01.12.21 – 36. IAF-Kongress — read English version

Das globale Modesystem im Wandel

Unsere Korrespondentin Yvonne-Heinen Foudeh war für textile network vor Ort auf der IAF und Euratex Convention, 7.–9. November 2021, in Antwerpen, Belgien.

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Faruque Hassan, Präsident der BGMEA, Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association, bei der Bekanntgabe der Termine und des Veranstaltungsortes für die 37. World Fashion Convention 2022 des IAF, die in Dhaka, Bangladesch, stattfinden wird. © Yvonne Heinen-Foudeh

 

Nach einer Pre-Convention im November 2020, die aufgrund der Pandemie zwangsläufig rein digital über die virtuelle Bühne ging, setzten IAF und Euratex Anfang November dieses Jahres mit ihren jährlichen internationalen Gipfeltreffen wieder auch auf Präsenz.

Wie sehr wir als soziale Wesen letztlich auf den direkten zwischenmenschlichen Kontakt angewiesen sind, um bestmögliche Kreativität und effektiven Konsens zu erreichen, wissen wir spätestens nach einer Vielzahl von Begegnungen, die zwangsläufig auf Distanz stattfanden. Und so hatten sich die beiden Verbände gleichermaßen klug und zeitgemäß für ein hybrides Convention-Format entschieden. Boten ergo die Option zur Teilnahme in Präsenz oder per Streaming für die Interessensvertretungen der global agierenden Textil- und Bekleidungsindustrie. Und konnten in jeder Hinsicht punkten.

Die neue Normalität erfordert den Wandel im Modegeschäft auf allen Ebenen, vom Design bis zur Produktion, vom Betrieb bis zur Beschaffung. Darüber sind sich die Beteiligten auf allen Ebenen einig: Angesichts steigender Anforderungen und sinkender Preise wird ein Schwerpunkt auf schnelleren Prozessen liegen, um eine kunden-zentrierte Organisation mit hoher Geschwindigkeit zu unterstützen. Der Fokus war bereits vor der Pandemie auf verschiedene strukturelle Probleme der Branche gerichtet. Doch nachdem die Forderungen, nachhaltig und klimaschonend zu agieren, von Konsumentenseite unüberhörbar werden, und schließlich die Anforderungen des Ökosystems unseres Planeten offenkundig sind, wird es offensichtlich – der Wandel muss nun zügig erfolgen. Mit dem Leitthema der World Fashion Convention 2021, die dem Thema „Transition of the Global Fashion System“ gewidmet war, hat das IAF also einmal mehr den Nagel auf den Kopf getroffen.

Zügig und achtsam, möchte man hinzufügen: Die International Apparel Federation, der Weltverband der Bekleidungsindustrie, wartete mit einer Agenda auf, die mit hochkarätigen Referaten, inspirierenden Experten- und Anwender-Panels eben diese Perspektiven abbildete: Vertiefende Einblicke in das, was funktioniert oder zumindest funktionieren könnte – Denkanstöße und Reflexionen für rund 300 Delegierte aus der ganzen Welt, die vor Ort oder über den angebotenen Streaming-Service teilnahmen. Etwa 145 Fachleute aus der Bekleidungs- und Textilindustrie, insbesondere aus zahlreichen EU-Ländern, eine große Delegation aus der Türkei, eine bedeutende Delegation aus Bangladesch sowie Delegierte aus dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, den USA, Marokko und Pakistan kamen in den Genuss, sich vor Ort auszutauschen.

Kurz und bündig

Die wichtigsten Impulse aus Antwerpen für alle Beteiligten lassen sich in zwei wesentlichen Aspekten zusammenfassen:

  • Die Akteure des Sektors müssen sich kurzschließen, um von transaktions-bezogenen Beziehungen zu Geschäftspartnerschaften überzugehen, so die Meinung der Führungskräfte.
  • Der Übergang der Branche zu einer effizienteren, nachhaltigeren und transparenteren Industrie hängt von der zielgerichteten Anwendung verfügbarer Technologien, der Zusammenarbeit in der Lieferkette und dem Wechsel zu zukunftsorientierten Geschäftsmodellen ab.

Vivek Ramachandran, CEO des von HSBC gegründeten Anbieters von Lieferkettenlösungen SERAI, brachte es auf den Punkt, als er sagte: „... als Branche brauchen wir eine globale Plattform, auf die alle zugreifen können.“ Es liegt auf der Hand, dass eine derartige Datenbank mit wertvollen Echtzeitdaten gespeist werden muss.

Synergistische Branchenkonvergenz

Antwerpen, Modemetropole, weltweit führendes Diamantenzentrum seit dem 16. Jahrhundert, mit Europas zweitgrößtem Industriehafen wichtiger logistischer Knotenpunkt, war Veranstaltungsort für die 36. IAF World Fashion Convention am 8. November. Synergistisches Veranstaltungskonzept für ganzheitlich denkende Entscheidungsträger. Selber Ort am nächsten Tag: Euratex, der europäische Bekleidungs- und Textilverband, hält seine 9. Convention, angedockt an die IAF-Veranstaltung. Unter dem Leithema „Ein neues Paradigma für die europäische Textil- und Bekleidungsindustrie“ wurden umfassende Inhalte in interaktiven Sitzungen von Experten, institutionellen und Industrie-Vertretern vermittelt. Während die IAF-Konferenz den Wandel in der Industrie durch die Linse der globalen Zusammenarbeit in der Lieferkette betrachtete, nahm die Euratex-Konferenz einen eher legislative Blickwinkel ein: Schließlich wird aus Brüssel in den kommenden Jahren ein umfangreiches Paket an Vorschriften zur Nachhaltigkeit und zu Arbeitsbedingungen auf den Weg gebracht, die große Auswirkungen auf die Bekleidungsindustrie haben werden.

Weitere Eindrücke der beiden Conventions sehen und lesen Sie in unserer Bildergalerie.

37. World Fashion Convention in Dhaka

2022 wird die IAF für ihre World Fashion Convention nach Südwestasien zurückkehren (2019 Convention: Lahore, Pakistan): Wahl des Austragungsortes angesichts von Bangladeschs Schlüsselrolle als einer der größten Bekleidungsexporteure der Welt, wobei der Sektor 83 % der gesamten Exporterlöse des Landes ausmacht.

  • Die 37. World Fashion Convention findet vom 13. bis 17. November 2022 in Dhaka, Bangladesch, statt und wird von den lokalen Verbänden BGMEA, BKMEA und IAF ausgerichtet.

Autorin: Yvonne Heinen-Foudeh