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25.03.19 – Kleidung wird schlau — read English version

Von intelligenten Jacken und klugen Hosen

Die digitale Transformation ist inzwischen Realität und verändert auch die Textil- und Bekleidungsindustrie.

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Beispiele von Wearable Tech-Produkten auf der Bühne in Ausstellerbereich, Wear It Festival 2018 © Wear It Berlin/Michael Wittig, Berlin

 
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Kleidung wird schlau! © Nora Kühner

 
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Im Fokus steht die Entwicklung digitaler Prozesse und Strukturen bei Warenbeschaffung, Vertrieb, Kundenkommunikation und Marketing. Die Produktentwicklung und das Produkt selbst treten gerade in der Bekleidung wenig in Erscheinung.

Nach wie vor fehlt die Vorstellung von nützlichen Anwendungen, z. B. für den Einsatz von Sensoren und digitalen Vernetzungen. Kleidung effektvoll zum Leuchten zu bringen ist immer ein Blickfang auf dem Laufsteg, aber es geht um mehr als optische Effekte.

Mehr als (nur) optische Effekte

Auf der Suche nach sinnvollen, relevanten Lösungen, die Technologie und Kleidung zusammenbringen, sind neue Kompetenzen und interdisziplinäres Denken im R&D-Bereich gefragt. Ein Blick auf Sportprodukte lohnt sich. Sport ist wichtiger Bestandteil des globalen Lifestyles. Sportbekleidung mit ihrer Funktionalität, Pflegeleichtigkeit und dem Bewegungskomfort ist zum unverzichtbaren Bestandteil eines aktiven, leistungsorientierten, flexiblen Lebensgefühls geworden. Die Integration elektronischer und sensorischer Funktionen ist die konsequente Weiterentwicklung des an Funktionalität ausgerichteten Leitbildes zeitgemäßer Bekleidung. Fitness und Well-Being stehen dabei im Mittelpunkt. Dabei geht es vorrangig um die Kontrolle, Überwachung und Erfassung von Körperfunktionen- und Daten wie Herzschlag, Blutdruck, Zahl der verbrannten Kalorien beim Workout und vieles mehr. Wirklich durchgesetzt am breiten Markt haben sich bis dato nur Fitnessarmbänder, die in großer Vielfalt auch als modisches Accessoire angeboten werden. Bekleidung tut sich nach wie vor deutlich schwerer, so dass die Absatzzahlen in diesem Bereich nur sehr langsam steigen. Ein Grund für den geringen Zuwachs ist sicher die Abneigung vieler Menschen, Technologie direkt am Körper zu tragen.

Daten-Armband, ja, schlaues Hemd oder kluge Hose, nein

Als Schlüsselbereich für die Entwicklung höchst vielfältiger, individualisierter Anwendungen mit smarten Textilien gilt derzeit die Medizin, etwa in der Rehabilitation, in der Versorgung bei chronischen Krankheiten und in der Langzeitüberwachung von Vitalfunktionen.

Inwieweit auch die traditionelle Textilindustrie Träger der Entwicklung hin zu mehr Technologie in der Kleidung sein wird, ist generell die Frage. Aktuell kommen die führenden Akteure eher aus branchenfremden Bereichen. Diese Firmen setzen sich sehr stark mit den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen der Kunden auseinander, sammeln seit Jahren konsequent Daten und stecken bereits mitten in der Entwicklung einer breiten Palette von individualisierbaren Produkten.

Was bisher noch sehr vernachlässigt wird, sind die ethischen Fragen, die mit diesen technologiezentrierten Entwicklungen einhergehen: Mutiert der menschliche Körper zum reinen Datenlieferanten? Wer trägt die Verantwortung, wenn das smarte Kleidungsstück nicht korrekt funktioniert?

ISPO Academy Masterclass 2019

Die Ungezwungenheit, mit der junge internationale Designer technologische Entwicklungen im Bekleidungsdesign aufgreifen und mit digitalen Services verknüpfen, zeigte die ISPO Academy Masterclass 2019. In den Activewear-Konzepten werden ganz selbstverständlich Technologie, Mode und Funktion vereint. Ein Beispiel hierfür ist das Konzept „FLO“ für ein Martial Arts Outfit mit VR-Brille, Sensoren und Apps. Im Mittelpunkt des Konzeptes „Silverbond“ stehen die Anforderungen und Wünsche der Generationen 55+. Biosensoren messen z. B. den Blutzuckerspiegel, die Körpertemperatur und den Blutdruck. Die Daten werden in Echtzeit übermittelt und ausgewertet, um bei kritischen Zuständen Alarm auszulösen.

Nur mit ganzheitlichem Denken, interdisziplinärer Zusammenarbeit und Verantwortungsbewusstsein kann schlaue Kleidung gestaltet werden, die nicht nur ein weiteres Geschäftsmodell ist, sondern die Lebensqualität vieler Menschen verbessern kann.

Nora Kühner