Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Verwendung von technisch notwendigen Cookies einverstanden. Die Website verwendet außerdem Tracking Cookies, um die Nutzung durch Besucher besser zu verstehen und eine bessere Bedienbarkeit zu erreichen. Diese können Sie hier deaktivieren. Mehr dazu in unserer  Datenschutzerklärung.

15.08.18 – Microfactory Teil 8 — read English version

Digitalisierung live: Fashion Forum 2018 mit Microfactory Strick

In der Microfactory wurden die Pullover gestrickt, in der Podiumsdiskussion nebenan wurde über die Potenziale der neuen Produktionsstrategie diskutiert.

Fashion-Forum-2018.jpg

Digital is wow! Podiumsdiskussion zum Thema Microfactories © Human Solutions

 

Special Guest Stoll Strickmaschine

Eine Strickmaschine der Firma Stoll war der „Special Guest“ auf dem diesjährigen Fashion Forum von Assyst in München. An beiden Veranstaltungstagen lief die Maschine durchgängig, produzierte Pullover und Stoffmuster, die die Teilnehmer individuell mit Vidya designen konnten.

Die Möglichkeiten, die das Produzieren in einer Microfactory bietet, stellt die Branche auf den Kopf – darüber waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. Die Firma Stoll stellte auch beim Adidas Pop-up Store „Knit for you“ Anfang 2017 in Berlin die Strickmaschinen. „Darauf werden wir sehr viel angesprochen. Der Trend der Individualisierung ist ein Treiber, aber auch die Frage, wie sich die Time-to-Market reduzieren lässt, bewegt die Branche“, so Andreas Schellhammer, CEO der H. Stoll GmbH & Co. KG. Ein großer Umbruch in der Produktion stehe bevor, der Maschinen, Software und die gesamte Prozesskette herausfordere. „Klar muss sein: Das kann keine Firma alleine“, betonte Schellhammer. Auf Partnerschaften komme es an.

Verbraucher- und vertriebsnah Produzieren

Hans Peter Hiemer, b4b GmbH, sprach sich für ein Netzwerk an Produktionseinheiten aus, die künftig vertriebs- und vor allem verbrauchernah Ware herstellen. Der Trend gehe eindeutig dazu, den Kunden direkt anzusprechen und in ein individuelles Design einzubinden. „Marken und Händler werden Schwierigkeiten bekommen in ihrer Mittelsmannfunktion“, ist sich Hiemer sicher. Eine etwas andere Sichtweise vertrat Alexander Artschwager vom DITF Denkendorf, der Marken auch weiterhin als wichtige Struktur für den Konsumenten sieht. „Für mich sind Microfactories regionale Produktionskonzepte, die nicht in einem Laden stehen werden.“

Business-Modell gesucht

Die Microfactory vor Ort belegte: Die Technik ist da. Was braucht es nun, um das Konzept zu verbreiten? „Wir müssen die Kreativität auf die Maschine bringen, Algorithmen sind aktuell (noch) nicht in der Lage Designs und Themen zu entwickeln. Zentrale Aufgabe für den Erfolg von Microfactories ist, den kreativen Input von Designern ohne Schnittstellen in digitale Abläufe zu integrieren sowie die Leistung von Designern in einer digitalen Welt zu honorieren“, so Artschwager.

Andreas Seidl sah unternehmerischen Mut und Erfolgsmodelle als Voraussetzung für die Verbreitung des Konzepts: „Die technischen Hürden sind nicht mehr so groß. Aber wir alle hier sind Systemer. Es braucht jemanden, der ein konsequentes Business-Modell aufsetzt und Erfolge zeigt.“

Start-up-Mentalität - einfach loslegen

Hans Peter Hiemer rief den Zuhörern ins Bewusstsein, welche Erfahrungen es mit der Digitalisierung in anderen Branchen gibt: „Da kommen junge Leute ohne langjährige Business Erfahrung aber mit einer ganz neuen Start-up-Mentalität. Die haben den notwendigen Mut, leeren ihre Spardosen aus und drehen das Ding auf links.“

Branchenkenner wüssten, wie schwierig es zum Beispiel sei, ein einfaches weißes Hemd zu produzieren. „Wer neu anfängt, den interessiert das nicht! Und diese Haltung, dieser Ansatz, der wird der Branche gut tun.“

Eva Fröhlich, Iris Schlomski