16.09.20 – Forschungsprojekt erarbeitet Unterrichtsmaterial

Nachhaltiger Textilkonsum bei Jugendlichen?

Die 14- bis 17- jährigen Jugendlichen zählen zu den Hauptkonsumenten billiger und schnelllebiger Mode. Neues Unterrichtsmaterial soll helfen, aufzuklären.

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Modekonsum-Verhalten von Jugendlichen. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördertes Projekt der TU Berlin und der Universität Ulm brachte Erstaunliches zutage. © Zolotareva_Elina/stock.adobe.com

 
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Schülerinnen und Schüler berechnen ihren persönlichen CO2-Fußabdruck. © BNTextillabor

 

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt der TU Berlin und der Universität Ulm untersuchte im Zeitraum vom 01. August 2019 bis zum 31. Juli 2021 das Modekonsum-Verhalten von Jugendlichen. Innerhalb des Forschungszeitraumes sollten über ein Schulhalbjahr hinweg die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Co-Design Workshops und Realexperimenten zu verantwortungsvollem Konsum befähigt werden und ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit Mode entwickeln.

Durch die Pandemie hatte sich die Forschungssituation ab Mitte März 2020 jedoch grundlegend verändert und musste an die neuen Bedingungen angepasst werden.

Im Februar 2020 hatte das BNTextillabor den praktischen Teil seiner Arbeit mit drei Berliner und drei Ulmer Schulen bei sehr engagierten Schülerinnen und Schüler sowie Lehrinnen und Lehrer aufgenommen und von Beginn an großes Medieninteresse seitens Print und Hörfunk hervorgerufen.

Dr. Samira Iran, TU Berlin:

„Es war wirklich sehr motivierend zu sehen, wie viel Interesse uns bisher von Seiten der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte und auch von den Medien entgegengebracht wurde. Das war eine schöne Bestätigung für unseren Forschungsansatz, der den Schülerinnen und Schülern so viele Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung und Gestaltung gibt.“

Aufgrund der zeitlichen Versetzung der Unterrichtsphasen in Berlin und Ulm war es noch vor dem Lockdown Mitte März möglich, an den Berliner Schulen mit der praktischen Phase zu beginnen:

So wurde als Auftakt und zum Erproben von Alltagstechniken ein Näh- oder Reparatur-Workshop in jeder Klasse geplant und zum Teil auch schon durchgeführt. Im Rahmen eines solchen Workshops erstellten die Schülerinnen und Schüler z. B. Bienenwachstücher als nachhaltige Pausenbrot-Verpackung.

Auch fanden an zwei der Berliner Schulen bereits Co-Design Workshops statt. Als Realexperimente identifizierten die Schülerinnen und Schüler Upcycling-Workshops, die Entwicklung einer Kampagne für nachhaltige Kleidung in ihrer Schule und die Entwicklung individueller Mini-Garderoben.

  • Die Schulschließungen vom 16. März 2020 bis 12. Juni 2020 und die nur eingeschränkte anschließende Öffnung hat die Forschungssituation des Projektes gründlich verändert. So mussten nun Anpassungen an eine völlig andere Situation vorgenommen werden. Der für die Realexperimente und die damit verbundenen Forschungsfragen benötigte, direkte und persönliche Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern war auf eine zunächst unbestimmte Zeitdauer nicht mehr möglich.

Um die Zeit der Schulschließung sinnvoll zu nutzen, wurden nun viele Praxiselemente und Aufgaben für den Unterricht, die erst für eine spätere Projektphase vorgesehen waren oder als Bestandteile von Workshops dienten, für die sofortige Online-Nutzung aufbereitet. Diese wurden über die projekteigene Website und über die jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer direkt an die Schülerinnen und Schüler weitergegeben. Ziel war es, das Projekt soweit möglich, online weiterzuführen und gleichzeitig den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern und deren Interesse an der Thematik über die Unterbrechung hinweg aufrecht zu erhalten.

  • Das nun für alle Interessierten frei zur Verfügung stehende Online-Unterrichtsangebot umfasst Lehrfilme zum theoretischen Hintergrund von Fast Fashion sowie Aufgabenblätter, die die Reflexion der Fast-Fashion-Problematik und des eigenen Konsumverhaltens ermöglichen. Aber auch praktische Aufgaben zum Thema Upcycling und der Verlängerung der Nutzungsdauer von Kleidung werden zusammen mit einer umfangreichen Auswahl an Tutorials zur Erprobung der eigenen praktischen Fähigkeiten angeboten.
  • Zusätzlich werden mit zwei, bereits als Download verfügbare Broschüren schon in einer frühen Projekt-Phase Lehrerinnen und Lehrer über das Projekt und die Angebote zur Nutzung für die eigene Unterrichtsgestaltung informiert („Mit Realexperimenten Kompetenzen vermitteln für einen kritischen Modekonsum bei Jugendlichen“) sowie die Schülerinnen und Schüler altersgerecht und unterhaltsam an den nachhaltigen Umgang mit Mode herangeführt (Fashion Alternatives).

Die gute Resonanz der Schülerinnen und Schüler, deren Hauptaugenmerk in der Phase der Schulschließung verständlicherweise nicht auf dem BNTextillabor lag, zeigt das große Interesse der Altersgruppe am Thema: „Mit so viel Rücklauf auf unser Online-Angebot hätten wir unter diesen Umständen wirklich nicht gerechnet. Die Schülerinnen und Schüler zeigen großes Interesse an der Fast-Fashion-Problematik. Das ist ein Thema, das Jugendliche beschäftigt“, so Anja Hirscher, Universität Ulm, vom BNTextillabor.

„Wir sind optimistisch, im Herbst wieder mit dem BNTextillabor starten zu können, zumindest haben alle beteiligten Lehrerinnen und Lehrer die Bereitschaft zum Weitermachen erklärt“, äußert sich auch Dr. Samira Iran, die das BNTextillabor seitens der TU Berlin betreut.

Hier geht es zum Unterrichtsmaterial des BNTextillabor

Hier geht es zur Broschüre „Fashion Alternatives“

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