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14.01.19 – Smart Textiles — read English version

Textile Elektroden für smarte Überwachung

Textilien mit Intelligenzplus halten Einzug, nicht nur in die Medizin. Arbeitsschutz und Bekleidung profitieren wie Bau, Produktion und Logistik.

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Licht als neue Modedimension: eHauteCouture von Lunative © Lunative

 
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Sensormatte © Oertel

 
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Ob EKG-Shirt für die Telemedizin, Feedbacksystem Hightech-Handschuh für Rollstuhlfahrer, Bauarbeiter-Airbag oder textiler Touchscreen zur Maschinensteuerung: Smart Textiles, also intelligente Textilien als der Shootingstar unter den Technischen Textilien sind stark im Kommen. Die deutsche Textilforschung gibt dafür seit gut einem Jahrzehnt starke Impulse.

Wachstumsplus über 25 Prozent

Nach tiefgreifendem Strukturwandel hat die deutsche Textilindustrie sich im vergleichsweise jungen Geschäftsfeld Technische Textilien eine international führende Position erarbeitet. Trotz unterschiedlicher Zahlenansätze sind sich Analysten weltweit einig: Dieser Markt wird weiter stark anwachsen. Prognosen zufolge wird die Nachfrage aus Anwendungsfeldern wie Architektur, Fashion, Automotive, Verteidigung, Sport und Fitness oder dem Medizinbereich allein für Europa bis 2022 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von über 25 Prozent bringen. Neue technologische Möglichkeiten etwa bei der textilen Sensorik, Thermoenergieerzeugung oder bei technotextilen Beleuchtungslösungen sollen schon bis 2021 eine Verdopplung des Weltmarktvolumens gegenüber 2016 bewirken.

Metallisierte Fäden puschen die Telemedizin

Die Statex Produktions- und Vertriebs GmbH (Bremen) ist mit metallisierten Fäden, oft versilbert, ein global agierender Zulieferer für diesen Wachstumsmarkt. Die anwenderkonfigurierten, hochleitfähigen Garne und Flächengebilde können Vitalparameter erfassen, stimulieren, leuchten, klimatisieren oder alarmieren. Zahlreiche Smart Textiles-Projekte mit der Textilforschung in Aachen, Chemnitz, Denkendorf, Greiz oder Mönchengladbach wurden zum Erfolg geführt; erste Produkte der Telemedizin sind greifbar. Der Einsatz von Textilelektroden beispielsweise in T-Shirts soll bisher übliche Trockenelektroden ablösen und dem Patienten mehr Mobilität ermöglichen.

Vorreiter in Smart-Light-Wear-Technology

Weg von Laborvarianten, hin zum Markt: Unter diesem Motto entwickelt Lunative aus Hamburg als internationaler Vorreiter Anwendungen im Rahmen der Smart-Light-Wear-Technologie. Dabei werden eMobil-Segmente nahtlos u. a. in Kleidungsstücke integriert. Erste Produkte, darunter Stewardess-Bekleidung und Auto-Interieur mit Leuchtfunktionen, wurden inzwischen für Kunden gefertigt.

Nach Worten von Entwickler Andreas Lanyi reicht die Spannbreite der Entwicklungen von einfachen „Stand alone“-Lösungen beispielsweise für Testmarkt-Evaluationen oder Markteinstiege bis hin zu Vernetzungen in technische Ökosysteme für Industrie und Handel. Dabei spielt Licht im textilen Umfeld als Element der Aufmerksamkeitsgewinnung bzw. als Sicherheits- und Kommunikationskomponente eine zentrale Rolle, komplementär ergänzt von smarten textil-kompatiblen Sensor- und Aktorsystemen.

Sensorik für mehr Lebensqualität

Das Start-up Sensomative aus Rothenburg in der Schweiz entwickelte eine Kombination aus textilen Sensoren und intelligenten Klassifizierungsalgorithmen zur Dekubitus-Vermeidung. Die in Kooperation mit der ETH Zürich entwickelte Technologie des 2015 aus der Hochschule ausgegründeten Unternehmens soll sich zunächst in einem smarten Kissen für Rollstuhlfahrer bewähren: „Sensomative wheelchair” besteht aus einer textilen Sensormatte für die Sitzfläche des Gefährts und einer App, die das Sitzverhalten und auftretende Druckbelastungen analysiert, daraus Handlungsaufforderungen ableitet und auf Smart watch oder Smartphone des Nutzers ausgibt. Praxistests zeigten bereits ein deutlich verringertes Risiko von Durchblutungsstörungen oder chronischen Wunden und eine hohe Akzeptanz bei den Anwendern.

Rucksack, Reise- oder Gürteltaschen

Zunehmend plündern Diebe textile Behältnisse mit Hilfe von Messern und anderen Schneidwerkzeugen. Die Berliner Firma bagjack, hat eine mit sächsischen Textilforschern entwickelte Lösung gegen solche Langfinger: Ein Schutzinlet aus Vliesstoff auf der Tascheninnenwand gibt akustisch und per Smartphone Alarm, wenn es durchstochen wird. Zunächst vor allem von Privat, aber auch Kurierdiensten genutzt, wird das Alarmtextil nun für smarte Transportbehälter zu vielfältigen Logistikanwendungen weiterentwickelt. Mittels Sensorik vernetzt, sollen die textilen Container direkt mit der Disposition kommunizieren, über den Zustand des Lieferguts informieren und bei Schäden schnelle Reaktionen ermöglichen. Ebenfalls geplant: eine Fertigung aus modulartig vernetzten Teilen, die den einfachen Austausch beschädigter Elemente ermöglicht. Entsprechende Steckverbindungen, die auf leitfähige Textilien aufgebracht werden können, sind gerade im Entstehen begriffen.

7. Anwenderforum Smart Textiles

Diese und weitere neueste Produkt- und Technologieentwicklungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Ende Februar 2019 in Bad Waldsee beim 7. Anwenderforum Smart textiles vorgestellt. „Das interdisziplinäre Forum will Anregungen für neue Produkte, Dienstleistungen und Technologien geben und zugleich die Smart Textiles-Kompetenzen in der D-A-CH-Region bündeln“, sagt Veranstalter Prof. Dr. Götz T. Gresser von den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung (DITF), der als der größte europäische Textilforschungsstandort gilt. Neueste smarttextile Entwicklung hier: Sensorische Handschuhe für Logistiker und Heizhosen für Skiläufer, die die Muskeln warm und geschmeidig halten.

7. Anwenderforum Smart Textiles

27.–28. Februar 2019

Bad Waldsee