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07.12.18 – Baumwollanbau — read English version

Afrika: So kann der Durchbruch beim Ertrag gelingen

In den letzten 30 Jahren stagnierten die Erträge des afrikanischen Baumwollanbaus auf einem Durchschnittsniveau von 350 Kilogramm pro Hektar.

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© Bremer Baumwollbörse

 

Baumwolle wird vorwiegend in den tropischen Regionen des Kontinents angebaut, wo ergiebiges Sonnenlicht, ausreichend Niederschläge und (in vielen Ländern) fruchtbare Böden eigentlich zu hohen Erträgen und gutem Pflanzenwachstum führen sollten.

Um einen Durchbruch bei den Erträgen zu erreichen und die Effizienz des Nährstoff- und Wassereinsatzes zu erhöhen, empfiehlt Dr. Keshav Kranthi, Leiter Technische Abteilung des ICAC, Afrika, die Entwicklungen in den folgenden Bereichen zu berücksichtigen:

• Ein neues System der Pflanzenarchitektur

• Eine neue Anbaugeometrie

• Wachstumsmanagement

• der Pflanzen

• Management der Bodengesundheit

• Ökologische Techniken im Schädlingsmanagement

Pflanzenarchitektur

Eine kritische Analyse zeigt, dass paradoxerweise das üppige Pflanzenwachstum eine wesentliche Ursache für die geringen Erträge sein könnte. In entwickelten Ländern, wie den USA, Australien und Brasilien, versuchen die Züchter Baumwollsorten mit einer optimalen Zahl an Knospen zu entwickeln. Allgemein liegt diese Zahl bei 15 bis 20 Knospen pro Pflanze und bei 80.000 bis 110.000 Pflanzen pro Hektar. In Asien und Afrika haben Züchter dagegen traditionell Pflanzensorten mit der höchsten Anzahl von Knospen entwickelt (80 bis 150).

Wenn eine Pflanze mehr Knospen ausbildet, benötigt sie mehr Zeit, um hohe Erträge zu erzielen. Eine vorzeitige Ernte führt dann zu niedrigeren Erträgen. 80 Prozent des Wasser- und Nährstoffbedarfs benötigt die Baumwollpflanze während des „kritischen Zeitfensters“, in dem sie blüht und sich die Knospe entwickelt.

Bei Pflanzen mit einer kurzen Entwicklungsphase und einer hohen Pflanzdichte liegt dieses kritische Fenster bei 40 bis 50 Tagen. Bei den Kulturen mit einer längeren Entwicklungsdauer in Asien oder Afrika beträgt es 80 bis 120 Tage. Sorten mit einem hohen Initialwachstum und kräftigen Wurzeln setzen sich gegenüber Unkräutern besser durch. Sie sind außerdem in der Lage, in kurzer Zeit eine ausreichende Menge an Verzweigungen zu entwickeln und das kritische Zeitfenster der Fruchtphase mit der verfügbaren Bodenfeuchtigkeit zu synchronisieren.

Anbaugeometrie und Wachstumsmanagement

Agrarexperten sollten in Erwägung ziehen, optimale Pflanzabstände zum Standard werden zu lassen. Abhängig von der Pflanzenarchitektur, der Bodenart und den Umweltbedingungen sollten zwischen Pflanzen in einer Reihe 8 bis 10 cm liegen und zwischen den Reihen entweder 30 cm, 45 cm, 60 cm, 75 cm oder 90 cm.

Das Wachstumsmanagement besteht vor allem in der Begrenzung der Wuchshöhe auf 70 bis 80 cm. Dadurch reduziert sich erwiesenermaßen das Abwerfen von Kapseln, die Kapselgröße erhöht sich ebenso wie die Anzahl der Fruchtknoten. Außerdem wird die Trockenmasse der Fruchtteile, also Kapseln, erhöht und die Erträge an Saatbaumwolle steigen. Etwa 50 bis 70 Prozent der chinesischen Farmen wenden diese Praktiken an.

Bodengesundheit

Die Verbesserung der Bodengesundheit ist entscheidend für gute Erträge. Agrarexperten müssen daher anhand von Experimenten lokal die besten Methoden zum Erhalt des Bodens ermitteln. Eine wesentliche Rolle spielen dabei entweder eine minimale Bodenbearbeitung oder der Verzicht darauf, der Umgang mit Pflanzenrückständen und die Wahl der passenden Zwischenbepflanzung und Pflanzrotation.

Ein Großteil der chemischen Dünger, die in Afrika und auch sonst in der Welt aufgebracht werden, wird aufgrund falscher Anwendung verschwendet. Ein präziser Einsatz ist besonders in den ressourcenarmen Ländern Afrikas essentiell.

Ökologische Techniken der Schädlingsbekämpfung

Integriertes Schädlingsmanagement (IPM) basiert im Wesentlichen auf Pflanzensorten, die resistent gegenüber saugenden Insekten sind. Eine Behandlung der Saaten schützt die Keimlinge vor Schädlingen und Krankheiten. Mit dem Verzicht auf chemische Insektizide gegen saugende Insekten bleibt das natürliche biologische Kontrollsystem in der Baumwollumwelt intakt. Die Handhabung eines Befalls mit dem Baumwollkapselbohrer gelingt leichter, wenn die natürlichen biologischen Kontrollmechanismen erhalten bleiben, wenn der Einsatz chemischer Insektizide zu Beginn der Saison unterlassen wurde.

Diese Vorschläge basieren auf Erfolgsgeschichten und Standardmethoden, die in entwickelten Ländern angewendet werden. Sie dienen als Lernbeispiele und müssen durch konsequente Versuche und deren Validierung an die jeweils lokalen Bedingungen angepasst werden.

Quelle: The ICAC Recorder, Vol 3, 2018

Auszug aus Bremen Cotton Report Nr. 47/48 – 6. Dezember 2018

Mehr Informationen unter www.baumwollboerse.de