27.08.20 – Exklusivumfrage von textile network (TNW) – Startups – Teil 6

GRDXKN (München): 4D-Textildruck trotz weltweitem Interesse im Wartestand

Gesamttendenz: erwartungsvoll. Die einstigen Ziele in der geförderten Startphase werden nur zeitversetzt erreicht; neue Prototypanwendungen entstehen.

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Bastian Müller: Ein Designer erfindet mit GRDXKN eine neue Textilveredlungs-Technologie. © GRDXKN

 
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Schick mit Protection-Faktor: Sportbekleidung mit Strukturdruck. © GRDXKN

 
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Die Wirtschaft ist schwer angeschlagen. Noch kaschieren Kurzarbeit und staatliche Unterstützung die wahren Auswirkungen. Was bedeutet das für Startups? Immerhin 30 Prozent der Startup-Gründer plagen laut einer Befragung von Bitkom in jüngster Zeit Existenzängste. In Summe setzt jedoch die Mehrheit (63 Prozent) darauf, gestärkt aus der Krise herauszukommen.

textile network (TNW) wollte wissen, ob dieses Meinungsbild auf textile Startups übertragbar ist, von denen bekanntermaßen nicht wenige auf Industrie-4.0-Fortschritte und digitalen Handel ausgerichtet sind. In unserer neuen Serie kommen rund ein Dutzend Gründer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Wort.

Teil 6: GRDXKN (München)

Wie lassen sich Textilien partiell verfestigen? Bei seinen Vorarbeiten für die Diplomarbeit war noch nicht absehbar, dass diese Fragestellung eines Tages zu internationalen Schutzrechten für eine Strukturdruck-Technologie führen würde. textile network sprach mit dem aus Sachsen-Anhalt stammenden Industriedesigner und GRDXKN-Gründer Bastian Müller (42) über die Corona-Folgen.

textile network: Hat Ihnen Corona Fahrt aus den Segeln genommen?

Bastian Müller: Die unternehmerischen Ziele inklusive der Follow ups zur Folge-Finanzierung unserer Tätigkeit, die wir in diesem Jahr eigentlich umsetzen wollten, müssen auf bessere Zeiten vertagt werden. Corona hat uns an dieser Stelle einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das betrifft insbesondere erfolgreiche Prototyp-Entwicklungen beispielsweise im Auftrag der Sportindustrie, die eigentlich längst schon in Serie produziert sein sollten und die ein Teil unseres prognostizierten Umsatzes waren. Ein weiteres Manko: Für mich und meine Partnerfirmen sind Messen, die in diesem Jahr alle ausfallen sind, ein wichtiger Motor und Präsentationsplattform zugleich. Damit hat sich auch die ursprünglich für August vorgesehene erste öffentliche Darstellung meiner Marke GRDXKN in Kooperation auf unbestimmte Zeit vertagt. Auf diese Weise konnte unsere Technologie keine weitere Strahlkraft gewinnen, die sich im vorigen Jahr auf den Leitmessen ISPO und Outdoor ganz verheißungsvoll aufgebaut hatte.

  • Basis-Innovation: Strukturtextildruck à la Bastian Müller mit technisch belastbaren, selbstschäumenden und Wasser basierten Farbsystem führt zu einer dauerhaft reproduzierbaren Lösung zur Verstärkung von Textilstrukturen – der Sport- und Freizeitmarkt mit Protection-Wear profitieren als erste davon.
  • www.grdxkn.com
  • www.patronace.com
  • Gründungsjahr: 2018
  • Mitarbeiter: 2

textile network: Krise als Chance: Denken Sie an die Modifizierung Ihres Geschäftsmodells bzw. hat die Pandemie ggf. neue Türen geöffnet?

Bastian Müller: Für mich als Designer wären festgefahrene Strukturen a priori ein Problem. Unser Berufsstand versucht permanent, bestehende Grenzen aufzubrechen und damit beweglich zu sein. Natürlich hat GRDXKN die Zeit jetzt genutzt, um beispielsweise Entwicklungen und Projekte inklusive der Maskenthematik anzustoßen. Obwohl Innovationen und daraus resultierender Umsatz jetzt erstmal zurückgestellt werden mussten, ist es mein Job, aus solchen Gemengelagen neue Lösungen zu generieren. So hart mich die Krise auch trifft, sie bietet natürlich auch Chancen. Mit unseren Masken beispielsweise konnten wir via Instagram neue Käuferschichten erreichen und zeigen, dass Strukturtextilien und Design eine gute Symbiose sind. Sollte es eine zweite Covid-19-Welle geben, kann ich das Unternehmen entsprechend aufstocken und auch mit Masken einen Umsatzgrundstock generieren. Ich könnte von jetzt auf gleich umswitchen und eine Serienproduktion starten.

textile network: Welches Vorhaben steht unbedingt für dieses Jahr noch auf Ihrem Aktionsplan?

Bastian Müller: Trotz allem haben wir nicht aufgehört, weltweit mit potenziellen Partnern über erste Lizenzen zu sprechen. Es gibt jetzt verstärkte Vertragsverhandlungen, die mich zuversichtlich machen. In den nächsten Jahren – und dafür haben wir schon Vorarbeiten getätigt – steuern wir auch auf Anwendungen in den Bereichen Interieur, Automotive, Transportation, Smart Textiles, Architektur, usw. zu. Dazu haben wir Partner und Multiplikatoren gefunden, die großes Interesse an textilem Struktur-Druck haben – zumal Textildruckereien und -Beschichter mit ihrer angestammten Technik und unserem Know-how zu vollkommen neuen Materialien kommen. Ich hoffe, dass wir in den nächsten drei Jahren so viele Referenzpartner gefunden haben, dass die Marke GRDXKN dann auch international wahrnehmbar wird.

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