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26.04.19 – Kolumne von Martin Auerbach — read English version

„Ich zuerst“ oder die Abschaffung des Perspektivwechsels

Sich in andere hineinversetzen? Das scheint vielen abhanden gekommen zu sein. Dabei ist dies so wichtig für das gegenseitige Verständnis.

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Die einfache Aufforderung „versetz‘ dich doch bitte einmal in meine Lage“ kann beim Gegenüber den Blick für eine anderen Position öffnen. Martin Auerbach, Hauptgeschäftsführer Heimtex-Verband © Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie

 
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© fotomek - stock.adobe.com

 

Sein Gegenüber verstehen und Verständnis für ihn/sie aufbringen

Wer kennt das nicht: zwei Personen führen eine heiße Diskussion zu einem umstrittenen Thema und jeder versucht, seine Position mit möglichst vielen Argumenten zu verteidigen. Am Ende bleiben zwei frustrierte Akteure zurück, da sie jeweils nicht von ihren Positionen abgerückt sind und auch nicht verstehen, warum sich der andere nicht der Übermacht der eigenen Argumente gebeugt hat. Dabei ist es doch relativ einfach herauszufinden, was dem Gegenüber wichtig ist, in dem man ihm nur zuhört. Und um noch mehr aus der Welt des anderen erfahren zu können, fragt man ihn einfach, warum ihm dieser oder jener Punkt so wichtig ist. Gerade schlechte Erfahrungen, Ängste oder Befürchtungen können maßgeblichen Anteil an der zunächst unverständlichen Haltung des anderen haben. Aber auch moralische oder ethische Einstellung laufen schon mal unerkannt im Hintergrund mit. Wenn ich also weiß, was den anderen bewegt oder antreibt, kann ich mich auch in ihn hineinversetzen und seine Handlung oder Haltung nachvollziehen und im Idealfall auch akzeptieren oder wenigstens bei der Findung einer Lösung berücksichtigen.

Ein Perspektivwechsel in der täglichen Auseinandersetzung ist extrem hilfreich

Wer ihn anwendet, hat meines Erachtens einen deutlichen Vorteil gegenüber starren und auf sich selbst und ihre eigenen Argumente fixierte Gesprächspartner. Die einfache Aufforderung „versetz’ dich doch bitte einmal in meine Lage“ kann dann auch beim Gegenüber den Blick für eine andere Position öffnen.

Diesen Perspektivwechsel scheinen viele Mitmenschen allerdings für sich abgeschafft zu haben. Mein Lieblingsbeispiel ist täglich vor deutschen Lebensmitteldiscountern zu beobachten, wo wenigstens ein Fahrzeuglenker immer direkt vor dem Eingang steht – also dort, wo so überhaupt kein Platz für ein Fahrzeug ist – obwohl freie Parkplätze vorhanden sind. Wie viel Energie kostet es wohl dem Falschparker, die erdrückende Zahl an ordnungsgemäß geparkten Fahrzeugen und die freien Plätze auszublenden und in der eigenen, zwar bequemen aber gegenüber den Mitmenschen rücksichtslosen Sicht zu verharren?

Alles eine Frage der Perspektive sagte der Geisterfahrer, der, nachdem er die Warnmeldung vor einem Geisterfahrer im Radio gehört hat, erzürnt die Polizei in Kenntnis setzt: „Was heißt hier einer? Tausende!“

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