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27.08.15 — read English version

„Unsere Branche will nachhaltiger werden“

Dr. Uwe Mazura, Geschäftsführer des Gesamtverbands Textil + Mode, und HDE-Geschäftsführer Kai Falk standen dem Bündnis für nachhaltige Textilien bislang kritisch gegenüber. Im vergangenen Juni sind die Verbände nun aber doch beigetreten. Textile Network wollte wissen warum...

Neue Wege gehen… Photo: fotolia

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Dr. Uwe Mazura, Geschäftsführer des Gesamtverbands Textil + Mode… Photo: t+m

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Dr. Uwe Mazura: Die im Herbst 2014 festgelegten Anforderungen des Aktionsplans waren teilweise nicht realisierbar. Es ist seitdem gelungen, gemeinschaftlich im Konsens zwischen Bundesregierung und Zivilgesellschaft Änderungen zu erreichen. Hierzu zählen vor allem ein neuer Bündnisgeist der Kooperation, die Verankerung des Bündnisses auf internationaler Ebene sowie eine Mittelstandsklausel, die es auch kleineren Unternehmen ermöglicht, sich in den Prozess des „Textilbündnisses“ einzubringen.

Kai Falk: Wir wollten mit dem Textilbündnis einen Aktionsplan vereinbaren, der möglichst vielen Unternehmen den Beitritt ermöglicht. Das ist uns gelungen, ohne dabei die Ziele des Bündnisses in Frage zu stellen. Wichtig war uns, dass der Aktionsplan mit internationalen Initiativen und Gesetzen vereinbar ist, denn ein deutscher Alleingang macht wenig Sinn.

Kai Falk: Wir verstehen den Beitritt als deutliches Signal der Textilwirtschaft, sich verstärkt und gemeinsam für verbesserte Produktionsbedingungen in den Lieferländern einzusetzen. Wir sehen den nachhaltigen Konsum als wesentlichen Treiber des HDE.

Dr. Uwe Mazura: Der Beitritt bedeutet die Selbstverpflichtung, konkrete Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu ergreifen und auch zu dokumentieren. Nach außen hin ist es ein wichtiges Zeichen, dass unsere Branche nachhaltiger werden will und werden wird.

Dr. Uwe Mazura: Ein paar Beispiele: Wir haben einen neuen Code of Conduct für die deutsche Textil- und Modeindustrie erarbeitet, der vielen Unternehmen als Orientierung dient. Außerdem führen wir gemeinsam mit unseren Mitgliedsverbänden Infoveranstaltungen für die Unternehmen durch. Ein eigens eingerichtetes „Forum Nachhaltigkeit“ auf unserer Webseite dokumentiert gute Beispiele und Aktivitäten.

Kai Falk: Das Textilbündnis ist derzeit unser absoluter Schwerpunkt. Wir werden alles daran setzen, dass wir nach Konstituierung des neuen Steuerungskreises Mitte August die Umsetzung des Aktionsplans angehen.

Kai Falk: Der Steuerungskreis hat die Aufgabe, mit einem konkretisierten Aktionsplan die weitere Umsetzung des Textilbündnisses zu begleiten. Als eines der zwölf Mitglieder dieses Gremiums wird der HDE hier für ein Jahr die Wirtschaftsinteressen vertreten und eine zentrale Rolle bei der strategischen Steuerung und Weiterentwicklung des Textilbündnisses einnehmen.

Dr. Uwe Mazura: Unser Ziel ist es, gemeinsam mit allen Bündnispartnern festgesetzte Ziele zu verfolgen und auf diesem Weg konkrete Schritte zu gehen. Dabei dürfen Unternehmen auch nicht überfordert werden, denn ohne sie werden keine Ziele erreicht werden können. Nachhaltigkeit ist ein auf Dauer angelegter Prozess, der nie an ein Ende kommen wird: Man kann immer noch nachhaltiger werden.

[Jana Kern]

Das Textilbündnis von Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller ist in den vergangenen Monaten in großen Schritten vorangekommen. War der Zuspruch nach dem Gründungsakt im Oktober vergangenen Jahres doch eher verhalten, hat sich das Blatt nun gewendet: Im April ist es dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Dialog mit Vertretern der Industrie und des Interims-Steuerungskreis des Bündnisses gelungen, den Aktionsplan zu konkretisieren.

Im Juni sind daraufhin diverse namhafte neue Mitglieder dazu gekommen, darunter Großkonzerne wie H&M, C&A, KiK, Adidas, Puma, Tchibo, Aldi, Lidl und die Rewe Group, mittelständische Unternehmen wie Olymp, Schöffel und Seidensticker sowie die Verbände HDE, AVE und Textil+Mode. Insgesamt zählt die Liste der Unterzeichner per Ende Juli 143 Unterschriften.

Gleichzeitig ist das Textilbündnis auf dem G7-Gipfel in Elmau auf großes internationales Interesse gestoßen und gilt nun als Vorreiter-Projekt für die internationalen Bemühungen auf dem Weg zu fairen Standards in den globalen Lieferketten. Im nächsten Schritt geht es nun um die Umsetzung des Bündnis-Standards. Mit der Wahl des Steuerungskreises Ende Juli steht fest, wer dabei die Fäden in den Händen hält.

In den Steuerungskreis gewählt wurden: die Verbände Textil + Mode und HDE, die Unternehmen Otto und Seidensticker, die Nichtregierungsorganisationen Christliche Initiative Romero, Femnet und Inkota sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Global Organic Textile Standard (GOTS); von Seiten der Bundesregierung außerdem das BMZ, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB).

In dieser Serie sind bereits erscheinen:

Teil 1 „Nicht ob, sondern wie“ (Bündnis für nachhaltige Textilien)