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26.01.15 — read English version

Leder perfekt genäht

Seit der Frühgeschichte der Menschheit wird Tierhaut zu Leder verarbeitet. Zunächst wurde Leder als Bekleidung und im Wohnbereich genutzt, um sich vor Kälte und anderen äußeren Einflüssen zu schützen. Heutzutage wird der größte Teil des weltweit hergestellten Leders jedoch für die Herstellung von Schuhen verwendet. Aber auch in der Automobil- und Möbelindustrie findet das strapazierfähige Material seinen Einsatz.

Leder wird heute als hochwertiges Automobil-Interieur geschätzt Photos: Groz-Beckert

Leder wird heute als hochwertiges Automobil-Interieur geschätzt Photos: Groz-Beckert

 
Ob Möbel, Tasche, Bekleidung oder Automobil: Erst hochwertige (Leder-) Nadeln sorgen für eine perfekte Nahtoptik

Ob Möbel, Tasche, Bekleidung oder Automobil: Erst hochwertige (Leder-) Nadeln sorgen für eine perfekte Nahtoptik

 
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Das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Leder sind Tierhäute, die zu 95 Prozent von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen und Schweinen stammen. Aber auch Reptilien oder Fische werden für bestimmte Modeartikel als Materiallieferant genutzt. Wurden in der Steinzeit die Felle noch getrocknet oder geräuchert, um sie haltbar zu machen, ging man im 19. Jahrhundert zur Gerbung mit Chromsalzen über. Dieses Gerbverfahren erlaubte eine kürzere Herstellzeit, sorgte für weicheres und besser weiterzuverarbeitendes Leder und machte so eine rationelle Mineralgerbung möglich. Auch heute noch ist die Gerbung mit mineralischen Chromsalzen sowie die mit Fetten und Ölen von zentraler Bedeutung.

Gewonnen wird Leder aus der sogenannten Lederhaut (Dermis) des Tieres. Diese wiederum besteht aus der Papillarschicht (Narbenseite), die dem Leder seine glatte Oberfläche gibt, und der darunter liegenden Retikularschicht (auch Fleischseite), die für die mechanische Festigkeit sorgt. Weitere Eigenschaften des Leders werden durch den Gerbvorgang beeinflusst. So erhält man z.B. sehr verschleißfestes Sohlenleder für Schuhe, aber auch festes und prägbares Leder für das Schuhoberteil. Das Einfärben des Leders findet nach dem Gerben statt. Darauf kann auch eine Oberflächenbehandlung folgen, damit das Leder bestimmte Effekte wie matt oder glänzend erhält oder die Widerstandsfähigkeit erhöht wird.

Da Leder ein Naturprodukt ist, gilt es bei der Verarbeitung seine spezifischen Eigenschaften zu beachten. Entsprechend der Lage der Rippen des Tieres hat es eine Lauf- oder Faserrichtung, die am ehesten reißt und dehnbarer ist. Reißfeste Lederprodukte werden daher entgegen der Faserrichtung verarbeitet. Auch das Schneiden aller Schnittteile muss in der gleichen Laufrichtung erfolgen, auch wenn dies mehr Material erfordert. Beim Vernähen von Leder sind mehrere Punkte zu berücksichtigen. Die Haltbarkeit der Nähte, also die Nahtfestigkeit, spielt meist die wichtigste Rolle. Je höher die Stichdichte (Anzahl der Stiche pro cm), desto mehr Faden befindet sich in der Naht. Dies führt zu einer Erhöhung der fadenbezogenen Nahtreißfestigkeit. (siehe Grafik).

Aber auch die Lederreißfestigkeit trägt zur Haltbarkeit der Nähte bei: Je größer der durch die Nähnadel verursachte Schnitt im Leder, umso geringer ist die Haltbarkeit. Aus diesem Grund sollte die Nadeldicke so gewählt werden, dass die Nadelstabilität für den Nähprozess ausreicht und der Nähfaden ungehindert durch das Nadelöhr gleitet. Gleichzeitig sollten aber übermäßig große Stichlöcher vermieden werden, indem die Nadeldicke nicht größer als nötig ausgewählt wird. Generell kann festgehalten werden, dass die maximale Nahtfestigkeit dann erreicht ist, wenn beim Zerreißen der Naht (Querbelastung) sowohl das Leder als auch der Faden bricht. Dies ist der Schnittpunkt der fadenbezogenen Nahtfestigkeit mit der schneidspitzenabhängigen Lederreißfestigkeit.

Eine weitere wichtige Rolle beim Vernähen von Leder spielt das Nahtbild. Im Bereich Automotive, aber auch bei hochwertiger Bekleidung und Accessoires, wird größten Wert auf eine perfekte Nahtoptik gelegt. Zum einen ist der unterschiedliche Strukturaufbau von Leder in Längs- und Querrichtung für das Nahterscheinungsbild verantwortlich: Durch die nur in Längsrichtung verlaufenden Haarkanäle und Schweißdrüsen ergibt sich je nach Nahtrichtung ein unterschied­liches Nahterscheinungsbild.

Am meisten wird das Nahtbild aber von den unterschiedlichen Nadelspitzen beeinflusst. Je nach Geometrie und Ausrichtung der Schneidspitze wird das Stichloch im Leder definiert aufgeschnitten. Somit können definierte Nahtlagen von gerade bis geneigt erzielt werden. Auch der Stichabstand und der Fadeneinzug ins Leder werden durch die Spitze bestimmt. Unter Berücksichtigung der Beschaffenheit des Leders und der Nahtkonstruktion kann aus unterschiedlichen Schneidspitzen ausgewählt werden. Für Schließ- und Spannnähte bei relativ weichem Leder wie bei Autositzen, eignen sich Nadeln mit geringer Schneidwirkung wie die SD oder die R-Spitze am besten. Für Schließ- und Spannnähte im Schuhbereich (auch Fersennähte) genannt, wo härtere Leder eingesetzt werden, sind Nadeln mit einer P-Spitze besser geeignet, da sich die Stichlöcher bei Nahtbelastung schließen und die Nahtfestigkeit relativ hoch ist.

Bei Steppnähten ist die Wahl der Spitzenform hauptsächlich vom gewünschten Nahtbild abhängig. Für Ziereffekte ist die LR-Spitze am besten geeignet – sowohl bei weichen, als auch bei harten Ledern. Sind auf harten Ledern (wie z.B. Gürteln) signifikante Ziereffekte mit einer aufliegenden Naht gewünscht, sollte die P-Spitze eingesetzt werden. Für weitgehend geradlinige Steppnähte ist der Einsatz einer S oder LL-Spitze möglich. Für sehr harte und trockene Leder wie auch für Kartonagen ist die D-Spitze die beste Wahl. Für Nähautomaten mit multidirektionaler Nährichtung sind vorzugsweise Nadeln mit einer SD- oder R-Spitze einzusetzen, weil dann das Nahtbild in allen Nährichtungen gleich bleibt. Schneidnadeln mit definierter Schneidrichtung sind für Nähautomaten und Stickmaschinen nicht geeignet, da sich das Nahtbild mit der Nährichtung ändert.

Bei der Herstellung hochwertiger Produkte aus Leder kommen auch immer wieder 2-Nadel-Dekorationsnähte ins Spiel. Zu Zierzwecken werden hierbei zwei nebeneinander liegende Nähte in einem Arbeitsgang erstellt. Die linke und die rechte Naht sollten idealerweise das gleiche Nahtbild haben. Bedingt durch die unterschiedliche Einfädelrichtung und Schlingenaufnahme zwischen linker und rechter Nadel kann es allerdings zu Unterschieden in der Nahtoptik kommen. Um dies zu vermeiden, hat Groz-Beckert die Sonderanwendungsnadel SAN 12 entwickelt, die – durch eine exakte Ausrichtung der Schneidengeometrie– ein gleichmäßiges und harmonisches Nahtbild erzeugt.

In Zukunft wird Leder in vielen Bereichen eine große Konstante bleiben. Ob als Bekleidung und im Bereich der Schutz-, Berufs- und Funktionskleidung, ob als Accessoires wie Handtaschen, Geldbörsen und Handschuhen, ob im Sport als Überzug von Bällen und Sportgeräten, oder als unverzichtbares Material in der Möbel- und Automobilindustrie – mit seinen vielfältigen Eigenschaften wird Leder immer seinen Einsatz finden.