06.05.26 – Erweiterte Herstellerverantwortung in Deutschland — read English version

Branche gründet Herstellerstelle Textil

Mit der Gemeinsamen Herstellerstelle für Textilien will die Branche Verantwortung für eine funktionierende, effiziente und ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft übernehmen. Im Mittelpunkt steht ein EPR-System mit klarer ökologischer Lenkungswirkung und verbindlicher Herstellerbeteiligung.

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Die Branche kündigt auf der IFAT in München die Gründung einer Gemeinsamen Herstellerstelle für Textilien an, um ein textiles EPR-System mit klarer ökologischer Lenkungswirkung und verbindlicher Herstellerbeteiligung zu gestalten. © Lemonkey / stock.adobe.com - generiert mit KI

 

IFAT als Bühne und Signal der Industrie

Auf der IFAT in München, der Fachmesse für Umwelttechnologien sowie Wasser, Abwasser, Abfall und Rohstoffwirtschaft, hat die deutsche Textil- und Modeindustrie die Gründung einer Gemeinsamen Herstellerstelle für Textilien angekündigt. Mit diesem Schritt positionieren sich Hersteller und Inverkehrbringer von Bekleidung, Heimtextilien und Schuhen als zentrale Systemakteure für die Umsetzung der erweiterten Herstellerverantwortung in Deutschland.

Beim Besuch von Bundesumweltminister Carsten Schneider auf der Sonderfläche für textile Kreislaufwirtschaft gab Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes textil+mode, die Gründung offiziell bekannt: „Wenn Hersteller künftig für die Entsorgung und Verwertung von Altkleidern zahlen sollen, dann müssen sie dieses System auch aktiv mitgestalten und steuern können. Die Hersteller haben die Expertise und Know-how, wenn es um Kreislaufwirtschaft geht. Sie stehen aber nicht als reine Zahlstelle zur Verfügung, die die Entsorgung von minderwertiger Ultra-Fast-Fashion bezahlt, ohne diese in Verkehr gebracht zu haben. Es kann und darf nicht sein, dass mittelständische Textil- und Modeunternehmen, die hochwertige Ware produzieren, für textile Billigstware bezahlen, die über asiatische Shopping-Apps unsere Märkte flutet. Hier setzen wir ein klares Stopp-Zeichen.“

Rolle der Herstellerstelle im künftigen EPR-System

Hintergrund der politischen Initiative ist die nationale Umsetzung der europäischen Vorgaben zur erweiterten Herstellerverantwortung für Konsumtextilien. Eckpunkte des Bundesumweltministeriums sehen vor, dass Hersteller künftig die Kosten für Sammlung, Recycling und Entsorgung von Altkleidung tragen.

Die Gemeinsame Herstellerstelle soll im EPR-System für Textilien eine zentrale koordinierende Rolle übernehmen. Genannt werden die Steuerung und Beaufsichtigung der Organisationen der Herstellerverantwortung auf Basis transparenter und einheitlicher Kriterien, die Sicherstellung einer industriegetragenen Systemarchitektur ohne Doppelstrukturen, die Bündelung branchenspezifischer Expertise für Bekleidung, Heimtextilien und Schuhe sowie die Mitwirkung an einer kosten- und bürokratieeffizienten Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Rein beratende Gremien ohne Entscheidungsbefugnisse reichen aus Sicht der Branche dafür nicht aus.

Level Playing Field und Alttextilsammlung

Ein zentrales Anliegen der Industrie ist die verbindliche und gleichmäßige Einbeziehung aller Marktakteure, einschließlich internationaler Fast Fashion Anbieter und Plattformen aus Drittstaaten. So sollen Wettbewerbsverzerrungen vermieden und EPR-Kosten nicht einseitig zulasten deutscher Unternehmen wirken.

Zugleich fordert die Branche eine transparente Kostenstruktur auf Basis belastbarer Analysen sowie wirksame Mitwirkungs- und Kontrollrechte der Hersteller. Ziel ist ein System mit klarer ökologischer Lenkungswirkung, das Anreize für langlebige, reparierbare und kreislauffähige Produkte setzt.

Darüber hinaus spricht sich die Textil- und Modeindustrie für eine grundlegende Neuausrichtung der Alttextilsammlung aus. Notwendig seien klare Zuständigkeiten, verlässliche Daten, der Ausschluss von sogenanntem „Cherry Picking“ sowie dynamische, rechtssichere Quotenmodelle. Starre Vorgaben gelten als ungeeignet, da Hersteller keinen direkten Einfluss auf das Rückgabeverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern haben.