09.07.26 – Textile Kreislaufwirtschaft im Training — read English version
EPR und Recycling im Trainingsmodul
Das Erasmus+-Projekt Skills4circularity entwickelt ein Trainingsmodul zu Recyclingtechnologien. Es bündelt rechtliche Vorgaben, Sortierprozesse und Verfahren zur Aufbereitung von Textilabfällen entlang künftiger Kreisläufe.
Projekt und Modul „Recyclingtechnologien“
Skills4circularity erarbeitet drei praxisorientierte Trainingsmodule zu Recyclingtechnologien, Ökodesign für die Kreislaufwirtschaft und nachhaltiger Produktion. Die Inhalte des ersten Moduls „Recyclingtechnologien“ liegen vor und wurden gemeinsam mit Industrievertretern in der Praxis getestet. Ziel ist es, Kenntnisse zu gesetzlichen Anforderungen, zur Materialsortierung und zur Aufbereitung von Textilabfällen zu vermitteln.
Steigende Bekleidungsabfallmengen, begrenzte Ressourcen und neue Vorgaben beschleunigen den Wandel zur Kreislaufwirtschaft. Regulatorische Anforderungen, Sammel- und Sortiersysteme sowie Recyclingtechnologien greifen dabei ineinander und bilden die Grundlage zukünftiger textiler Stoffkreisläufe.
Politischer Rahmen und Herstellerverantwortung
Den politischen Rahmen setzen der Europäische Green Deal und die europäische Kreislaufwirtschaftsstrategie. Eine Schlüsselrolle spielt die europäische Abfallrahmenrichtlinie, deren Überarbeitung verbindliche Vorgaben für Bekleidungstextilien und Schuhe vorsieht und die Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien stärkt.
Kern der neuen Gesetzgebung ist die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR). Hersteller tragen künftig auch nach der Nutzungsphase Verantwortung für ihre Produkte. Producer Responsibility Organisations unterstützen bei Umsetzung und Organisation. EPR-Gebühren finanzieren etwa Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling und sollen europaweit möglichst harmonisiert werden.
Nach dem Materials Market Report 2025 von Textile exchange könnte die weltweite Faserproduktion bei unverändertem Trend bis 2030 rund 169 Millionen Tonnen erreichen, während jährlich etwa 92 Millionen Tonnen Bekleidungsabfälle anfallen.
Sammlung, Sortierung und Recyclingpfade
Die PM betont die Rolle leistungsfähiger Sammel- und Sortiersysteme. Der Erfolg der Sammlung hängt von der Beteiligung der Verbraucher sowie der Zugänglichkeit und Attraktivität der Sammelsysteme ab. Gesammelte Textilien werden identifiziert, klassifiziert und aufbereitet, nichttextile Bestandteile entfernt, beschädigte Materialien aussortiert, Komponenten demontiert, Reinigung und Kontaminationskontrolle durchgeführt.
Die Sortierung erfolgt teils manuell, teils automatisiert. RFID-, Sensor- und KI-gestützte Systeme gewinnen an Bedeutung, verbessern die Materialerkennung und die Zuordnung zu geeigneten Recyclingverfahren.
Je nach Herkunft und Materialzusammensetzung der Textilien kommen mechanische, chemische oder thermische Recyclingverfahren zum Einsatz. Produktionsabfälle sind meist homogen und leichter zu verwerten als Post-Consumer-Textilien mit komplexen Mischungen. Mechanisches Recycling kann Fasern verkürzen, während chemische Verfahren Fasern erzeugen können, die Neufasern sehr nahekommen. Spinn- und Weiterverarbeitung müssen an die jeweiligen Materialeigenschaften angepasst werden.
Die von Partnern in Rumänien, Tschechien, Schweden und Spanien entwickelten Inhalte des Moduls „Recyclingtechnologien“ zeigen Textilrecycling als Zusammenspiel aus Regulierung, Herstellerverantwortung, Sammel- und Sortierstrukturen und materialstromgerechten Technologien und sollen die Zusammenhänge entlang der textilen Kreislaufwirtschaft systematisch vermitteln.



