19.05.26 – Stakeholder-Dialog in Berlin — read English version

Hochschule Niederrhein setzt auf Hanf

Beim Stakeholder-Dialog zur erweiterten Herstellerverantwortung zeigt die Hochschule Niederrhein, wie Hanfprojekte wie "Hanfknit" und "ReHemp" künftige Textilgesetze mit praxisnahen, kreislauffähigen Materiallösungen konkret unterfüttern können.

Hanf als Alternative im Wertschöpfungskreislauf

Beim 3. Stakeholder-Dialog zur erweiterten Herstellerverantwortung für Textilien in Berlin brachte der Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein (HSNR) seine Hanf-Forschungsprojekte ein. Auf dem "Marktplatz der textilen Kreislaufwirtschaft" präsentierte das Forschungsinstitut für Textil und Bekleidung (FTB) die Projekte "Hanfknit" und "ReHemp" sowie studentische Arbeiten mit Nachhaltigkeitsbezug, die zuvor auf der Neo.Fashion in Berlin zu sehen waren.

Die Veranstaltung versammelte mehr als 150 Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden und Politik. Im Mittelpunkt stand das Eckpunktepapier zur erweiterten Herstellerverantwortung und die Frage, wie ein künftiges Textilgesetz Kreislaufwirtschaft effizient und mit geringem bürokratischem Aufwand umsetzen kann. Mitarbeitende des FTB nutzten den Rahmen, um mit Bundesumweltminister Carsten Schneider über die Rolle innovativer Materialien und zirkulärer Ansätze zu sprechen.

"Hanfknit": Funktionsstrickjacke aus der Region

Ein Schwerpunkt der HSNR liegt auf Hanf als regional anbaubarer Alternative zu Baumwolle. Im vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geförderten Projekt "Hanfknit" entwickelte das FTB eine recyclingfähige Funktionsstrickjacke aus 70 Prozent Hanf und 30 Prozent LyoHemp, einem Regenerat aus Hanffasern. Gefertigt wird vollständig lokal, von der Faserentwicklung bis zum 3D-Seamless-Strick in der Region Mönchengladbach.

Das Zero-Waste-Verfahren der Firma Bache Innovative vermeidet Produktionsabfälle. Ein Bodymapping-Design mit Zonen für Ventilation, Polsterung und enganliegende Bereiche verbindet Komfort, Funktionalität und Ressourcenschonung und eröffnet Potenzial für Anwendungen in Sport- und Arbeitsbekleidung.

"ReHemp": Hanf in geschlossenen Kreisläufen

Das durch die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) geförderte Projekt "ReHemp" knüpft an die Jacke an und zielt darauf, Hanffasern in einen geschlossenen textilen Kreislauf zu überführen. Geplant ist, LyoHemp verstärkt aus Hanf-Abfallstoffen statt aus Primärfasern herzustellen. Gemeinsam mit dem Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Rudolstadt e.V. und Industriepartnern erarbeitet das FTB eine Abfallklassifizierung für Fasern, Garne sowie Pre- und Post-Consumer-Materialien als Basis effizienter Recyclingprozesse.

Die Abfälle werden gesammelt, sortiert, zerkleinert und chemisch zu neuen Lyocell-Fasern recycelt. Parallel untersucht das Team Alterung und Mehrfachrecycling, angestrebt werden mindestens drei Recyclingzyklen. Erste Fasern aus Abfallstoffen sind bereits produziert und in der Weiterverarbeitung.