23.01.19 – Interview — read English version

Nachgefragt: Interesse an CmiA-Baumwolle steigt

Als Initiative der Aid by Trade Stiftung setzt sich Cotton made in Africa (CmiA) seit 2005 für eine nachhaltige Baumwollproduktion in Afrika zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Baumwollbauern in Subsahara-Afrika ein und vertreibt die Baumwolle mit dem CmiA-Siegel auf den globalen Textilproduktionsmärkten.

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© Bremer Baumwollbörse

 

Im Interview mit der Cotton Report Redaktion spricht Christian Barthel, Director Business Development für Cotton made in Africa, über Erfolge, Chancen sowie aktuelle und künftige Herausforderungen des nachhaltigen Baumwollanbaus in Afrika.

Herr Barthel, geben Sie uns bitte einen kurzen Überblick über die aktuelle Arbeit von Cotton Made in Africa.

CmiA arbeitet aktuell mit über einer Million Kleinbauern in neun Ländern Sub-Sahara Afrikas zusammen. Die CmiA zertifizierte Baumwolle wird weltweit verarbeitet – sowohl in Afrika als auch in den klassischen Textilproduktionsmärkten wie Bangladesch, China, Türkei oder Pakistan. Motor der Initiative ist die kontinuierliche Steigerung der Nachfrage von Unternehmen und Brands nach CmiA-Baumwolle sowie die Kooperation mit Textilproduzenten weltweit. Die Einnahmen aus Lizenzen, die jedes Partnerunternehmen bezahlt, reinvestiert CmiA in den Anbauregionen. Alleine im letzten Jahr überstiegen die Einnahmen aus Lizenzen über 2 Millionen Euro. Die Palette der Partner reicht von Aldi bis Armani und umfasst Bonprix, OTTO, Tchibo, die Rewe Group, Aldi Süd, Bestseller, Asos oder Tendam Retail. Rund 90 Millionen Textilien trugen das CmiA Label alleine im letzten Jahr.

Etwa 75 Prozent der afrikanischen Baumwolle werden exportiert, in vielen Ländern deutlich mehr. Wo liegen die Chancen für mehr Wertschöpfung in Afrika? Was sind die Risiken und Herausforderungen?

In den letzten Jahren konnten wir ein steigendes Interesse an Afrika als Textilproduktionsmarkt feststellen. Partner wie Bonprix oder Tendam Retail lassen bereits Textilien aus CmiA-Baumwolle in Afrika produzieren. Dieses Potenzial weiter auszuschöpfen kann eine große Chance für den Kontinent sein, Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen und an der textilen Wertschöpfungskette zu partizipieren. Jedes Land hat dabei Vor- und Nachteile: So ist die textile Industrie in Kenia schon recht weit entwickelt, leider wird dort aber kaum Baumwolle angebaut und verarbeitet. Stattdessen werden häufig fertige Stoffe importiert. Auch die Regierungen können eine große Rolle spielen: Ist ein Land aufgeschlossen gegenüber fremdem Kapital und Know-how, können die Menschen im Land von den Investitionen und Ausbildungsmöglichkeiten profitieren. Risiken liegen sicher darin, dass sich Investitionen natürlich nur dann lohnen, wenn der Return on Investment auch nach einem gewissen Zeitpunkt kommt. Dazu müssen Handelsunternehmen aus Europa und den USA Aufträge in entsprechend großen Mengen platzieren. Voraussetzung für den Erfolg ist auch, dass Leistung, Pünktlichkeit und Preis stimmen. Der Kontinent verfügt schon über sehr gute Produktionsbetriebe, die mitunter allerdings noch nicht so weit sind, sämtliche Anforderungen der westlichen Einkäufer zu erfüllen. CmiA versteht sich hierbei auch als „Matchmaker“, indem wir unsere interessierten Kunden mit Produktionsbetrieben in Afrika zusammenbringen. Denn wir sehen große Chancen darin, wenn Baumwolle „from Field to Fashion“ – also vom Baumwollfeld bis zum fertigen Textil – in Afrika verarbeitet wird.

Auch wenn sich die die Erträge in den afrikanischen Anbauländern zum Teil verbessert haben, liegen sie insgesamt eher im unteren Bereich. Wo sehen Sie weiteres Verbesserungspotential?

Trotz der großen Ertragsunterschiede zwischen den Regionen, die nicht außer Acht gelassen werden sollten, liegt großes Verbesserungspotenzial in der Weiterentwicklung des Saatguts. Dabei ist es wichtig, den besonderen Erfordernissen des Regenfeldbaus und den stärker werdenden Einflüssen des Klimawandels in der Saatgutentwicklung Rechnung zu tragen. CmiA befindet sich hier im Austausch mit verschiedenen Institutionen, unterstützt bei der Vernetzung der Akteure und verschafft dem Thema Gehör. Weiterhin spielen regelmäßige Schulungen von Kleinbauern in nachhaltigen Anbaumethoden eine entscheidende Rolle. Hier können in Zukunft mobile digitale Lösungen eine immer wichtigere Rolle einnehmen: Von SMS Services beispielsweise für Wettervorhersagen, die helfen, Entscheidungen über Aussaatzeitpunkt oder das Ausbringen von Düngemitteln zu treffen, bis hin zu mobilen Apps, die Schädlinge identifizieren können.

Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit gehen Hand in Hand. Welche Maßnahmen und Methoden nutzen Sie aktuell zur Herstellung von Transparenz in der Lieferkette und wo geht Ihrer Meinung nach die Entwicklung hin?

Bei der Weiterverarbeitung der Baumwolle unterscheiden wir zwischen den Varianten Hard Identity Preserved (HIP) und Mass Balance (MB). Beide Systeme garantieren eine lückenlose Rückverfolgung vom Anbau über die Entkörnungsanlage bis zur Spinnerei. Danach unterscheiden sie sich und der Grad der Transparenz ändert sich entsprechend. Wir haben unsere Serviceleistungen und die entsprechenden Produkte in den letzten 12 Monaten deutlich ausgebaut. Kunden profitieren von einem für sie einfachen, aber effektiven Tracking-System. Die Rückverfolgbarkeit ihrer Einkäufe sichern wir mittels eines Tracking-Tools. CmiA leistet die Pflege und damit Nachverfolgung im System – als Service für unsere Unternehmenspartner.

Mit welchen Maßnahmen unterstützen Sie eine größere Nachfrage nach CmiA Baumwolle?

Unser USP ist die individuelle Unterstützung unserer Partner – im Marketing und in den Beschaffungsmärkten. Messeauftritte, Webinare oder Workshops, die Hilfestellung und Austausch zur Implementierung von CmiA in der Kette bieten und größtenteils in den Textilproduktionsmärkten stattfinden, runden unser Portfolio ab.

Wie bringen Sie die doch oft sehr unterschiedlichen Lebenswelten und Vorstellungen von Retailern und afrikanischen Kleinbauern zusammen?

Ein besonderes Programm, um den Markt, aber auch die Arbeit auf dem Feld kennenzulernen, sind unsere seit einigen Jahren etablierten und beliebten Reisen mit Unternehmensvertretern und weiteren Stakeholdern nach Afrika. Während der Reise treffen die Teilnehmer auf die Baumwollbauern und Arbeiter der Baumwollentkörnungsfabriken, lernen ihre Arbeit aus erster Hand kennen und haben außerdem die Chance Produktionsbetriebe zu besuchen.

Das Interesse, die textile Kette kennenzulernen ist auf beiden Seiten groß. Auf unsere Initiative reiste daher eine 17-köpfige Delegation afrikanischer Baumwollproduzenten in die Türkei, um in einem der wichtigsten Textilproduktionsmärkte der Welt mehr über die Weiterverarbeitung „ihres“ Rohstoffs zu erfahren. Im Großraum Istanbul besuchten sie eine Importorganisation, eine Spinnerei und einen Fertigungsbetrieb für Bekleidung. Die Reise ist auf großes Interesse gestoßen und wir bereiten für 2019 erneut einen ähnlichen Austausch vor.

Die Interviews in der Rubrik „Nachgefragt“ entsprechen der Meinung des jeweiligen Interviewpartners und geben nicht die Position der Bremer Baumwollbörse als neutrale, unabhängige Institution wieder.

Auszug aus dem Bremen Cotton Report Nr. 01/02 – 10. Januar 2018.

Mehr Informationen unter www.baumwollboerse.de