09.10.20 – Umsätze sind stark rückläufig — read English version

Euratex schlägt Alarm

Die jüngsten Wirtschaftsdaten sind ein Weckruf für den Aufbau einer ehrgeizigen Industriestrategie.

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Euratex Präsident, Alberto Paccanelli, und Euratex Director General, Dirk Vantyghem © Fred Beard

 

Neueste Daten deuten auf eine Situation hin, die schlimmer ist als 2009, da der Umsatz in der Textilindustrie um fast 25 Prozent und im Bekleidungssektor um 35 Prozent zurückging. Gleichzeitig haben die aus China importierten Textilprodukte stark zugenommen.

  • Euratex bittet die Europäische Union, das Versprochene rasch umzusetzen und eine widerstandsfähige Industrie zu entwickeln.
  • Anlässlich der Sitzung des Euratex-Verwaltungsrates kommentierte Präsident Alberto Paccanelli die jüngste wirtschaftliche Aktualisierung für den europäischen Textil- und Bekleidungssektor.

Alberto Paccanelli, Präsident Euratex:

„Das 2. Quartal 2020 hat einen Rückgang unserer Industrie gezeigt, wie wir ihn noch nie zuvor erlebt haben, nicht einmal während der Finanzkrise 2009: Der Umsatz ist in der Textilindustrie um fast 25 Prozent und im Bekleidungssektor sogar um 35 Prozent gesunken. Der Einzelhandelsumsatz brach um 43 Prozent ein, in einigen Ländern sogar um mehr als 60 Prozent.

Auf der anderen Seite haben wir im gleichen Zeitraum (April–Juni 2020) einen bemerkenswerten Anstieg der aus China importierten Textilprodukte beobachtet. Insbesondere die Einfuhren von Gesichtsmasken stiegen von ca. 0,5 Mrd. Euro im Jahr 2019 auf 13,5 Mrd. Euro im Jahr 2020, was einem Anstieg von 2.700 Prozent entspricht. Gleichzeitig gingen die EU-Exporte von Produkten aus dem Bereich Textil- und Bekleidungsindustrie im selben Quartal um 35 Prozent zurück.“

Diese Zahlen sind ein Weckruf für die Europäische Union, schnell zu handeln.

„Präsident von der Leyen kündigte während ihrer Amtszeit eine Aktualisierung der Industriestrategie der EU an; ich möchte sie bitten, zunächst das, was versprochen wurde, umzusetzen, bevor sie neue Strategien ankündigt: gleiche Wettbewerbsbedingungen für unsere Unternehmen zu gewährleisten, eine widerstandsfähige Industrie zu entwickeln, Innovationen zu unterstützen usw. Wir haben Vorschläge auf den Tisch gelegt, sehen aber keine Fortschritte bei ihrer Umsetzung.“

  • In seiner im Juni der Europäischen Kommission vorgelegten Konjunkturstrategie hat Euratex vorgeschlagen, eine strategische Textilallianz zu gründen, die Innovation und Digitalisierung der Industrie zu unterstützen, die Nachhaltigkeit zu einer Quelle der Wettbewerbsfähigkeit zu machen und einen freien und fairen Handel zu gewährleisten.

In Wirklichkeit sehen wir einen eskalierenden Handelskrieg mit den USA, wir sehen keinen Fortschritt bei den Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich (unserem wichtigsten Exportmarkt), wir sehen, dass Segmente unserer Industrie vom ETS-Kompensationssystem ausgeschlossen werden, wir sehen eine Reduzierung der Forschungsfinanzierung, wir sehen Druck zur Einführung kostspieliger Due-Diligence-Modelle, wir sehen, dass kritische Produkte durch zweifelhafte Beschaffungsprozesse geliefert werden.

Die europäischen Unternehmen der Branche haben in dieser Krise große Verantwortung gezeigt, indem sie ihre Arbeitskräfte so weit wie möglich erhalten (die Beschäftigung ging um weniger als 5 Prozent zurück) und ihre Produktion reorganisiert haben, um die Gesundheitskrise zu unterstützen. Viele Unternehmen investieren, um Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zu verbessern, aber sie werden dennoch für Umweltschäden kritisiert, die von anderen verursacht werden.

Dirk Vantyghem, Generaldirektor Euratex:

„Wir wollen in einen positiven Dialog mit der EU eintreten, um eine moderne und wettbewerbsfähige Textil- und Bekleidungsindustrie als eine wesentliche Säule der europäischen Wirtschaft aufzubauen. Aber dieser Dialog sollte zu greifbaren Ergebnissen führen. Unsere Unternehmer sind Optimisten, wie aus dem Geschäftsklima vom September hervorgeht (+3,9 Prozent ab August), aber sie brauchen einen klaren Rahmen, in dem sie wachsen, innovieren und Arbeitsplätze schaffen können.“

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