17.02.21 – Schlüssel-Ressourcen pro verantwortungsvoller Lieferkette — read English version

OECD-Bekleidungsforum 2021: Transparenz und Kooperation

Yvonne Heinen-Foudeh berichtet vom diesjährigen virtuellen OECD-Bekleidungsforum für textile network.

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Heute fehlen die Ergebnisse der OECD-Evaluierungen ihre Regelwerke bei kaum einem Thema von internationaler Relevanz. © OECD

 

Die Sparte Bekleidungsindustrie ist einer der größten Konsumgütersektoren der Welt. Und hat einen viel zu großen CO2-Fußabdruck. Was ist nun zu tun? Die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) konnte sich im Zuge der zunehmenden Zahl nur global zu adressierenden Problemstellungen einen Platz auf der Weltbühne erarbeiten. Heute fehlen die Berichte und die OECD-Regelwerke bei kaum einem Thema von internationaler Relevanz. Mit einem kompletten Maßnahmenpaket zur Umsetzung verantwortungsvoller Lieferketten bei Bekleidung stehen der Branche hier Daten, deren Auswertung, Machbarkeitsstudien, Kommunikationsplattformen – kurzum Schlüsselwerkzeuge zur Verfügung. Lösungsansätze und vor allem Koordinations-Chancen für eine komplexe Herausforderung, die zu nutzen sich lohnt.

Das Leitbild der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit bestimmt zunehmend die Politik – national, auf EU-Ebene und global. Notwendige Entwicklungen, die auch und vor allem Bekleidung betreffen.

  • Die Prozesse zur Anpassung des unternehmerischen Handelns an die Bedürfnisse des Planeten – der Menschen, die Kleidung produzieren und derer, die sie konsumieren – sind komplex und anspruchsvoll.
  • Transparenz und Kooperation sind wichtige Werkzeuge auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung.

Ein entscheidender erster Schritt: der 2017 von den Gremien des OECD in engem Schulterschluss mit Experten und unter Mitwirkung von Branchen-Delegierten aufgestellte Leitfaden zur Sorgfaltspflicht im Sektor Bekleidung und Schuhe (Due Diligence Guidance in the Garment and Footwear Sector) legt ein gemeinsames Verständnis der Pflichten im Sektor fest, um Unternehmen dabei zu helfen, die in den mit hoher Kompetenz festgelegten Richtlinien für multinationale Unternehmen festgelegte Kriterien zu erfüllen.

Entscheidende Aspekte

Mit Blick auf die entscheidenden Aspekte der Transparenz und der Kooperation zwischen allen involvierten Marktpartnern und Interessenvertretern sowie auf verwertbare = verfolgbare Daten setzt die OECD-Arbeit den Hebel an entscheidenden Punkten an: Längst dem akademischen Elfenbeinturm der Gründerjahre entkommen, hat man einen Prozess gestartet, um die Ausrichtung von Multi-Stakeholder- und Industrie-Initiativen mit den detaillierten Empfehlungen der Due Diligence Guidance for Responsible Supply Chains in the Garment and Footwear Sector zu bewerten. Dieser OECD Alignment Assessment Prozess mit den daraus resultierenden Bewertungen erfolgt freiwillig.

Darüber hinaus kann die 1961 ins Leben gerufene Organisation, die sich auch dem Kampf gegen Kinderarbeit, soziale Ungerechtigkeit und Ungleichverteilung von Wohlstand, der Flüchtlingsproblematik und vieler anderer Facetten der nachhaltiger Wirtschaft und Politik verschrieben hat, für den Sektor Ergebnisse vorweisen: Das OECD-Pilotprojekt zur Sorgfaltspflicht bei der öffentlichen Beschaffung von Bekleidung und Textilien unterstützt hier die Einkäufer bei der Integration der risikobasierten Sorgfaltspflicht der OECD bei der öffentlichen Beschaffung von Bekleidung und Textilien.

Harmonisierung im Rahmen des EU-Rahmenplans

Das Pilotprojekt, das nun während des zurückliegenden OECD-Forums vom 01. bis 05. Februar gestartet wurde, findet im Rahmen des Programms „Verantwortliches Geschäftsverhalten und öffentliche Beschaffung“ statt und wird voraussichtlich bis Dezember 2021 dauern.

Ein wohl einzigartiges Forum, das Tyler Gillard, Manager am RBC (Responsible Business Conduct) Centre treffend so beschreibt: „Der einzige Platz, wo alle zusammenkommen und die vielfältigen Themen ansprechen können“ – und das auf globaler Basis und mit immenser Fachkompetenz!

Und was wurde bis heute erreicht?

„Rund drei Jahre nach der Verabschiedung der Leitsätze generieren die Stakeholder zunehmend valide Daten darüber, wie sich die Umsetzung entwickelt und reift“; so formuliert es die OECD. Die kürzlich veröffentlichte Machbarkeitsstudie bietet einen Überblick über verschiedene Strategien und viele weitere hilfreiche Anregungen.

  • Die Sparte Bekleidungsindustrie ist einer der größten Konsumgütersektoren der Welt. Und einer mit einem viel zu großen CO2-Fußabdruck, einer Erfolgsbilanz als Arbeitgeber und Verfechter sozialer und ethischer Standards, die vielfältigen Anlass für Kritik liefert. Und gerade wegen der Rolle des Segments als wichtiger Wirtschaftsmotor ist die Implementierung, Überwachung und Einhaltung verantwortungsvoller Lieferketten von größter Bedeutung.

Yvonne Heinen-Foudeh