25.02.21 – Revolution im Modedesign?

Lectra: 3D in der Fashion-Industrie

Um den Muster-Prozess zu optimieren, setzen immer mehr Unternehmen der Branche auf 2D/3D-Lösungen für die Modellerstellung, Gradierung und das Prototyping.

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Mit 3D-Prototyping lassen sich physische Sample auf ein Minimum begrenzen. Bild: Modaris von Lectra für industriereife 3D-Muster © Lectra

 
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Holger Max-Lang: „Bei der Entscheidung für eine digitale Produktentwicklungs-Software lässt sich der ROI genau berechnen. Es gilt, sich transparent zu machen, was dem Unternehmen ein Muster kostet und wie viele im Durchschnitt angefertigt werden.“ © Lectra

 
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Nicht erst seit Corona ist klar, die Zukunft der Modeindustrie liegt in der Digitalisierung. Digitale Lieferketten, Remote-Arbeiten, Online-Shopping und steigende Virtualisierung vom Lookbook über den Showroom bis hin zu Messen prägen den Arbeitsalltag immer stärker. Auch das Design und die Modelentwicklung wandeln sich vermehrt zum digitalen Prozess mit 3D-Simulationen und Virtual Reality.

Holger Max-Lang, President Nord-, Osteuropa und Naher Osten bei Lectra:

„Wir sehen eine steigende Nachfrage von 2D/3D-Lösungen für die Modellerstellung, Gradierung und das Prototyping, nicht nur von Fashion-Brands, sondern auch von Herstellern. Das Ziel der Unternehmen ist es, den Muster-Prozess zu optimieren. 3D hilft physische Prototypen zu reduzieren, schneller Entscheidungen zu treffen und Fehler bei der Produktentwicklung zu minimieren. So sparen Brands wertvolle Zeit und erhebliche Kosten.“

Der Technologie-Spezialist Lectra bietet für die Digitalisierung der Fashion-Industrie flexible Komplettlösungen entlang der gesamten Value Chain. Seit zwei Jahren betreibt Lectra ein eigenes Innovationslabor in Bordeaux-Cestas. Dort arbeiten Teams aus dem gesamten Ökosystem zusammen, etwa Start-ups, Forschungszentren, Kunden und Lectra-Mitarbeiter. Sie entwickeln Produktideen in Design-Sprints und prüfen neue Trends und Technologien auf ihre Marktreife.

3D-Design und -Prototyping: Welche Lösung ist die richtige?

Da ein Prototyp mit Ware und Zutaten in der Regel 200 bis 1.500 Euro kostet, ergibt sich multipliziert mit verschieden Größen und den unterschiedlichen Modellen einer Kollektion eine enorme Summe pro Saison. Mit 3D-Prototyping lassen sich physische Sample auf ein Minimum begrenzen. Modeunternehmen minimieren ihre Muster in der Regel von früher vier bis fünf auf ein bis zwei. Es gibt bereits Unternehmen, die komplett ohne physische Prototypen arbeiten. „Bei der Entscheidung für eine digitale Produktentwicklungs-Software lässt sich der ROI genau berechnen. Es gilt sich transparent zu machen, was dem Unternehmen ein Muster kostet und wie viele im Durchschnitt angefertigt werden“, so Max-Lang. Neben der Kosten- und Zeitersparnis können dank visueller 3D-Simulierungen in kürzester Zeit verschiedene Varianten ausprobiert und Anpassungen vorgenommen werden. Zudem lassen sich typische Fehler im Prozess von der Idee bis zur Umsetzung vermeiden, ganz nach dem Prinzip „First Time Right“.

Karin Schiller, Lectra Professional Services:

„Vielen Lectra-Kunden ist das Zusammenspiel von 2D und 3D sehr wichtig. Denn es garantiert nicht nur attraktives Design, sondern auch eine ordentliche Passform und einen genauen Blick auf die kostentechnische Machbarkeit. So lassen sich Trends schnell und kosteneffizient umzusetzen.“

  • Eine reine 3D-Design-Lösung ist ideal, um kreative Ideen zu teilen.

  • Unternehmen, die sich im ersten Schritt rein auf das Design konzentrieren, müssen im Nachgang die Zeit haben, die Lücke zwischen Design und technischer Machbarkeit in einem Prozess abzustimmen. Denn die Simulation muss am Ende mit dem reellen Modell übereinstimmen.

  • Für Unternehmen, die Produkte schnell auf den Markt bringen müssen, kann dieser Prozess zu Schwierigkeiten führen.

Karin Schiller: „Unternehmen berichten uns, dass sie mit vorgelagertem Design Probleme mit dem Fit haben. Das führt zu einem erheblichen Mehraufwand bei der Schnitttechnik, hier muss man sicherstellen, dass der Fit der Brand durchgängig über alle Produkte gewährleistet ist. Wir raten Brands daher, bei der Entscheidung für eine digitale Lösung zu evaluieren, welche Möglichkeiten es auf dem Markt gibt und was unter Berücksichtigung von Design, Schnitt und Herstellung der richtige Weg für das jeweilige Modeunternehmen ist.“ Am Ende zähle, egal welche Lösung man wählt, dass das Produkt bezüglich Fit und Kostenrange zur Brand passt.

Möglichkeiten der 3D-Simulation

Um 3D-Simulationen weiter zu optimieren und voranzutreiben, passiert in der Industrie einiges. Lectra ist Teil des DTB (Dialog Textil Bekleidung), der gerade Standards erarbeitet, wie digitale Materialparameter erfasst werden ebenso wie die Zutaten. Auch Themen wie Rechtssicherheit werden erörtert. Sobald ein Standardformat für digitale Materialparameter definiert ist, können Stofflieferanten im nächsten Schritt bestimmen, wie und welche Daten sie zur Verfügung stellen. Das vermeidet in Zukunft viel doppeltes Arbeiten. Informationen, wie Materialfall, können einfach per Download abgerufen werden.

Im Vertrieb machen Avatare den Supermodels bereits Konkurrenz. Viele bekannte Labels wie Balmain, Chanel, Burberry oder Ugg werben schon mit virtuellen Models und Influencern. Im Gegensatz zur Stillfotografie können sich Unternehmen viel Zeit und Geld sparen. Denn die Zeit und der Materialbedarf für die Herstellung teurer Fotomuster fällt weg. Ebenso Aufwand und Kosten für die Organisation von Foto-Shootings und Models. Weiterer Vorteil ist, dass man Kunden die Möglichkeit geben kann, sich selbst darzustellen, also einen Avatar auf die individuellen Maße anzupassen. „Eine interessante Entwicklung und Chance, die hohen Retouren über bessere Visualisierung und Gewährleistung guter Passform zu reduzieren. Zudem können Brands ihre Kunden über virtuelle Looks abstimmen lassen, bevor sie produziert werden. Dadurch sind die Labels näher am Kunden und können Angebot und Nachfrage besser aufeinander abstimmen. Was nicht gewählt wird, wird auch nicht produziert“, so Schiller.

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