23.02.26 – Forschungs- und Entwicklungsprojekt — read English version
Eco-Yarn-Projekt zeigt Faserpotenzial
Ausgemusterte Bettwäsche diente als Materialbasis für ein neues Frottiergarn mit 30 Prozent Recyclinganteil. Versuche in Spinnerei und Weberei bestätigten die technische Machbarkeit des Ansatzes.
Freuen sich über ein erfolgreiches Forschungs- und Entwicklungsprojekt (v.l.n.r.): Andreas Merkel, Geschäftsführer bei Gebr. Otto, Werner Jochum, Verkaufsleiter bei Gebr. Otto, Thorsten Pitschke vom Bifa Umweltinstitut, Cornelia Magno von der Schwob AG (auf dem Bildschirm), Dr. Georg Stegschuster, Leiter des Recycling-Atelier, Hans Spörry von Weseta, Reinhold Regittnig von Gebr. Otto sowie Zlatko Donev, Betriebsleiter bei Weseta. © Gebr. Otto
Gebr. Otto, das Recycling Atelier der Technischen Hochschule Augsburg, die Schweizer Schwob AG und die Weberei Weseta führten das Projekt gemeinsam durch. Die Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ermöglichte eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung aller Prozessschritte. Dr.-Ing. Georg Stegschuster, Leiter des Recycling Ateliers Augsburg, ordnet das Gesamtpotenzial ein: „Jedes Jahr fallen in der EU rund 12,6 Millionen Tonnen Alttextilien an. Darin liegt ein enormes Potenzial an Sekundärrohstoffen, das bislang nur unzureichend genutzt wird. Voraussetzung für eine hochwertige Wiederverwertung ist jedoch ein möglichst homogener und nachvollziehbarer Rohstoffstrom.“
Mechanisches Recycling und seine Grenzen
Ausgemusterte Bettlaken aus dem Mietwäschesegment bildeten die Rohstoffbasis. Wegen der langen Nutzung sind sie stark beansprucht. Ihre definierte Zusammensetzung erleichterte dennoch die Analyse der Recyclingfähigkeit. Beim mechanischen Aufschluss zeigte sich, wie entscheidend die Faserlänge für die spätere Garnqualität ist. Verkürzte Fasern führten zu geringerer Festigkeit. Die Kardierung erwies sich als sensibler Schritt. Die Partner reduzierten deshalb den Recyclinganteil auf 30 Prozent, um eine stabile Mischung zu erreichen.
Industrietests in der Ringspinnerei
In der Produktion bei Gebr. Otto bestätigten sich zentrale Erkenntnisse aus dem Labormaßstab. Die Fasern verursachten verstärkten Faserflug und zusätzlichen Reinigungsaufwand. Einzelne Maschinengeschwindigkeiten wurden angepasst, um einen stabilen Prozess zu gewährleisten. Unter diesen Bedingungen entstand ein Garn der Feinheit Nm 28/1.
Verarbeitung zu Frottierware
Weseta setzte das Garn in der Weberei ein. Der Prozess verlief stabil, doch im Garnlauf wurden sichtbare Unregelmäßigkeiten sowie ein erhöhter Fremdfaseranteil erkennbar.
Ökobilanz und Ausblick
Die ökologische Bewertung durch BIFA weist einen Vorteil von 21 Prozent gegenüber einem reinen Virgin-Garn aus. Andreas Merkel, Geschäftsführer von Gebr. Otto, betont die Bedeutung der Ergebnisse: „Die im Projekt eingesetzten Handtücher hatten bereits ein langes Nutzungsleben hinter sich. Dass wir dennoch zu einem belastbaren Ergebnis gekommen sind, stimmt optimistisch – auch im Hinblick auf andere textile Anwendungen.“


