untere Ende des Bekleidungsspektrums gleichermaßen abdecken würde. Die Supply Chains müssen also auf die verschiedenen Absatzkanäle zugeschnitten werden.

Diese Vorteile können jedoch nur genutzt werden, wenn alle Beteiligten nahezu in Echtzeit Zugang zu zuverlässigen Daten haben. Die Voraussetzung dafür ist eine zentrale, cloudbasierte Plattform, die Planung und Durchführung miteinander verbindet und alle Handelspartner in einem Business-Netz zusammenbringt. Nur mit Hilfe einer Echtzeit-Transparenz erkennen Hersteller und Händler Probleme, noch bevor diese entstehen und können durch eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit auf Nachfrageschwankungen zeitnah reagieren. Damit erhöhen sich die Kundenzufriedenheit und der Umsatz, beides Dinge, die nie aus der Mode kommen.

[Patrick Lemoine, Vice President EMEA Customer Solutions von E2open]