02.06.26 – 80 Jahre Südwesttextil — read English version

Branche fordert bessere Rahmenbedingungen

Mehr als 100 Branchenvertreter diskutierten im Mercedes Benz Museum bei ihrer Jahrestagung 80 Jahre Verbandsgeschichte und die aktuelle Lage.

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Südwesttextil-Präsident Bodo Bölzle bei der Jahrestagung im Mercedes-Benz Museum. © Joshua Lehmann für Südwesttextil

 
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(v.l.n.r): Hauptgeschäftsführerin Edina Brenner, Präsident Bodo Bölzle, 1. Vizepräsident und Schatzmeister Dr. Steffen Reinsch und 2. Vizepräsident Andreas Merkel. © Joshua Lehmann für Südwesttextil

 

Am 20. Mai 2026 kamen im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart über 100 Vertreter der baden-württembergischen Textil- und Bekleidungsindustrie mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Die Tagung stand im Zeichen des 80-jährigen Verbandsjubiläums und einer spürbar angespannten wirtschaftlichen Lage. Südwesttextil-Präsident Bodo Th. Bölzle verwies auf die gewachsene Gemeinschaft aus Textil und Bekleidung seit 1946 und sprach zugleich von tiefgreifenden Herausforderungen für den Standort. „Wir werden – bei allen Herausforderungen – nicht in den Abgesang auf die Industrie einstimmen. Wir sind überzeugt von der Vielfalt der Industriezweige hier im Bundesland und, dass in der Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren, auch diese Krise bewältigt werden kann“, sagte er in seiner Ansprache.

Die Branche sieht sich laut Verband mit Umsatzeinbußen, hartem internationalen Preis- und Technologiewettbewerb, hohen Standortkosten und einem dichten Regelwerk konfrontiert. Vor diesem Hintergrund warnte Bölzle vor einem gravierenden Verlust industrieller Wertschöpfung in Baden-Württemberg.

Mit Gastredner Wolfgang Bosbach nahm die Jahrestagung auch die aktuellen geopolitischen Entwicklungen in den Blick. Unter dem Titel „Krieg & Krisen – der neue Normalfall? Klartext bei Textil!“ sprach der ehemalige Bundestagsabgeordnete über aktuelle globale Konflikte, wirtschaftliche Unsicherheiten und die Folgen für Unternehmen und Industrie.

Forderung nach wettbewerbsfähigem Wirtschaftsraum Europa

Südwesttextil verbindet die Standortdiagnose mit klar formulierten Erwartungen an die Politik. Gefordert wird ein wettbewerbsfähiger europäischer Wirtschaftsraum mit strategischen Partnerschaften, konsequentem Bürokratieabbau und schnelleren, moderneren staatlichen Prozessen. Zugleich dringt der Verband auf faire Wettbewerbsbedingungen durch eine stärkere Kontrolle von Importstandards.

Für die textilen Wertschöpfungsketten im Land nennt der Verband Investitionen in digitale und energetische Infrastruktur als zentrale Voraussetzung. Ergänzt wird dies durch den Ruf nach einer Reform des Vergaberechts, die Qualität und Langlebigkeit von Produkten stärker gewichtet.

Innovationsstarke Industrie sieht sich als Teil der Lösung

Trotz der Belastungen positioniert sich die baden-württembergische Textil- und Bekleidungsindustrie als innovationsstarker und transformationserfahrener Wirtschaftszweig, der aktiv zur Zukunft des Standorts beitragen will. Das unterstrich auch der Blick auf die Verbandsgeschichte mit mehreren Fusionen seit 1946 hin zum heutigen Südwesttextil.

Mit rund 200 Unternehmen, 7 Milliarden Euro Umsatz und 24.000 Beschäftigten versteht sich der Verband als Berater seiner Mitglieder, Netzwerker in Politik und Wirtschaft, Sozialpartner, Förderer der Textilforschung sowie des Engagements für soziale und ökologische Standards. Zwischen Historie und Zukunft wurde bei der Jahrestagung vor allem eines deutlich: Der politische Handlungsbedarf ist angesichts der Bedrohung von Wettbewerbsfähigkeit und industrieller Wertschöpfung groß. Die Branche könne ihre Rolle nur unter verlässlichen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen ausfüllen.

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