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12.06.19 – FIBRE – Faserinstitut Bremen — read English version

Crash-sicheres Design für Kleinflugzeuge

Auf der Aero, 10. bis 13. April 2019 in Friedrichshafen, wurden Innovationen rund um Kleinflugzeuge und Drohnen vorgestellt. Mit dabei war das Faserinstitut Bremen.

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Crashversuch aus 35 Meter Höhe: Hält die neue Rumpfstruktur? © Fibre

 
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Adli Dimassi (links) im Gespräch mit Reiner Grefe von der 3D ICOM GmbH © IWS GmbH

 

Genauer gesagt FIBRE-Mitarbeiter Adli Dimassi (32), spezialisiert auf Modellbildung und Simulation, am Gemeinschaftsstand des von Hamburg aus gemanagten Aviares-Netzwerks.

Der Experte für Luft- und Raumfahrttechnik ist am Institut in Bremen als wissenschaftlicher Mitarbeitertätig. Er beschäftigt sich gerade zum Stichwort Safty-Box schwerpunktmäßig mit der Simulation und der Verhaltensvorhersage von Crashstrukturen in Kleinflugzeugen.

Die Aufgabenstellung in diesem Projekt, das im Rahmen der Innovationsförderung des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert und von mehreren Industriepartnern vorangetrieben wird: Die aus FVK-Strukturen der Flugzeugzelle sollen u. a. mithilfe recycelter Langfasern für eine Sicherheitskapsel kostengünstig so verstärkt werden, dass sie im Fall des (Un-)Falles ein Maximum an Energie aufnehmen – und so den Insassen mehr Schutz bieten. Allein in den Jahren 2012 und 2016 verunfallten in Deutschland 79 bzw. 57 Flugzeuge bis 2.000 kg Gewicht; dabei gab es 36 bzw.19 Todesfälle.

Die Projektpartner entwickelten für das Modell C4 des Eisenacher Ultraleichtflugzeug-Herstellers Flight Design exemplarisch ein besonders Crash-sicheres Design. Im Mittelpunkt dabei: Crash-Elemente zur Energieaufnahme, darunter eine versteifte Kabine, ein optimiertes Fahrwerk und ein modifiziertes Sitzsystem. Zum Schutz der Insassen im Brandfall soll die Safety-Box zudem mit einer hitze- und feuerbeständigen Beschichtung versehen werden.

Adli Dimassi, der in Friedrichshafen über diese Entwicklung referierte, war federführend mit Blick auf die Optimierung von Bauteilen dabei, als einzelne Crash-Elemente und das Hauptfahrwerk hinsichtlich ihres Versagensverhaltens experimentell und simulativ untersucht wurden.

Um die neue Kabine mit verstärkter Rumpfstruktur zu testen, gab es in Wolfenbüttel bei der Ostfalia Hochschule inzwischen einen Crash-Versuch. Dabei schlug die an einem Kran hängende Flugzeugstruktur mit einem Bahnwinkel von 34° und einer Geschwindigkeit gut 88 km/h auf den Boden auf. Neigung und Geschwindigkeit markieren die Grenze zwischen nicht tödlichen und tödlichen Unfällen.

Das Ergebnis

Die Struktur hat die meisten Anforderungen erfüllt; die Kabine keine für die Passagiere gefährlichen Schaden gezeigt. Ferner wurde verhindert, dass der Motorblock beim Crash in die Kabine eindringt und so die Sicherheit der Passagiere gefährden könnte. Nach dem Test ist nun weitere Arbeit angesagt, um bei Unfällen dieser Art die Beschleunigung auf den menschlichen Körper zu reduzieren. Dimassi schätzt die Einbindung in solche Forschungsarbeiten. „Dieses Projekt gibt jungen Wissenschaftlern die Möglichkeit, Know-how auf dem Gebiet der Insassensicherheit in Kleinflugzeugen zu sammeln und einen Beitrag für die Luftfahrt der Zukunft zu liefern.“

Aero Friedrichshafen

Die Internationale Luftfahrtmesse am Bodensee ging im April mit Aussteller- und Besucherrekorden zu Ende. Knapp 760 Unternehmen und Forschungseinrichtungen und 32.000 Fachbesucher aus 40 Ländern waren auf der Weltleitmesse der Allgemeinen Luftfahrt vertreten, darunter auch das Faserinstitut Bremen.