05.03.21 – Messeabsagen für 2021

Ein ganzes Jahr ohne Messen, ohne direkte Kundenkontakte?

Die Heimtextil, weltgrößte Messe für Heimtextilien im Wohn- und Objektbereich, wurde für 2021 abgesagt. Auch andere Branchenevents finden nicht statt.

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Martin Auerbach, Hauptgeschäftsführer Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie: „Wer heute glaubt, nach der Pandemie werde alles wieder so sein wie vorher, wird nicht vorbereitet sein.“ © Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie

 
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Joseph Wheeler, Managing Director Sales & Marketing, Neutex Home Deco: „Die digitale Kommunikation ist viel mehr als nur eine Option für uns, sie ist bereits fester Bestandteil unserer Unternehmenskommunikation.“ © Neutex Home Deco

 
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„Die Corona-Pandemie ist momentan außerordentlich präsent und beeinflusst auch unsere Planungen. Die Erwartungen unserer Kunden hinsichtlich international ausgerichteter Messen im April und Mai können wir mit Blick auf die aktuelle Lage nicht erfüllen“, sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt (textile network berichtete).

  • Doch was bedeutet das für die Branche – ein ganzes Jahr ohne Messen, ohne direkte Kundenkontakte?

  • Wie präsentieren die Unternehmen ihre Neuheiten?

  • Wie kommuniziert man miteinander?

  • Welche Bedeutung gewinnen digitale Formate, Social Media?

  • Wie kann man die Krise meistern?

So lauteten unsere Fragen an die Branche. Hier ihre Antworten:

Martin Auerbach, Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie:

„Das vergangene Jahr haben die Mitglieder der drei Verbände in Wuppertal – Heimtex-Verband, Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz und Matratzenverband – als echte Achterbahnfahrt empfunden. Dies beinhaltet neben den Herausforderungen durch die Schließung des Handels auf jeden Fall auch die Entwicklung bei den Messen.

Es bringt natürlich immer Unruhe in einen Betrieb, wenn die Planungsgrundlage fehlt. Vielleicht war es zu erahnen, dass die Messen zu einem Großteil nicht stattfinden würden, aber dass nun sämtliche Frühjahrsmessen in Frankfurt, Köln, Stuttgart, Hannover und München als Präsenzveranstaltungen in 2021 komplett ausfallen, hätte im vergangenen Sommer wohl niemand vorausgesagt. Dies stellt die Messegesellschaften vor enorme Probleme, bringt die Aussteller aber in die Lage, sich noch intensiver auf die mit der Pandemie verbundenen Herausforderungen und seine Begleiterescheinungen, wie der zunehmenden Rohstoffverknappung, zu konzentrieren.

  • Wer heute glaubt, nach der Pandemie werde alles wieder so sein wie vorher, wird nicht vorbereitet sein. Jetzt müssen Geschäftsmodelle überdacht, Vertriebsformen fort- oder neu entwickelt und Produktportfolios entsprechend angepasst werden. Das gilt sicher auch für die Messe der Zukunft. Bis dahin ist es aber noch ein harter und steiniger Weg, der gegangen werden muss. Wir können aktuell nicht sagen, wie sich das Messegeschäft verändern wird, aber dass es dies tun wird, ist unumstößlich.“

Joseph Wheeler, Neutex Home Deco:

„Natürlich befinden wir uns aktuell in einer sehr herausfordernden Zeit. Keine Messen, keine Geschäftsreisen und keine persönlichen Produktvorstellungen ... Die wichtigsten Möglichkeiten der direkten Kommunikation sind aktuell untersagt. Doch jede Krise birgt auch Chancen. So haben wir uns einige Ziele in Sachen digitaler Unternehmenskommunikation gesetzt und arbeiten täglich an deren Verwirklichung.

Anstatt die Köpfe in den Sand zu stecken, haben wir sie zusammengesteckt (natürlich mit ausreichend Sicherheitsabstand) und diverse Alternativen entwickelt, um den Kundenkontakt weiterhin pflegen zu können. Diese Alternativen werden uns bei der Bewältigung der Krise eine große Unterstützung sein.

Unsere Neuheiten präsentieren wir durch unsere eigene App, hochwertiges Bild- und Videomaterial als auch digitale Produkt-Präsentationen. So bieten wir diverse Möglichkeiten, um stets up-to-date zu bleiben.

Besonders durch die Krise hat sich unser Sinn für die digitale Kommunikation weiter geschärft. Unser Team arbeitet täglich mit Hochdruck, um unsere Möglichkeiten stets zu erweitern. Neben dem stetigen Vorantreiben unserer Social-Media-Kanäle, haben wir auch Wege gefunden, um Online und Offline besser zu verknüpfen. Ein wichtiges Instrument hierfür ist unsere Landing Page, von der aus alle unsere Online-Auftritte erreicht werden können. Unser Herzstück ist die App, in der wir unsere Neuheiten sowie schwer entflammbaren Stoffe und Best-Of-Artikel problemlos präsentieren können – unabhängig von Ort und Zeit.

  • Die digitale Kommunikation ist also viel mehr als ‚nur‘ eine Option für uns. Sie ist bereits fester Bestandteil unserer Unternehmenskommunikation und definitiv nicht mehr wegzudenken.“

Nurhan Nalbant, Advansa:

„Die Absage der Messe Heimtextil war nach den verheerenden Inzidenzwerten Ende letzten und Anfang diesen Jahres vorhersehbar und unumgänglich. Für uns als einer der führenden Hersteller von Füll- und Fasermaterialien für Bettdecken, Kissen und Matratzen war das natürlich eine schwere Enttäuschung. Zumal die Heimtextil für uns die wichtigste Messe ist, um uns mit Interessenten und Geschäftspartnern aus der ganzen Welt austauschen zu können. Dabei ist der persönliche Kontakt, das direkte Gespräch und besonders auch die haptische Erfahrung mit den neuen Produkten das A und O der Messestrategie von Advansa.

Die Covid-19 Pandemie hat uns und die gesamte Branche aber weiter fest im Griff. Messen können somit in gewohnter Form nicht stattfinden. Grund genug, um uns frühzeitig nach Alternativen oder Alternativideen umzuschauen. So haben wir bereits im letzten Jahr damit begonnen, die wirtschaftlichen Bedingungen und Risiken, die mit einer eventuellen Messeabsage einhergehen, zu analysieren und entsprechende Maßnahmen zu konzipieren.

  • Seit geraumer Zeit sind wir damit beschäftigt, einen anderen, virtuellen Weg einzuschlagen, um unsere Produktinnovationen 2021 digital im Netz zu präsentieren. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist der B2B ‚Advansa Showroom 2021‘, der kürzlich gelauncht wurde und online ging. Unsere Kunden und Geschäftspartner haben wir darüber bereits informiert. In einem interaktiven Showroom haben diese ab sofort die Möglichkeit, sich umfangreich über unsere Neuentwicklungen dieses Jahres zu informieren. Hierfür wurden eigens Markenumfelder geschaffen, die anhand von Schlafraumkonzepten einen Kontext mit den jeweiligen Produkten generieren. Mehr noch, Interessenten können sich unter showroom.advansa.com erklärende Videos ansehen, Broschüren anfragen und sogar Online-Meetings mit den entsprechenden Ansprechpartnern unseres Teams reservieren. Hauptakteure sind aber immer noch die Neuheiten, die sich durch einen Klick auf die dazugehörige Schlafwelt offenbaren.

  • Der Advansa Showroom ist die ideale Möglichkeit für alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten, über dieses digitale Format in emotionaler und informativer Form effizient, nachhaltig und zielführend mit uns zu interagieren.“

Andreas Kopetschny, MHZ Hachtel:

„Virtuelle Veranstaltungen bzw. digitale Plattformen sind angesichts der aktuellen Situation nicht mehr wegzudenken. Sie schaffen alternative und innovative Kommunikationswege für unser Unternehmen.

Die BAU online liegt erfolgreich hinter uns. Aktuell bereiten wir uns auf die R+T digital vor. Unser Zielt ist es, ein virtuelles Messeerlebnis zu gestalten, welches die Produkte und Dienstleistungen informativ und zugleich emotional präsentieren kann. Darüber hinaus versuchen wir, durch produktspezifische Webinare oder Produkt-Newsletter die digitale Präsenz zu erhöhen und somit die MHZ Neuheiten sowie aktuelle Kollektionen auf dem Markt gut zu positionieren.

  • Durch unsere 90 Fachberater im Außendienst sowie unser kompetentes und starkes Innendienst-Team bleiben wir auch in Zeiten der Beschränkungen im engen, persönlichen Kontakt mit unseren Kunden. Durch dieses flächendeckende und stabile Vertriebsnetz ermöglichen wir jederzeit eine verlässliche Beratung und Unterstützung.

  • Messen sind nach wie vor für unsere Branche ein wichtiges Marketinginstrument. Eine der größten Herausforderungen stellt der Versuch dar, gewisse Eigenheiten des Präsenzkontaktes wie beispielsweise den ‚spontanen Standbesuch‘ oder den persönlichen Dialog durch ‚digitale‘ Alternativen zu ersetzen.“

Donata Apelt-Ihling, Alfred Apelt:

„Messen sind nach wie vor ein wichtiger Marktplatz für uns, auf dem wir unsere Neuheiten vorstellen, unsere Kunden treffen, neue Kunden gewinnen, uns als Marke präsentieren, uns dem Wettbewerb stellen – durch den Wegfall dieser analogen Möglichkeiten haben wir unsere Aktivitäten digital konzentriert – Zoom, Teams, Social Media, Printaussendungen, Telefonmarketing.

Angepasste Umsatzprognosen und Kostenstrukturen, eine modifizierte Beschaffung und verkürzte Planungsrhythmen geben uns den nötigen Spielraum, auf die veränderte Situation am Markt adäquat zu reagieren. Wir arbeiten, wie gewohnt an der Fertigstellung der Saisonkollektion Herbst/Weihnachten 2021 und an unserer neuen Deko- und Transparent-Kollektion.

  • Der telefonische Kontakt vom Haus und vom Außendienst mit unseren Kunden hält die Kommunikation und den Informationsfluss aufrecht und gibt so allen Beteiligten das wichtige Gefühl, miteinander in Kontakt zu bleiben. Wir werden nach Fertigstellung der neuen Kollektionen – im Februar und April – die dazu gestalteten Broschüren aussenden, wir pflegen den regelmäßigen Kontakt zu allen Kunden via Newsletter, Instagram und Facebook. Wir kommunizieren intensiv über Social Media, haben Teams und Go-to-Meeting-Konferenzen, bieten gemeinsam mit Deco Team Webinare für unsere Kunden an.“

Stephan Overbeck, Ibena:

„Die Corona-Pandemie hat in allen Lebenslagen gezeigt, dass wir Menschen soziale Wesen sind. Die Befürchtungen, dass künftige Generationen nur noch ‚virtuell‘ leben, hat in der Krise der Drang nach gemeinsamen Treffen über alle Altersstufen hinweg widerlegt. Auch noch so gute Videokonferenzen und alternative Präsentationen konnten physische Treffen nicht komplett ersetzen. Sicherlich wird durch die Lernkurve und auch den Verlust an Scheu beim Umgang mit dem Medium die digitale Kommunikation immer besser, aber auf Sicht bleibt die direkte Kommunikation präferiert.

Der digitale Anteil wächst durch die Umstände allerdings rasant und deutlich schneller. Die Absage von Präsenzmessen ist daher schmerzlich, hat aber die Bereitschaft, über Alternativen nachzudenken und diese auch anzunehmen, bei allen Beteiligten erhöht. Die Krise erhöht daher den Grad der Digitalisierung und bringt alle deutlich voran. Die Branche und unser Unternehmen schaffen es daher sehr gut, sich mit der Situation zu arrangieren. Auf Dauer werden sich hybride Formate durchsetzen, das heißt auch nach der Pandemie weniger Präsenz und mehr digitale Kommunikation.

  • Wir werden uns offen den Herausforderungen stellen. Momentan heißt das, immer wieder zeitnah sich auf neue Situationen einstellen.

  • Bereits vor der Pandemie haben wir entschieden, auf gedruckte Kataloge zu verzichten und digitale Formate zu forcieren. Dies sehen wir weiterhin als den richtigen Weg. So können wir den Kunden auf allen digitalen Wegen unsere Kollektionen und Neuheiten präsentieren.“