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19.06.19 – Nachhaltigkeit — read English version

„Wir müssen selbst in die Chemie gehen“

Was wäre, wenn sich eine zu Fasern recycelte PET-Flasche nacheinander in mehreren Generationen von Kleidungsstücken wiederfände?

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Aus PET-Flaschen werden Polyethylen-Fasern, die ihre textile Erstverwertung im Regenschutz gefunden haben ... und erneut recycelt zum T-Shirt werden. © Carl Weiske

 
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Textiler mit Chemiefaible: Geschäftsführer Thomas Weiske © Carl Weiske

 
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Dieser Nachhaltigkeitsgedanke lässt Geschäftsführer Thomas Weiske seit 2006 nicht los – mit ermutigendem Zwischenergebnis!

Die Techtextil 2019 war für den in Hof ansässigen Entwickler und Produzenten von Garnen und Fasern Anlass, mit ersten Erfolgen des Greencycle-Nachhaltigkeitsprojekts in die breite Fachöffentlichkeit zu gehen. Dessen Botschaft: Man muss die fast unüberwindbaren Grenzen zwischen Textil und Chemie einreißen, um intelligentes und dauerhaftes Recycling nach den Prinzipien „cradle to cradle“ betreiben zu können. Auf diese Weise kann u. a. verhindert werden, dass schadstoffbelasteter Kunststoff als Ausgangsmaterial in den späteren Garn- und Lebenszyklus von Textilien Einzug hält.

„Wear to wear“

Zwei Kleidungsstücke – eine Regenjacke und ein Shirt – stehen für das von C. Weiske entwickelte „Permanent Textile Recycling System“. Das Besondere an einem ersten Demonstrationsprojekt mit den Schlüsselpartnern Schoeller AG (CH) und Sympatex: Das T-Shirt ist praktisch ein „Enkel“ des ehemaligen Flaschen-Polymers und enthält Polyethylen-Fasern, die ihre textile Erstverwertung im Regenschutz gefunden hatten. Das Modellbeispiel zeigt: Mit seinen recycelten, schadstoffreduzierten Filamenten und Stapelfasergarnen kann der fränkische Garnspezialist inzwischen auf Herstellern von Autositzbezügen, Matratzen, Möbelstoffen oder Arbeitskleidung zugehen und solche Erzeugnisse konzipieren, die dann nach Nutzungsablauf wieder recycelt werden können. Weil das alles komplizierter ist als das in Kurzform beschrieben werden kann, bringt Thomas Weiske einen Vergleich: Es sei relativ einfacher, neue Formteile aus recyceltem Kunststoff herzustellen als ein feines Filament, das dünner als ein Haar ist.

Mehrmals wiederholbar

Diese Nachverwertungsmethodik, die technisch recht aufwendig und laut Weiske eher „Herzensangelegenheit“ sei als sie am Anfang kommerziell erfolgreich sein könne, ist indes nur ein Zwischenschritt zu einem revolutionär zu nennenden Recyclingkonzept. Es soll den „Enkel“-Kreislauf möglichst um die Glieder Ur-ur-ur-enkel erweitern. So könnten Textilien in Zukunft beliebig oft recycelt werden. Dabei liegt die Messlatte nach dem Motto „100 Prozent Qualität aus 100 Prozent PET“ hoch und ist eine Herausforderung an das gesamte Prozessmanagement, das in Hof zusammenläuft.

Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass das 30-Mann-Unternehmen zur Fortschreibung seiner Kreislaufidee starke Verbündete (nicht nur für öffentlich geförderte Projekte) benötigt. Bayern innovativ mit seinem Nachhaltigkeitsnetzwerk WiProNa ist bereits dabei, auch einige Firmen zeigen Interesse an der Mitarbeit bei Greencycle. „Wir halten jetzt Ausschau nach möglichst vielen Herstellern und auch nach Behörden wie beispielsweise die Polizei, die in großen Stückzahlen Uniformen zur Wiederverwertung ausmustert“, benennt Thomas Weiske die nächsten Aufgaben.