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27.03.19 – Gebrüder Otto — read English version

Volle Kraft voraus!

Wer in Europas textiler Welt zuhause ist, dem sind sie ziemlich sicher ein Begriff: hochwertige Garne und Zwirne aus Dietenheim, von Gebrüder Otto.

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Das Werk in Balzheim: Hier haben die Baumwoll- und die technische Spinnerei ihren Sitz. © Otto/Fotograf: Ralph Koch

 
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Andreas Merkel leitet das inhabergeführte Familienunternehmen in vierter Generation. © Otto/Fotograf: Ralph Koch

 
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Dort in Oberschwaben, zwischen Ulm und Biberach, hat das Unternehmen Gebrüder Otto seit über einem Jahrhundert seinen Sitz. Genauso lange kennt der Blick der Inhaber nur eine Richtung: nach vorne. Das Unternehmen, das sich bis heute in Familienhand befindet, engagiert sich deshalb verstärkt im Bereich der technischen Garne und Textilien. Das Erfolgsrezept ist dasselbe wie im Kerngeschäft: technologieübergreifendes Know-how, unbedingter Kundenfokus und verlässliche Produktqualität.

„Die spinnen, die Dietenheimer“

„Wir sind Spezialisten für Spezialanforderungen: Nehmen wir mal an, unser Kunde möchte einen robusten, abriebfesten Stoff herstellen, der außerdem flammfest ist. Dann liefern wir ihm das Garn, mit dem er das optimale Ergebnis erreicht“, fasst Andreas Merkel, Geschäftsführer von Gebrüder Otto und Urenkel der Firmengründer, den Anspruch seines Unternehmens zusammen: Mit Erfahrung, Expertise und Engagement möglich machen, was dem Kunden am meisten nützt. Oder mit Hilfe dieser Eigenschaften hausintern zukunftsträchtige Ansätze identifizieren und umsetzen.

Recot2 und Piumafil

So kamen unter anderem Recot2 und Piumafil zustande, zwei eingetragene Marken des Unternehmens. Piumafil ist ein Garn, das auf Fasern der tropischen Kapokfrucht basiert. Deren attraktive Eigenschaften, insbesondere leicht und wärmeisolierend, sind seit langem bekannt. Allerdings galten Kapokfasern als unspinnbar, bis es Gebrüder Otto als der ersten Spinnerei gelang, aus einer Baumwoll-Kapok-Mischung ein Garn herzustellen – Piumafil.

Bei Recot2 spinnt Gebrüder Otto Baumwollabfälle, beispielsweise aus Webkanten oder Spulfäden, in ein neues Baumwollgarn ein. Den Recycling-Anteil bei Recot2 beziffern Otto und die Uni Ulm, die das Projekt wissenschaftlich begleitet hat, mit rund 25 Prozent, das dadurch eingesparte Wasser pro Kilogramm Baumwollgarn mit ca. 5.000 Liter. Das Spinnverfahren, das Gebrüder Otto entwickeln musste, um Recot2 herstellen zu können, ist aus energetischer Sicht beachtenswert. Es hat den schwäbischen Tüftlern eine Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg eingebracht. Mit „100 Betriebe für Ressourceneffizienz“ adelte das Umweltministerium des Landes den Ansatz als „beispielhaft“ und „nachahmenswert“.

Die entsprechende Urkunde schmückt zusammen mit weiteren Auszeichnungen und Zertifikaten – von ISO 9001, ISO 14001 und ISO 50001 bis GOTS, Fairtrade und Ökotex – eine ganze Wand in der Firmenzentrale in Dietenheim.

Nachhaltigkeit, das zeigt diese Wand, wird bei Gebrüder Otto groß geschrieben

„Das gilt für Rohstoffe, Prozesse und Produkte“, sagt Andreas Merkel. Dann zeigt er auf eine Glasvitrine an der Wand neben den Urkunden. Produkte international bekannter Luxusmarken sind darin zu sehen, direkt neben nachhaltigen Kinderbekleidungslabels. „Führende Markenhersteller suchen heute nicht nur nach dem qualitativ besten Produkt. Sie verlangen Transparenz in Beschaffung und Produktion und erwarten von ihren Lieferanten, dass sie sich gesellschaftlich engagieren. Das machen wir beispielsweise mit der Aktion ‚Dietenheim zieht an‘.“

Bei diesem Satz denkt Andreas Merkel kurz nach. Dann blitzt es in seinen Augen auf und er muss lächeln: „Manchmal stelle ich unser Unternehmen aber auch einfach nur mit dem Asterix-Spruch vor: ‚Die spinnen, die Dietenheimer‘.“

Kombinieren: Visionen + Bodenhaftung + starke Partnerschaften

Genau diese Mischung aus Dynamik, Solidität und Verlässlichkeit, garniert mit schwäbischem Charme, schätzen Kunden und Partner des Unternehmens. Viele verlassen sich seit Jahren oder gar Jahrzehnten auf ihren Lieferanten. Auch mit verschiedenen Hochschulen, unter anderem der Uni Ulm, Forschungsinstituten und Maschinenbauunternehmen pflegt Otto eine enge Zusammenarbeit. Regelmäßig fungiert das Familienunternehmen als Versuchsspinnerei oder als Sparrings-Partner, wenn neue Verfahren oder Maschinen getestet werden sollen. Das empfindet Andreas Merkel als Gewinn, denn „damit vergrößern wir jedes Mal unseren eigenen Wissenspool. Folglich werden wir zunehmend als Kompetenz- und Entwicklungszentrum wahrgenommen, von Kunden wie Partnern. Und da wir über laufende Entwicklungen schon früh Bescheid wissen, können wir diese in unsere Überlegungen miteinbeziehen, wenn es darum geht, neue, kundenspezifische Lösungen zu entwickeln.“

Zeitlose Werte bieten: „Qualität wirkt immer“

Diese kundenspezifischen Lösungen sind es, mit denen Otto auch im Bereich der technischen Garne und Textilien überzeugen kann. „In diesem Segment ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Kunde und Hersteller noch wichtiger als in den traditionellen Anwendungsgebieten unserer Produkte“, sagt Andreas Merkel, während er durch die technische Spinnerei am Standort Balzheim führt. Hier surren mit High-Tech-Fasern bestückte Spindeln in Reih und Glied ihrer neuen Bestimmung entgegen.

Oft gehe einer innovativen Lösung eine lange, intensive Zusammenarbeit voraus, berichtet der Geschäftsführer. Am Ende stehe ein Produkt, das hundertprozentig individuell sei und über dessen „Rezeptur“ die Partner daher Stillschweigen bewahren. Was sich aber schnell herumspräche, seien beispielsweise die hochreinen Qualitäten der Garne, die bei Otto zum Einsatz kommen. „Das wirkt immer“, stellt Merkel schmunzelnd fest. „Bei einem Kunden aus der internationalen Genussmittelindustrie genauso wie bei einem führenden Wäschehersteller von der Schwäbischen Alb.“

Sich neue Ansätze zu Eigen machen: Spinngestrickte Funktionswäsche

Ein Erfolgsbeispiel aus dem technischen Bereich, das gerne zitiert werden darf, sind spinngestrickte Stoffe. Vor Jahren hat Otto eines der ersten Modelle einer Spinnstrickmaschine bei sich aufgestellt. Technologie wie Maschine stammen vom Rundstrickmaschinenhersteller Mayer & Cie., der damals einen Anwendungspartner suchte. Die Zusammenarbeit war so erfolgreich, dass die Partner beim ITMA Sustainable Innovation Award 2015 unter den drei Erstplatzierten landeten.

Obwohl sich seither in Sachen Spinnstrickmaschine viel getan hat, weist das Otto-Exemplar bereits die typischen Vorteile der Prozesskombination auf: Platz-, Zeit- und Ressourcenersparnis. Beim Spinnstricken kommt kein fertiges Garn zum Einsatz, sondern ein Vorgarn, im Falle von Otto ein technisches. Otto-Produktmanager Robin Hefter erinnert sich: „Wir haben viel getüftelt an unserer Spinnstrickmaschine, Komponenten angepasst und Versuche durchgeführt. Das Ergebnis ist die erfolgreiche Verarbeitung eines Aramid-Vorgarns, aus dem wir Stoff für Wäsche mit Schutzfunktion herstellen.“

Aktuell testen Feuerwehren diese Wäsche

Die Rückmeldungen sind positiv: „Alle Interessenten, denen wir die Teile vorlegen, sind überrascht, dass es sich hier um ein reines Aramid-Gestrick handelt“, so Robin Hefter. Das Garn, aus dem diese Gestricke bestehen, verfügt über keine Drehung; eine Tatsache, die sich im fertigen Stoff positiv bemerkbar macht. „Unsere Schutzwäsche fühlt sich so fein, flauschig und natürlich an, dass jeder erst mal eine Baumwollmischung vermutet. Außerdem bilden sich zwischen den geradeliegenden Fasern ‚Luftkammern‘ im Gestrick, die bei gleichem Materialeinsatz und Gewicht die Isolationsfähigkeit des Endprodukts erhöhen. So erreichen wir mit der Spinnstrickmaschine erhöhten Tragekomfort und verbesserte Produkteigenschaften im Vergleich zu alternativen Herstellungsverfahren.“

Apropos Tragekomfort

Um ein möglichst ideales Produkt zu erhalten, blickt Otto immer über den Tellerrand der eigenen Möglichkeiten hinaus. Seinen Aramid-Jersey beispielsweise lässt Otto so ausrüsten, dass er über geruchshemmende Eigenschaften verfügt; ein Faktor, der das Produkt weiter aufwertet.

Oder, um es mit den Worten von Andreas Merkel zu sagen: „Wir warten nicht darauf, dass der Kunde uns seine Anforderungen mitteilt. Stattdessen stellen wir uns immer wieder dieselben Fragen: Was könnte dem Kunden Vorteile bringen? Welche Anforderungen wird der Markt morgen haben und wie können wir uns und unsere Kunden bestmöglich darauf vorbereiten?“

Techtextil

Gebrüder Otto wird sich auf der diesjährigen Techtextil in Frankfurt präsentieren. Kunden, Fachbesucher und Interessierte finden das Unternehmen vom 14. bis 17. Mai 2019 in Halle 3.1, Stand D81. Auf dem Gemeinschaftsstand von Baden-Württemberg International (bw-i) erwartet das Otto-Messeteam seine Gesprächspartner.

von Claudia Bitzer

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