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29.01.19 – Raumfahrt – „iBoss“ — read English version

Ein Kühlwürfel-großer Spinnautomat

Die beiden jungen Aachener Textiltechniker Alexander Lüking und Thilo Becker wollen auf dem Mond basalthaltiges Gestein verspinnen.

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Noch Fiktion, aber bereits in zehn Jahren vielleicht schon Realität: eine erste Mondstation. © ESA

 

Die beiden Aachener hatten die Idee am Biertisch losgetreten, die technischen Textilien eine unverzichtbare lunare Perspektive geben soll. Wenige Monate nach der denkwürdigen Kneipenrunde versammelte der Chef des Instituts für Textiltechnik (ITA) an der RWTH, Prof. Dr. Thomas Gries, einige Journalisten um sich, um über den erstaunlichen Werdegang der Idee seiner Mitarbeiter zu informieren. Dass sich Mondgestein vor Ort nach ITA-Know-how per Schmelzspinnen in feinste und zugleich hochfeste Textilfasern umwandeln lassen soll, dieser neue Ansatz habe sich inzwischen in deutschen Raumfahrtkreisen herumgesprochen. Zudem hätten sich schon einige Sponsoren gefunden, um den Kühlwürfel-großen Spinnautomaten „iBoss“ zunächst als Prototyp und Anschauungsmuster für ESA, NASA & Co. zu bauen, hieß es.

Mondgestein vor Ort in feinste und zugleich hochfeste Textilfasern umwandeln

Zurück zum fernen Mond und der Tatsache, dass jedes Kilogramm Baumaterial für Mondstationen, das von der Erde von Amerikanern, Chinesen oder Russen dorthin hochgeschossen werden muss, Unsummen von Geld kostet. MoonFibre, so der Projekttitel, könnte durch Verwendung von mondeigenem Material die Kosten drücken und in Ergänzung zu bisherigen 3D-Druckkonzepten zur Verwertung von Mondgestein dafür sorgen, dass Astronauten, Taikonauten und Kosmonauten tatsächlich auch in faserverstärkten, Impakt-geschützten Basen leben können.

„Was aus dem 3D-Drucker kommt, ist mechanisch nicht fest, um einen ausreichenden Schutz der Besatzung und Einrichtungen auf dem Mond zu gewährleisten“, weiß man am beteiligten Institut für Struktur und Leichtbau.

Wie Mondtextilien erzeugen?

Mit einer ausgeklügelten Technik und mit Solarwärme in einer autarken Box. Dieser Experimentierwürfel soll 300.000 Euro kosten, möglichst zeitnah auf der ISS den Schwerelosigkeitstest bestehen und sich aus Spendengeldern in Tranchen von je 15.000 Euro finanzieren. „Zehn Partner haben wir schon“, sagt Gries und ist weiterhin zuversichtlich. Wesentliche Arbeitsschritte innnen sind: Zerkleinern des Mondgesteins in fingerdicke Würfel, Aufschmelzen bei rund 1.200 Grad, Verspinnen zu hauchdünnen Fasern über ein Düsensystem aus Platin.

Derweil laufen am ITA auf herkömmlicher Technik Spinnversuche mit Basaltmaterial, das dem Mond-Basalttyp „Highlands“ entspricht. Mittelfristiges Ziel ist es, über die Projektdauer von fünf Jahren dauerhaft vier Wissenschaftler, drei Techniker und einen Laboranten zu beschäftigen. Eine ihrer Aufgaben wird es sein, Basaltfasern unter Mikrogravitation zu spinnen, um das Spinnverhalten auf dem Erdtrabanten vorherzusagen.

Im Jahr 2022 will die NASA die nächste bemannte Mondmission starten. Der Mond lockt mit Rohstoffvorkommen wie Helium-3 und empfiehlt sich auch als Sprungbrett für Marserkundungen. Das ITA als Seiteneinsteiger ist bereits am Start.

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