19.06.23 – Outdoorbekleidung

Prototyp für eine fossilfreie Textilindustrie von UPM und Vaude

Die Partnerschaft von UPM und Vaude bietet Inspiration: Die Textilindustrie kann sich von fossilen Materialien verabschieden, schon heute auf erneuerbare Materialien umsteigen und so den Wandel zu mehr Nachhaltigkeit in der Branche vollziehen.

Vaude-Wandern-Wald.jpg

UPM und Vaude entwickeln gemeinsam innovative Oberbekleidung als Prototypen einer fossilfreien Zukunft in der Textilbranche. © Vaude

 

Polyester ist die weltweit am häufigsten verwendete Textilfaser, doch nur 14,8 % des Materials wird derzeit aus recycelten Rohstoffen wie PET-Flaschen gewonnen. Und sogar weniger als 1 % des zur Herstellung von Kleidung verwendeten Materials wird zu neuer Kleidung recycelt. Die Textil- und Schuhindustrie steht daher vor der großen Herausforderung, nachhaltige Lösungen für die erdölbasierte Polyester- und Polyurethanproduktion zu finden.

In enger Zusammenarbeit wagen UPM Biochemicals und Vaude den Schritt Performance-Mode jenseits von Fossilien zu entwickeln und werden nun laut eigener Aussage die erste Fleecejacke aus holzbasiertem Polyester herstellen.

Das zur Herstellung von Polyester verwendete Harz enthält 30 % Monoethylenglykol (MEG), das traditionell aus Erdöl gewonnen wird. Im Verfahren von UPM und Vaude wird dieser Bestandteil nun vollständig durch ein neues Bio-Monoethylenglykol (BioMEG), „BioPura“ von UPM, ersetzt. „BioPura“ ist eine „Drop-in“-Lösung: Es kann problemlos in die bestehende Polyesterherstellung integriert werden, da es molekular identisch zu seinem fossilbasierten Gegenstück ist. Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind eine Voraussetzung für die Förderung nachhaltiger Innovationen in verschiedenen Branchen. Im Rahmen des Verfahrens wird Indorama Ventures, eines der weltweit führenden Chemieunternehmen, an seinem deutschen Standort in Guben ein Polyestergarn polymerisieren und spinnen, das UPMs „BioPura“ „BioMEG“ enthält. In einem zweiten Schritt wird Pontetorto, ein führender Textilhersteller mit Sitz in Prato, Italien, dieses Garn dann zu einem neuartigen, biobasierten Polyestergewebe verarbeiten, das Vaude für die Herstellung des Kleidungsstücks verwenden wird.

„Diese Partnerschaft zeigt, dass transformative Schritte in der chemischen Industrie hin zu erneuerbaren Materialien jetzt möglich sind“, sagt Michael Duetsch, Vice President Biochemicals bei UPM. „Wir stellen mit Vaude einen Prototyp für eine Welt jenseits der Fossilien her und beweisen, dass die nächste Stufe nachhaltiger Textilien bereits jetzt möglich ist. Vaude ist ein Beispiel für die Abkehr von Textilien auf Erdölbasis und die Reduzierung von Emissionen, dem die gesamte Branche folgen muss.“

UPM „BioPura“ wird in Leuna produziert, wo UPM 750 Mio. Euro in den Bau der ersten Bioraffinerie im Industriemaßstab investiert hat. Dort wird nachhaltig gewonnene, zertifizierte Biomasse in Biochemikalien der nächsten Generation umgewandelt, die in einer Vielzahl von Branchen den Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Materialien ermöglichen. Die Bioraffinerie soll insgesamt 220 000 t pro Jahr produzieren und bis Ende 2023 in Betrieb gehen.